der in der obern Lufft erzeugten Dinge-wann die Erde mit einem Gethön und Gebrumm erschüttert. Allein / man ersiehet wohl hier-aus / daß deren einige vielmehr blosse Zufälligkeiten / als eigentliche Arten des Erdbebens seyen /Dahero man nicht unbillich des Aristotelis oder des Senecae Eintheilung beyzubehalten hätte.Doch ist diß dabey zu mercken / daß die Erde weit öffters nach der Seite / dann nach derTiesse / das ist / über- und unter sich bewegt werde; weilen die Dünste und Geister, die eine Ur-sache des Erdbebens seyn / mehrers nach der Breite / als nach der Tieffe sich ausbreiten.Sonsten hat man auch beobachtet / daß / wie Fromundus und Cabaeus berichten / die Er=Cabæus inde/ wann sie erbebet / nach der Seite / entweder von Osten gegen Westen / oder von Norden ge-gen Suden beweget werde; und zwar aus der Ursache / weilen die Adern der Erden gemeinig= quast.lich von einem Pol zum andern / und zuweilen von Osten gegen Westen / wie man solches genug-sam aus der Erfahrung gelernet / zu gehen pflegen: welches dann dahero kommen kan / weil dieErde gegen dem Pol zu / zusammen getrieben wird / und von dem Himmel / der sich um den Polherumdrehet / eine Veränderung empfahet. Wann demnach die Erden=Adern entweder vonOsten gegen Westen, oder von Norden gegen Suden sich strecken, so werden ohne Zweiffelauch die Ausdämpffungen / die sich in solchen Adern befinden / auf gleiche Weise dahin gezogen;dergestalten / daß / wann sie die Erde erschütteren / sie selbige entweder von Osten gegen Westen /oder von Norden gegen Suden bewegen.§. 2. Es gibt sehr viel Zeichen, woraus ein kommendes Erdbeben zuvor ver-muthet werden mag. Das Erste ist eine grosse und unzeitige Wind-Stille: da nemlich diegantze Materi der Winde entweder noch nicht aus der Erden hervor gebrochen / oder aber sichin derselben Tieffe hinab begeben / und darinnen herum fähret. Seneca erzehlt / daß vor dem Senec.Erdbeben / so zu den Zeiten Neronis die Landschafft Campanien übel mitgenommen / viel Tage nat. quaest.lang ein schönes und heiteres Wetter gewesen seye. Das Andere ist; wann die Lufft unge= c. 17.wohnlich kalt sich erzeigt: dann diese Kälte entspringet daher / daß die Ausdämpffung / so vonNatur warm ist, die Erden=Aderen durchschlieffet; und demnach die Lufft / welche mit keinenwarmen Dünsten angefüllt ist / zu unbequemer Zeit erkaltet; von welcher Kälte auch die Erdenoch härter zusammen gezogen wird / daß die Dämpffe nicht heraus kommen können. DasDritte ist ein dünnes / in einer geraden Lini hinaus reichendes weisses Wölcklein / so entwederbey Tag/ oder meistens nach der Sonnen Untergang an dem heitern Himmel sich sehen lasset:dann / wann an dem Himmel keine Winde und Dämpffe vorhanden / als woraus eine Wolckeentstehet; so bleibt nur ein gar dünnes und gerades Wölcklein zuruck; welches anzeiget, daß al-les still und ruhig seye; indeme nemlich alle Dünste und Winde sich noch unter der Erden ent-alten. Jedoch ist zu wissen / daß auf die erzehlte drey Zeichen nicht allzeit oder meistentheilsem Erdbeben erfolge; gestalten sie sich sehr offt und vielfältig ereignen, und gleichwohlen keinErdbeben hernach gespühret wird: Seind also nur solche Zeichen, die, wann ein Erdbeben ge-schiehet, gemeiniglich vorhergehen; deßwegen dann ein kommendes Erdbeben aus ihnen nichtwohl aber aus denen nachgesetzten vorgesagt werden kan. Das Vierdte ist, wann man, zumahlen da sonsten keine andere Ursach obhanden / in den Bronnen und Quellen ein trübes / sal-tiges / stinckendes / oder mit einem andern unangenehmen / und unnatürlichen Geschmack behaff-tetes Wasser antrifft: Dann solcherley trübes Wesen und übler Geruch entspringet aus denhäuffigen Dünsten / die aus denen Klüfften hervor dringen / und eine mit Schweffel vermischteErde zugleich auswerffen: Deßwegen der Weltweise Pherecydes aus einem Trunck Wassers /den er aus einem Brunnen gethan, geurtheilt, und auch denen Lacedaemoniern zuvor gesagt,daß ihre gantze Stadt durch ein Erdbeben werde zerfallen und ruiniret werden / wie Plinius be-richtet. Das Fünffte ist; wann das Wasser in denen Bronnen wallet, und über sich steiget;welches ohne Zweiffel von der oben angeführten Ursache herrühret: dann der Wind gehet vonunten auf in die Erde / und hebt das oben liegende Wasser in die Höhe: Inmassen dergleichenauch bey dem grossen Erdbeben wahrgenommen worden / so Anno 1570. zu Ferrara entsetzlichenSchaden gestifftet; zu welcher ebenfalls der Po gantz trüb geflossen / und Wasser=Blasen überch geworffen. Ein solches Urthel ist nicht minder zu fassen / wann das Meer ohne Winde sichauffblähet; gestalten diese Aufblaͤhung von denen häuffig hervor tringenden Geistern und Dün-sten verursachet wird. Das Sechste ist; wann die Vögel und meiste vierfüssige Thiere dieOerter und Gegenden / wo leichtlich Erdbebungen entstehen können / verlassen / und sich ander-wertshin verlauffen: dann sie spühren eine Zeit vorher das Erden-Zittern und Bewegen derBaum=Wurtzlen. Das Siebende Zeichen ist, wann ein Gethoͤn und Gebrumm in der Erdegehört wird: dann gleichwie die Lufft, wann sie geschlagen wird, einen Thon gibt; also thönenauch der eingeschloßne Dunst oder Wind / wann er an die Erde schlägt / und zugleich auch ge-chlagen wird: wiewohlen auch zuweilen zwar ein Gethön sich hören lasset / aber doch kein Erd-beben darauf erfolget; weilen der Dunst zu Erregung eines Thons / nicht aber zur Bewegungder Erden starck und mächtig genug ist.Poli-Rez
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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317
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