Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
298
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Philosophische und Politische Beschreibungdem Apennenischen Gebürge und dem Po-Fluß; in Teutschland zwischen dem Schwartzwaldund Rhein; in dem Würtenberger=Land nicht weit von Pfortzheim; an dem Boden=See zuUberlingen; in Nieder=Ungarn zu Ofen; allwo dermassen warme Bäder seyn / daß man nichtdarinnen baden kan / sie seyen dann vorhero etlicher massen erkühlt; gestalten sich auch die da-hinein geworffne Eyer, nicht anders, als wie beym hellen Feuer sieden lassen: welches ebener-massen zu Bajæ, nicht weniger in Carien bey dem Berg Caruna; und dann in Judea ohnfernvon dem todten Meer geschiehet. Solcherley Art ist auch ein gewisser Brunn zwischen demSchwartzwald und dem Rhein, wo denen Thieren, die darein geworffen werden, die Haareabzugehen pflegen. Zu Puzolo in Welschland ist ein so siedendes Wasser / daß es nach desCæsii Gezeugnus das Bley zerschmeltzet. So gedencket auch Agricola eines Flusses / Athamasgenannt, der bey abnehmendem Mond dermassen heiß wird, daß er das Holtz, so man dareinCorn.stosset / anzündet. P. Cornelius Hazart schreibet in seiner Chronic; es befinde sich in dem LandHazart. Ugen eine Schwefel=Pfütze / deren Wasser eine solche durchdringliche Hitze mit sich führe / daßAunal.es das Fleisch in kurtzer Zeit von den Beinen ablöse; habe aber einen dermassen abscheulichenpart. 6.und starcken Gestanck, daß nicht nur das ungefehr allzu nahe hinzu kommendes Vieh davonJapon. c. alsbald sterbe, sondern auch die dorten vorbeyfliegende Vögel in der Lufft ersticken, und todtherab fallen. Hergegen kan P. Kircherus nicht genugsam ruhmen / wie gesund die Siciliani-Kirch.sche warme Wasser seyen: und sind unter anderen daselbsten diejenige sehr bekannt, so zwischenMund.den Uberbleibseln der Stadt Sejaca sich auf zerschiedene und verwunderliche Weise hervorthun;subterr. I. dann mitten auf dem hohen Berg S. Colocero siehet man hin und wieder etliche Höhlen / deren5. sett. 3. einige einen geraden / andere aber krumme Eingänge haben: ja etwelche in eine unbeschreiblicheTieffe hinab reichen. Unter andern findet man daselbsten eine ungeheure Höhle in deren Mittec.1.5.8.ein unermäßlich tieffer und anzusehen erschröcklicher Brunne mit vielen warmen Wasser=Adernhervor quillet / und zugleich einen Dampff von sich giebet / der in die Höhe steiget / und denen / soda hinein gehen, einen gesunden Schweiß erwecket. In dieser Höhle zeigen sich unterschied-liche Röhren / die entweder die Natur/ oder die Kunst zubereitet hat/ und die mit warmen Dämp-fen angefüllet seynd; wer nun mit Kopff=Schmertzen / oder Ohren=Weh / oder Taubheit behaff-tet ist / und seine Ohren daran hält / wird in kurtzem von solcher Beschwerung befreyet: und die-nen diese Dämpffe auch trefflich / die Nerven zu stärcken; dahero dann jederzeit eine grosse An-zahl preßhaffter Leute / die ihre Gesundheit suchen / allda angetroffen werden. Sonsten entsprin-gen auf der Ebene dieses Berges noch mehr andere warme Bäder, und unter andern ein Chri-stal=klares Wasser / welches eine verwunderliche Tugend hat / den Leib zu öffnen rc. So weit ob-ernannter Kircherus.Hierauff entstehet die Frage: Woher und was gestalten dergleichen Wasser ihre Hitzeund Wärme überkommen? Aristoteles hat vermeint; es rühre von dem Donner=Strahl herwelches aber falsch ist / weilen die Krafft des Donner=Strahls schädlich ist; dann wer von einemWein, worein derselbe geschlagen, trincket, muß entweder sterben, oder wird wenigstens vonSinnen kommen; da hergegen die warme Wasser gemeiniglich / wie die Erfahrung bezeuget /gesund und heilsam seynd. Zudeme / so gibt es sehr viel Oerter ab / die niemahlen von dem Don-ner=Strahl getroffen worden; als der nicht über fünff Schuh tieff in die Erde hinein fähretAndere halten darfür; daß der Wind unter der Erde durch sein Anstossen und hin= und wieder-prellen sich erhitze / und folglich denen unterirrdischen Wassern / auf welche er sich niederschlagesodann seine Wärme mittheile. Allein, diese Gedancken werden darmit wiederleget; Erstlichdaß der Wind, wann die Wasser einen Weg zum Auslauff gefunden, alsbalden auch davonfliehe; weilen er dünner und subtiler ist / als das Wasser; und demnach folgen müste / wann derwarme Wind nicht mehr vorhanden, daß die unterirrdische Wasser ihre Hitze auch nicht behal-ten könten. Zum Andern; daß der Wind nicht so viel Wärme von sich gebe / als nöthig wäredie Wasser dardurch zu erhitzen. Sennertus behauptet; die Wärme entstehe aus zweyen Was-sern / die ihrer Natur nach kalt seyen; und wann sie zusammen kommen / wegen der mit einan-der streitenden Geister sich erwärmen. Wie dann dergleichen bey dem Wemstein-Oel, undVitriol=Geist; item bey der Vermischung des Scheid=Wassers und Wein=Steins; des Bu-tyri Antimonii, und Salpeter-Geistes zu beobachten; welche Dinge / ohngeacht sie samtlich kaltseyn anzurühren, doch, sobalden man sie unter einander menget, sich erhitzen; und zwar derge-stalten / daß / wann ein Weinstein=Oel in ein aqua fort oder Scheid=Wasser / darinn man Cysensolvirt hat, gegossen wird, das Oel nicht nur anfahet hefftig zu sieden, sondern auch sogar sichzu entzünden. Sonsten haben sich einige beduncken lassen; die unterirrdische Wasser erlang-ten ihre Wärme von den Sonnen-Strahlen: Allein solches ist der Warheit darum entgegen,theils weilen die Sonne keine so starcke Erwärmungs-Krafft hat, daß sie darmit solte biß zudenen in denen tieffsten Höhlen verborgnen Wassern durchdringen / und sie ungemein heiß ma-chen können; theils auch / weilen sonsten in dem Winter / da die Sonne weit entfernet / dererleyWaſſer