der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Daraus schliesset man; daß alles Wasser, wann es gefrieret, abnehme; indem, wannselbiges wieder auffgelöst ist / sichs befindet / daß es weniger worden: dann die dünneste Theilepflegen durch die Zusammenpreß- und Drückung auszudämpffen.Nicht allein die stehende und fliessende / sondern auch so gar die Meer-Wasser gefrieren an etlichen Orten. Die zwey erste betreffend hat es seine Richtigkeit / undzeuget es die Erfahrung zu Winters=Zeiten. Dahero schreibt dorten der Poet.Virg. lib.Undaque jam tergo ferratos sustinet orbes,3. Gebrg.Puppibus illa prius patulis, nunc hospita plaustris;Aeraque dissiliunt vulgò, vestesque rigescuntIndutae; caeduntque securibus humida vina.Die Wasser tragen itzt Last-Wägen auf dem Rücken:Wo vor ein Nache fuhr / kan nun ein Karren gehn;Das eherne Geschirr zerspringt vor Kält in StückenDie Kleider siehet man am Leibe starrend stehnJa auch der Wein last sich nicht ungefroren haltenSo daß man ihne muß mit Keul-und Arten spalten.Jedoch ist das / was D. Sibbaldus erzehlet / verwunderlich: nemlich es seye in Schottland an ei-Sibbald.nem Ort Stratterick genannt / ein See / der niemahlen in denen kältesten Monaten biß auf derProdr.Februarii gantz zugefriere; nach solcher Zeit aber in einer einigen Nacht völlig mit Eyß bedeckt;und auch dieses letzte / wann der Frost nur zwey Nacht angehalten / zimlich dick werde: wiewohlScetialen sich dessen Ursache leichtlich aus erst=vorangeführtem, da wir gewiesen, daß es nicht alleinigan der obschon hefftigsten Kälte gelegen seye / erhohlen lasset. Was aber die Gefrierung desMeers betrifft / so seynd einige der Meinung; obschon das Meer ein und anderer Orten demVernehmen nach gefrieren solle / das solche Gefrierung nicht an dem Meer selbsten / sondern nuran denen fremden von den Flüssen und Seen dahin kommenden / und wegen ihrer Leichtigkeitoben schwimmenden Wassern geschehe; und dahero es nur das Ansehen habe / als wann dasMeer selbsten gefroren ware; da es doch nur dessen oberste Fläche seye.Allein / wir sagen dargegen Erstlichen; daß / wann wir so wohl der alten als neuen Scriben.ten Bücher aufschlagen, bey denen meisten es eine ausgemachte Sache seye, daß es ein Eyß undund gefrornes / oder wie andere wollen / ein todtes Meer abgebe / davon Beda bezeugt / daß selbi= Bed. liv.ges gegen Norden eine Wasser=Tag=Reisse von der Insul.Tyle entlegen seye. So berichtede nat.auch Olaus Magnus; das Gothische Meer seye zuweilen dermassen gefroren, daß die Schiffeunbeweglich stehen bleiben: wie dann deßwegen die Schiffleute offters in die gröste Gefahr ge-rathen; da sie nemlich bey sothaner etlich=Monatlicher Eingefrierung ihrer Schiffe / alles Pro= Olaus M.viant und Vorrath auffzehren, und noch darzu von denen Beeren gefährlich beunruhigt wer=lib. 11. deden: welches auch gleichfalls in den andern dem Nord=Pol nahe gelegenen Theilen des grossen reb. sep.Welt=Meers manchmahlen geschehen solle. Allein / zu einer so grossen und weiten Gefrierung tenir.seynd die süsse in diese Meer fallende Wasser nicht genugsam. Zum Andern; kan das Gegen-theilige Fundament, so man von der Natur der Ausdämpffungen herhohlet / auch nicht beste-hen; daß nemlich das Meer Wasser / so unter den Nord-Polen lieget / weder immerdar noch zuWinters=Zeiten darum nicht gefrieren könne / weilen die Sonne von denselbigen Gegenden allzuweit entfernet seye: dann es werden auch allda die Meer=Ausdämpffungen die Gefrierung nichtverhindern können; indeme sie solche entweder wegen der Hitze oder aber wegen Untermischungder Erden verhinderten: Nun geschiehet es aber nicht wegen der Hitze; angesehen sie durch dieKaͤlte selbiger Orten kan vertrieben werden; und auch nicht wegen Untermischung der Erden /weilen diese Untermischung nicht nur die Gefrierung nicht verhindert / sondern vielmehr / wie obenerwiesen worden / befördert.Hieraus folgert sichs Erstlich; daß fast alle Cörper / welche viel Feuchtigkeit haben / ge-frieren und zu Eyß werden können; flüssige Dinge hergegen, deren Theile entweder sehr dünn,und von dem lüfftigen Wesen / gleichwie der Wein=Geist hefftig beweget; oder aber fäserich undmit einander, verwickelt seynd, wie alle Oele, eigentlich nicht gefrieren; darunter auch die Was-ser / deren Theile sehr schwer / und viel bewegt seyn / wie die Saltz=Geiste / und das Quecksilber / gehören: gestalten dann ebenfalls nach des Bartholini Bericht / die Säffte / je edler und stärcker Barthol.de nio.sie seynd / je weniger zugefrieren pflegen.Zum Andern: wird das Saltz-Wasser wegen seiner Dicke und Fettigkeit um so schwer-licher zu Eyß / als ehender das süsse Wasser hergegen wegen seiner Leichtigkeit gefrieret. Wanndem-Oo 3
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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