Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
289
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.den; dannenhero sie auch einen gantz verderbten Geschmack und Geruch überkommen: dochseynd sie nicht gar schädlich / wann Flüsse oder Bäche darein rinnen / und durch ihr stetiges aus-und einfliessen die Fäulnus verhindern / und die sumpffige Uneinigkeit ausführen.Zum Dritten: Daß alle aus dem geschmoltznen Schnee und Eyß entstandne Wasserdurchgehends ungesund zu trincken seyen: dann wann sie / nach des Hippocratis Meinung /einmahl gefroren / so erlangen sie nicht mehr ihre vorige Natur; sondern verlieren ihre KlarheitLeichtigkeit / und Süsse / und behalten nur / was dick und grob ist.Zum Vierdten: Daß die Regen-Wasser, die Sommers-Zeit unter ungestümen Win-den / und starcken Donner=Wettern fallen / weil sie aus vielen schnell zusammen getriebnen Aus-dünstungen bestehen, nichts wohl aber die, so ohne Ungewitter sich ereignen, billich zu lobenZum Fünfften: Daß auch die Cisternen-Wasser nicht viel, und weniger taugen, alsmanche glauben möchten; theils weil sie niemals an die Sonne kommen / und also ungekochtverbleiben; theils weil sie sich nicht bewegen / noch einiger frischen Lufft theilhafft werden. Da-hero geschiehet es offt / daß sie faulen / und Würmlein darinnen wachsen: doch seynd sie gesun-der / und kan man sie lange Zeit gut erhalten / wann man entweder den Grund mit Kieß undrobem Sand bestreuet / oder kleine Fischlein hinein setzet / welche durch ihr Schwimmen eineBewegung verursachen.Zum Sechsten: Daß das Röhr-Wasser besser seye dann das Bronnen-Wasser; wei-len das erste stetshin in Bewegung ist und von selbsten aus der Erde hervor quillet; da herge-gen das letztre durch angewandten Fleiß und Müh muß herfür gebracht werden: wiewohlendas Bronnen=Wasser alsdann auch besser wird / wann man selbiges öffters schöpffet; indemdardurch immer ein Wasser auf das andere folget / und gleichsam fuesset.Noch eines ist / worüber man zu disputiren pflegt: Nemlich / ob das Röhr=Wasser bes-ser als das Fluß=Wasser seye? Ich will für beyde einige Grund=Ursachen anführen; dem Leseraber davon die Beurtheilung überlassen. Und zwar welche das Röhr=Wasser rühmen / diewenden vor; daß selbiges nicht / wie das Fluß=Wasser / von den Ausdünstungen dick und schwerwerde; ferner daß es von andern und ungleichen Wassern nicht vermenget werde; Item / daßes nicht so vieler Kräuter und Stauden Wurtzlen anschwämme / noch von ihren Säfften sichverunreinige: und dann, daß es den etwa eingeworffnen Unstat nicht mit sich fortführe: wel-chen Beschwerlichkeiten aber allen das Fluß=Wasser unterworffen seye. Dessen jedoch unge-achtet / seynd auch solche Ursachen vorhanden / vermög deren man nach dem Zeugnus des Calu-mellae und Avicennæ, das Fluß=Wasser für gesund und nutzlich zu preisen hat: Dann Erst-lich thut seine Bewegung sehr viel zur Verminderung der Rohigkeit; indem sie verursacht / daßdie Theile der rohen Feuchtigkeit etlichermassen sich verdünnern. Zweytens: obschon die Flüsseimmerhin von der Sonne beschienen seynd; so würckt doch ihre Hitze hier nicht so starck wegendes stetigen Fliessens / wie bey den stehenden Wassern; noch auch so wenig / daß sie nicht solte dasWasser in etwas auskochen können. Drittens: Ists aus der Erfahrung bekannt, daß vielerFlüsse Wasser besser / dann das Rohr=Wasser seye; gleichwie des Tagus in Spañien / des Gan-ges in Indien; und des Choaspis in Persien; von welchem letztern / wie oben gemeldt / der Per-ser Könige selbsten getruncken / und dessen Wasser auf Reisen mit sich geführet haben. Daheroes dann scheinet / daß man hierinn nicht wohl sich entschliessen könne / welchem Theil fürnemlichBeyfall zu geben seye.Politische Schluß=Rede.Die Wahrheit soll aus ihrer Uhr-Quelle und nicht von denenSchwätzern hergehohlet werden.ES ist ein zartes Ding um die Wahrheit; sie wird durch das blosse Anhauchen angestecktWann sie nur von den Zungen der Ohrenbläser und Mährlen-Träger erschreckt wird,so ist sie alsbalden von der Seuche befallen: Dann die Schwätzer seynd eine Pestilentzdes Menschlichen Wesens. Das Fluß=Wasser laufft durch Cloacken und garstige Gänge / undführet alles Aaß mit sich fort; wird aber selbsten von dem Unflat / mit dem es sich vermischt / ver-unreinigt: die Flüsse rinnen an den Uffern hin, und werden an denselben erst trüb gemacht.Führe die Wahrheit zu ihrem Uhrsprung hin; wann auch gleich Schlangen allda ihren Auf-enthalt hätten; dann daselbst wird sie nicht vergifftet / und vergifftet auch andere nicht. Sieliebt die Reinigkeit / und was klar ist: deßwegen schmecken die Wasser auch besser / die man beyder Quelle selbsten trincket. Allerhand fliegende Gerüchte seynd nur Erdichtungen des Pövels;