der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Wasser nicht so warm / wie im Sommer / seyn müsten: welches aber die Erfahrung wider-spricht. Endlichen / hat der Democritus die Wärme in solchen Wassern / dem unterirrdischenKalch zugeschrieben; dabey aber nicht bedacht / daß das Wasser vom Kalch nicht erhitzt werde /es seye dann derselbe vorhero durch das Feuer gebrannt. Dannenhero sagen wir: Daß§. 2. Die unterirrdische Wasser so wohl von der natürlichen Hitze der Erden,oder von den hitzigen Ausdämpffungen und Geistern / als auch von dem unterirrdischenFeuer / wodurch diese Wasser lauffen; und dann von einer sehr hitzigen Materi ihreWärme erhalten. Dieses beweisen wir also: Es ist bekannt, daß an denen Orten, wo der-gleichen warme Wasser=Quellen sich befinden / sehr viel Feur=fahende Dinge / als Schwefel undPech anzutreffen; die da innerhalb der Erden sich entzünden und brennen: wie dan in etlichenGegenden / wo warme Wasser hervor gequollen / wann solcherley Materien sich verzehret / diewarme Bäder hernach erkaltet seynd. Und gewißlich so würde ohnmöglich eine so grösse Men-ge Wassers das gantze Jahr hindurch beständig warm verbleiben können / wann die Hitze nichtvon diesen Ursachen herkäme. Deßwegen gantz wahrscheinlich ist / daß die warme Wasser undBäder von denenselben nicht anders als ein Wasser=voller Hafen von dem untergelegten Feuer,siedend zu werden pflegen; und last sich die Sache durch nachfolgendes Exempel noch mehrerserklären: Man menge und arbeite einen Thon mit Saltz-Wasser, und mache eine Kugel dar-aus / die innwendig hohl / das Loch aber auch mit Laim verstopfft / und darinn eine enge Röhregesteckt seye. Diese Kugel solle zum Feuer, doch also hingelegt werden, daß die Röhre von sel-bigem abgekehrt stehe: Sobalden nun ersagte Kugel warm worden / so rinnet durch solche Röh-re ein warmes Wasser heraus. Honoratus Faber bringt noch einen andern Beweiß auf dieBahn / der auch nicht zu verwerffen: Dann gleichwie das kalte Wasser / schreibt er, oder derkalte Wein / den wir trincken / mittelst der Filtrirung und Durchseihung / so in unserem Leibe ge-schiehet / warm wird; eben also kan es seyn / daß ein sehr sumpffiges Wasser / indeme es durch dieGänge und Löcher der Erden und Klippen gleichsam durchseihet / und ihme gar viel Feuchtigkeitdardurch benommen wird / mithin auch feurige Theile auffsamle / und sich erhitze: Dahero be-gibt es sich manchmahlen / daß an einerley Ort / warm und kaltes Wasser heraus quillet. Undhieraus ist die Gleichheit zwischen den Feuchtigkeiten eines belebten Coͤrpers / und zwischen den Feuch-tigkeiten, so in dem Cörper der Erden fliessen, auf das allerkläreste zu ersehen; welche Gleichheitnicht minder in dem Heu / so sich entzündet / wan es naß und feucht auf einander geworffen wird /sich antreffen lasset.§. 3. Dergleichen warme Wasser und Bäder seynd gemeiniglich trefflich gesundund heilsam / und fürnemlich durch die gütige Verschaffung der Natur zu Abtreibung dervon Kälte herkommenden Kranckheiten überaus dienstlich: gestalten ein Schweffel=Wasser fürdie Nerven / ein Alaun=Wasser für die Lähme und andere dergleichen Gebrechen / und ein salpetri-sches Wasser zu Purgationen und Oeffnungen des Leibs hülff- und tauglich gehalten wird.Wobey jedoch zu mercken; daß diese Wasser ihre Krafft und Tugend nicht so wohl von derWärme und Hitze / als vielmehr von den mineralischen Dämpffen / und untermischten aus denErtz=Adern ausgehenden Cörperlein empfahen: Dann erdeute Cörperlein öffnen vermittelstder Feuchtigkeit und durch Beyhülff der Wärme die Lufftlöcher, vertreiben die Verstopffungen,und bringen beedes die Adern, und dann die Mäußlein wieder zu ihrer vorigen ungehindertenWürckung: wiewohlen im übrigen die Wärme eines Wassers nicht allzeit / noch ohne Aus-nahm ein Zeichen ist, daß selbiges gesund seye; wie an zerschiedenen Wassern in Sicilien / La-rissa / Magnesia / Melo und Lypara nach des Plinii Bericht kan wahrgenommen werden. Wei= Plin. lib.ters und zweytens ist auch zu mercken, daß durch langen und öfftern Gebrauch der warmen 31. c. 2. SBäder die Stärcke und Leibs=Kräfften abnehmen; dann indeme die Schweiß=Löcher sich durch 6.die Hitze eröffnen / pflegt das Wasser häuffig in den Leib einzudringen.§. 4. Die Heilsamkeit der warmen Bäder verändert sich zuweilen: Dann wannsie im Sommer von der Hitze gerühret und verduͤnnert werden, so seynd sie meistens gereinigt,und folglich zum gesundesten; hergegen taugen sie im Winter nichts; weil sie sodann von denunterirdischen Dämpffen verunlustet und beschweret seyn. Welche Aenderung man mit zer-schiedenen Exempeln belehren kan: immassen das Pisanische warme Wasser denen / so dasselbeohne Unterscheid der Zeit trincken / sehr übel bekommt: Dahero die Inwohner sich angewöhnet /hierauff genaue Achtung zu geben; dann wann sie wahrnehmen / daß im Mertz / Aprill undMay selbiges beginnet gelblicht und trüb zu werden, so urtheilen sie alsbalden, daß es bereitsschädlich zu gebrauchen seye. Eben also schreibt der Veronesische Medicus, Aleardus, von denAponinischen warmen Wassern, daß sie zu Zeiten zum Todt gereichen; und bewehret es mitdem Exempel eines gewissen Edelmanns, der samt seinem Tochter-Mann und andern Hauß-Genossen davon getruncken / und darüber mit ihnen des Todes sey müssen. Ingleichem seynddie Elsassische Saur=Brunnen zuweilen dermassen scharff / daß sie einen Durchlauff verursa-chen;Pp 2
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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299
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