Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
302
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Philosophische und Politische Beschreibungalle Elende ins gemein gebohren. Das Glück hat ihn darum mit Reichthum und Gütern be-gabet, damit er Gelegenheit habe, seine Barmhertzigkeit gegen die Dürfftige zu zeigen: Dannglücklichen Leuten eignet und gebühret es fürnemlich / daß sie die Elende durch ihre Hülffe auchglücklich machen. Du eröffnest gleichsam ein warmes Gesund=Bad / wann du die Hand auff-thust / dem Armen ein Allmosen zu reichen. Du curirest so viel Arten der Kranckheiten / als vielerElenden du in ihrer Nothturfft unter die Arme greiffest. Gegen wohlverdiente Leute sich frey-Cic. degebig erweisen / ist zwar Lobens-werth; aber gegen Elende und Verlassene solle man noch weioffic. I. 2. geneigter und gütiger seyn; ermahnet der Beredteste unter den Römern. Dann elender LeutePlin. Pa- einiger Trost bestehet auf reicher Personen Erbarmung. Piinius hält darvor; ein gutthätigerFürst versorge auch zugleich die Armen. Es ist zwar Königlich überflüssigen Reichthum haben.Cic. deweit Königlicher aber / andre reich machen / als selbsten reich seyn; sagte Tullius. Als Kayseroffic. l. 2. Tiberius Constantinus von der Kayserm Sophia getadelt wurde / daß er die Kayserliche Schatz-Reusi. in Kammer durch Allmosen-geben erschoͤpffe; so versetzte er: So lang es Arme geben wird / die einAllmosen annehmen / so lang wird es auch der Schatz=Kammer an Geld nicht fehlen: daß dasAllmosen ist ein grosser Schatz. Je mehr die Bronnen Wasser von sich geben / je mehr laufftihnen wieder zu. Der Saame / den man in die Erde wirfft / kommt wieder mit Wucher hervor;so daß jener Poet sehr wohl geurtheilt:Nullum majus erit lucrum, quàm pascere egenes:Fœnore nam grandi centupla dona feres.Quod datur, aeternum durat, sequiturque datorem:Dantem & captantem munus utrumque juvat.Wer Arme speist / der wird die gröste Schätze kriegen:Dann dieses Capital rentiret hundertfachDie Gab daurt ewiglich / und folgt dem Geber nach;Es kan der Geber und der Nehmer sich begnügen.Das Geld, so man in der Armen Hände leget, träget neuen Zinß & Und ein Wolthäter derDurfftigen kan ohnmöglich darben: dann der Himmel selbsten bleibt ihme so viel Geld-Postenschuldig / als er Schuldner unter denen Armen hat. Wann du demnach das Deinige auf solcheWeise verliehrest / so achte es für lautern Gewinn: und wer auf diese Art verschwenderisch le-bet / der ist der beste Haußhalter. Solches hat Cymon / ein Atheniensischer Fürst / wohl gewust;dann selbiger war dermassen freygebig / daß er auf seinen Land-Gütern / deren er viele besessen /nur darum keine Wächter oder Auffseher gehalten / damit die arme Leute desto grössere Freyheithätten / sich alles des Seinigen nach Belieben zu bedienen: So musten ihme auch immerdaretliche Diener mit Geld nachfolgen / auf daß er alsbalden Allmosen geben könte / und er nichtdurch ein oder andern Auffschub angesehen würde / als wolte er seine Hülffe denen / die ihn dar-um ansuchten / versagen. Wer sein Geben auffschreibet / der hat bereits dardurch die Gabe ge-schmälert. Wer geschwind gibt / gibt doppelt: dann wer langsam gibt / machet offenbahr / daßReusn. in er lang nicht gewolt habe / und ungern daran gekommen seye. Maximilianus der Erste sollegesagt haben: Die Liebe warte nicht / biß daß ein Dörfftiger bitte; sondern wann sie die Nothsehe / so helffe sie / ehe man sie um Hülffe anruffe. Die Barmhertzigkeit siehet nicht auf die Sa-che sondern auf den Zustand; Nemlich gleichwie die Sonne (ist die Lehre des grossen Epicte-ti) ohngebetten und alsbalden auffgehet, auch von jedermann verehret wird; also solt du auchEpict. ap.nicht warten / biß man dich suche / lobe und erhebe / damit du Gutes thuest; sondern dich freywilligStobae, ddarstellen / und nach Art der Sonne jedermann beleuchten. Ich will noch mehr sagen: werMagist.den Armen geschwind und gern giebet / ist dem Höchsten gleich; dann wie der Poet bezeuget / soverrichtet er mehr als etwas Menschliches: Annehmen ist Menschlich; dem Dörfftigen aberOwenusgeben ist Göttlich. König Anaxilaus hat darvor gehalten; der Könige gröste Glückseeligkeit be-stehe darinnen / daß es ihnen niemand an Gutthätigkeit bevor thun könne; indeme kein grösser-und gewisseres Merckmahl der Glückseelig= und Großmüthigkeit seye / als wann man ihrer vieleglückseelig gemacht habe. Dannenhero Dio Cassius von dem Nerva meldet: Daß selbiger et-liche aus dem Rath erwählet / welche Güter kauffen / und sie unter den Armen austheilen musten;wann er aber alles Gelds sich entblösset gesehen / so habe er anfänglich seine Kleider / hernach diegüldene und silberne Geschirr und kostbaren Haußrath / er seye gleich ihme eigenthumlich oderdem gemeinen Wesen zugestanden / denen Meist=Bietenden verkaufft. Wie löblich liessen sichbeede Kayser / Valentinus und Martialis vernehmen; wann sie bezeugten: Es gebühre ihnenals Menschen / vor die Dürfftige zu sorgen / und Fleiß anzuwenden / daß denen Armen kein Un-