SchottMag.natpart.3.lib4. synt. 3.Eret. 5.Hamel.lib. 1. decorp. af.fect. cap.
Philosophische und Politische Beschreibung292Die VI. Frage.Von dem Eyß.An kan das Eyß also beschreiben / daß man auch zugleich=mit seinen Ursachen erkläret:Nemlich / es ist dasselbe ein Wasser / so in Seen / Pfützen / Flüssen / oder andernGVeradergleichen Orten von der Kälte / wie auch Untermischung der Erde oder ei-ner trucknen die Wasser-Theile zusammen haltenden Ausduͤnstung gefrieret. Worauferhellet; daß das Wasser des Eyses Materi; und die Gefrierung / Krafft deren die Wasser-Theile an einander hangen / und nicht leicht getrennt werden mögen / seine Form; der Laim aberoder die Zusammenrinnung, wodurch solche Theile sich mit einander fest verbinden, die unter-mischte Erde / oder truckne Ausdünstungen seyen. Dann bekannt ists / daß truckne und feuchteDinge gegen einander eines des andern gleichsam sein Laim ist; wie man an dem trucknenMehl und feuchtem Wasser sehen kan; welche zwey Stück / wann sie mit einander vermischtwerden / sich zu einem festen Zeug zusammen hängen.Die Ursach / so die Gefrierung würcket / ist des Wassers Kälte; welche / weil sie ungleichwesige Dinge zusammen samlet / das Wasser mit der eingemischten Erde / oder mit den trucknenAusdünstungen jedoch also vereiniget / und zusammen drücket / daß zu solcher Gefrierung nichtallein die Wurckung der Kälte / sondern auch die erdige Vermischung vonnöthen ist; als welcheletztere die Gefrierung darum sehr befördert / weilen die Erde an sich selbsten dick ist / und da-hero die Dickheit gern annimmt. Es findet sich aber diese Erd=Untermischung allzeit bey demWasser; indem wir das Wasser=Element nicht pur und rein haben. Und ist diß die Ursach;daß Erstlich / die alleinige Kälte nicht kräfftig genug ist / das Wasser zu gefrieren; angesehen son-sten dasselbe, da die Kälte ihrer Natur nach bey ihme sich finden solle, allzeit natürlicher Weismit Eyß bedeckt wäre: so aber ausser der Erfahrung auch dahero falsch zu seyn erhellet / daß dasWasser im höchsten Grad seiner Natur nach feucht; hergegen jedoch offenbahr ist / daß die Härte des gefrornen Wassers und die Feuchtigkeit einander zuwider seynd. Zweytens; pflegt dasEyß allzeit zu trübem Wasser zu werden. Drittens; gibts die Erfahrung / daß / so man 30. PfSalveter an 100. Pfund Wasser menget und das Wasser hefftig und dergestalten beweget / daßder Salpeter wohl darunter vermischt werde, solches Wasser alsdann auch in der höchstenSommer=Hitze gefriere: Dannenhero seynd die Salpetrische truckne Theile / wie auch anderetruckne Ausdünstungen die eigentliche Verbindung und Zusammenhaltung des gefrornenWaſſers.Hieraus lässet sich schliessen; daß das Eyß vom Wasser keines Wegs wesentlich unter-schieden; sondern nur eine zufällige Veränderung seye: sonsten muste man sagen / das geschmol-tzne Bley seye kein Bley / und der gefrorne Wein seye kein Wein: Deßwegen wenn die Sacra-mentalische Gestalten / darunter das Blut Christi ist / gefroren wären / so würde selbiges auffhö-ren / darunter zu seyn. Doch begehre ich hier nicht zu untersuchen / ob der gefrorne Wein könneconsecrirt und geseegnet werden? daruͤber moͤgen die Theologi und GOtts=Gelehrte ihre Mei-nungen geben. Wir unsers Orts halten für gewiß / daß die Gefrierung nur zufälliger Weißgeschehe; indem das Wasser so geschwind und so leichtlich in seinen vorigen Stand wieder kangebracht werden.§. 2. Daß Eyß ist ein verdicktes; und nicht / wie die Neuere behaupten wollen / einverdünmertes Wasser. Erstlich; weilen es der Augenschein gibt, daß das Eyß dicker, danndas Wasser ist. Zum Andern / last sich solches aus der Härte wahrnehmen / die allzeit eine Ge-fährtin der Dickheit zu seyn pfleget. Und mögen die Gegnerische Fundamenten hier gantz nichtsbeweisen: dann obschon erstlich das gefrorne Wasser einen grössern Platz einnimmt / so geschiehet doch theil dieses darum / daß in dem Eyß weit mehr merckliche Lufft=volle Höhlen / als imWasser sich befinden; und theils kommts dahero, daß mit dem Wasser, wann es gefrieret, vie-Erd= und lufftige Theile vermischt werden; welche Vermischung dann Ursache ist, daß das auf-gelöste Eyß zu einem trüben Wasser wird. Wann demnach gleich jede Theile einen kleinernPlatz einnehmen / und auch verdickt werden; so nimmt doch nichts destoweniger das gantze ausWasser-Erd- und Lufft-Theilen zusammen gewachsene Eyß-Stuck ein grösseres Spatium ein.Und hindert zum Andern nichts / obschon das Eyß bey beobachteter gleicher Grösse insonderheitleichter ist / als das Wasser / auf deme es schwimmet: dann solches entstehet nicht von der Dün-heit / sondern vielmehr daher / daß die Lufft und andere Dünste in dem Eyß auffgehalten; und da-durch so viel Bläßlein / so dasselbe leichter machen / verursacht werden.