Philosophische und Politische BeschreibungKirch. l. 3. demnach das Eyß des Meers süß ist / so kommt solches daher / wie Kircherus schreibt; daß dasgefrorne Saltz=Wasser wegen seiner Schwere zu Boden sincket; das süsse aber welches keinemundsubt. c. 4. Saltzigkeit hat, auch von denen Regen- und Schnee-Wassern immerdar vermehret wird, we-gen seiner Leichtigkeit ob dem schweren Wasser schwimmet / und also durch die umstehende Kälteleichtlich gefrieret.Zum Dritten: wird das Oel, da es etlicher massen gefroren oder bestanden ist, auchschwerer; so daß, wann es in ein anderes unbestandnes Oel geleget wird, es alsobalden, wieCabaeus anmercket, darum untersincket, weilen die meiste Geister, so ihme die Leichtigkeit gege-ben, sich daraus verlohren, in dem unbestandnen aber noch vorhanden seyn.Hier kommet die Frage vor: Erstlich; warum ein Geschirr, darinn man Winters=ZeitWasser gegossen / und dieses letztre gefroren / in Stücke zerbreche? Antwort: Weilen die Ober-fläche des Wassers / als welche der umstehenden Kälte am meisten unterworffen ist / eher / danndas Wasser auf dem Grund gefrieret; wann aber erdeute Oberfläche gefroren / so beginnet auchder innere Theil des Wassers anzuziehen / und mithin einen kleinern Platz einzunehmen: und in-deme also die gefrorne Oberfläche verhindert / daß keine Lufft weiter hinein dringen kan; so zerreistdas Geschirr, damit nirgend keine Leerheit sich finde. Es ist aber diese Gewalt dermassen hefftigdaß auch die stärckste und dickste Cörper dardurch zurissen werden: wie man dan öffters wahr-genommen / daß eiserne Musqueten=Läuffe, wann man selbe mit Wasser gefüllt, auffs fleissigsteverstopffet / und drauffhin an die kalte Lufft gelegt / mit Macht geborsten seynd.Zweytens: Warum das warme Wasser / so man selbiges an die Kälte stellet, ehenderund stärcker gefriere? Antwort: Weilen das warme Wasser dünner und subtiler ist; durchdünne Dinge aber dringet die Kälte besser durch / und überzieht sie geschwinder mit Eyß. Die-ses ist denen Cynamolgern (einem ungestalten und an dem Leib gantz mit Haaren überwachse-Vincent.nem Volck in Indien) durch die Erfahrung wohl bekannt, dahero seynd sie gewohnet, wannBellovacens. hist. sie in dem härtesten Winter mit denen Tartarn ein Treffen halten sollen / sich mit warmen Was-ser zu begiessen / und hernach auf einem staubigen Boden herumzuweltzen / damit der mit deml.32.c.11.Wasser vermengte Staub an dem Leib gefrieren / und sie solchergestalten denselben wider diefeindliche Geschoß und Pfeile mit einem Pantzer von Eyß verwahren mögen.Drittens: Warum etliche Dinge von der Kälte verderben? Antwort: Solches entsiehtmuthmaßlich daher, weilen die Kälte das Geweb und die Ordnung der Theile also verändertdaß sie schwerlichen wiederum in ihren vorigen Stand können gesetzt werden: da nemlich diewässerige Theile sich ausdähnen / die Zäserlen hergegen und dichtere Theile zu zerreissen pflegen.Dahero geschicht es dann, daß in denen allerkältesten Ländern, als in Moscau, Ißland, Nor-wegen, wo die Kälte ungemein regiert, offtmahls Ohren, Nasen, und andere Glieder von derhefftigen Kälte beschadet werden; und darfür kein bequemeres Mittel zu gebrauchen ist / als daßman die verletzten Gliedmassen mit kaltem Wasser begiesse / und in einem warmen Ort mitSchnee bedecke: dann hierdurch eröffnen sich allgemach die Gänge an denen beschadeten Thei-len, und können die Geister und das Blut wiederum in dieselbige eintretten.Vierdtens: Warum an etlichen Orten / die sehr weit von dem Nord-Pol abstehen, dieKälte viel hefftiger seye; als in andern Gegenden, so doch demselben gantz nahe liegen? ZumExempel; in der Pohlnischen Provintz, die Ukraine genannt, ist eine entsetzliche Kälte, da sie dochmit der Normandie fast einerley Breite hat. Item; es laufft durch die Königliche Residentz-Stadt in China / die unter dem 24sten Grad der Breite / gleichwie die Stadt Rom / lieget / eingrosser Fluß / der im Monat November fast in einem Tag zugefrieret / und auch nicht eher / dannerst nach vier Monaten wieder auffthauet und sich öffnet. Antwort: Dieses muß einer ge-wissen Vermischung der Ausdünstungen, die an einem Ort schärffer sind und hervor brechen,als an dem andern / zugeschrieben werden.Fünfftens: Ob die unvernünfftige Thiere von der Dicke oder Stärcke deß Eysses auf ihreDigb.Weise urtheilen könen? Ich antworte mit ja: und erzehlet Digbæus zu dessen Besteiffung etwasverwunderliches; nemlich die Bauren in Thracien seyen gewohnet / die Staͤrcke deß Fluß-Eysses,Tract.1de nat.und ob man sicher darüber wandlen möge, also zu erfahren; daß sie nur beobachten, ob dercorp. 36. Fuchs keck und unerschrocken über dasselbe gehe, oder aber das Ohr auf das Eyß hinzu halteund wieder umkehre? dann er erforsche durch das Gehör / ob das Wasser darunter rausche?Sonsten hat man in acht genommen / daß das pure Eyß / so 2. Finger dick / einen Menschen;welches 3. Finger dick / einen gewapneten Reuter; welches anderthalb Hand=breit dick / eineTruppe; und welches 4. Hand=breit dick ist, eine gantze Armee trage.An-
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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