der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Es wird aber gefragt / Erstlichen: Warum sich die Flüsse in das Meer ergiessen? Ant-wort: Diese Ergiessung wird von etlichen dem Trieb des Gestirns zugeschrieben; andere aberhalten davor, die Welt seye ein grosser Cörper, der soviel Adern habe als Ströhme sich finden,welche nicht anders lauffen / als das Blut in dem Menschlichen Leibe; so da zwar der Naturnach / feucht und schwer ist / jedoch dem Leibe zu gutem über sich steiget / und ohne Auffhören ab-und zulauffet. Jedoch werden etliche Flüsse von den Seen gantz verschlungen, gleichwie derJordan von dem todten Meer; wo dieser anmuthige / und durch die Tauffe Christi höchstbe-glückte Fluß sein schönes Wasser verliehret / und selbiges in gemeldte Pfütze versencket.Zweytens: Warum die Flüsse in den Fruh=Stunden gemeiniglich in etwas zu wachsenpflegen? Antwort: Weilen zu Sommers=Zeiten Nachts sehr viel Thau / und im Winter vielNebel fallen; wodurch es dann geschiehet / daß sie bey darauf folgendem Auffgang der Son-nen / und zwar fürnemlich im Herbst und Frühling / als den zwischen=Zeiten / zu wachsen an-fangen.Drittens: Wie und wo der Nil=Fluß entspringe? Als der da unter soviel Haupt=Flüs-sen in der gantzen Welt einen sehr weiten Weg durch Mohrenland hinlauffet, und das König-reich Egypten bewassert. Hierinn führen die Scribenten gar unterschiedliche Meinungen; al-so daß Lucanus nicht unbillich von diesem Strohm sich vernehmen lassen:Arcanum natura caput non prodidit ulli;Nec licuit populis parvum te, Nile, videre;Amovitque sinus, & gentes maluit ortusMirari, quam nosse tuos.Den Ort / allwo des Nils sein erstes Wasser rinnet /Hat die Natur dem Aug der Menschen nie gegönnet:Sie hatt des Strohmes Quell gantz heimlich zugedecktUnd dessen Wiege stets vor jedermann versteckt:So daß die Leute zwar den Ursprung niemals wissen:Wohl aber sich darob nur bloß verwundern müssen.Dann es finden sich einige / wie Pausanias in Corinthiacis meldet / welche vermeinen; der Nil-Fluß entstehe aus dem Euphrat, der sich unter die Erde verliehret / und hernach oberhalb desMohrenlands herfür kommt. Aristoteles versichert / er entspringe aus dem Berg ArgyroProlomæus glaubt, er fliesse aus denen in dem innern Africa liegenden Seen her, in die sich Arist. I.1.das auf den Mond=Bergen zerschmoltzne Schnee=Wasser ergiesset. Juba meldet unter an=Meteor.dern in den Schrifften / so er von Lybien hinterlassen / daß der Nil bey dem Gebürg in dem in-nern Mauritanien aus einem Sec / Nilides genannt / seinen Uhrsprüng nehme; und will solchesdarum für unfehlbar halten / weilen Crocodille / auch andere Fische und Kräuter / die man sonstennur in dem Nil allein antrifft / allda wahrgenommen werden. Es wird aber die beste und ge-wisseste Meinung seyn / wann man die Uhr=Quelle des Nils in das Paradiß versetzet: allda erzwar entspringt / jedoch sich in unterirrdische Gänge unter die Erde verliehret / und in Africa wie-derum hervorbricht: und kan dessen Ursach diese seyn / daß es scheinet; der Nil=Fluß seye unterdenen vier Flüssen begriffen / die nach dem Zeugnuß der Heil. Schrifft / in dem Paradiß entsprin-gen; inmassen derjenige / der allda Gihon genennet wird (wie es die meiste heilige Vätter aus-legen) eben der Nilus seyn solle: welches dann auch aus den Worten des Textes sich schliessenlasset; wann daselbsten stehet; daß der Fluß Gihon um Mohrenland fliesse; so aber von keinemandern / als dem Nil=Strohm kan gesagt werden.Bey diesem Strohm nun ist sein Wachsthum insonderheit zu beobachten: dann er be-ginnet alle Jahr auf den 27. Junii / das ist / gleich nach dem längsten Tag anzuwachsen; da ernemlich 40. Tag lang zu=und wiederum soviel Tag lang abnimmet: bloß in dem 10. und 11tenJahr der Regierung Cleopatrae solle er sich nicht ergossen haben. Von ersagtem Fluß meldenSeneca, daß die Natur selbigen vor den Augen des gantzen Menschlichen Geschlechts erhoben, Senec.l.4und ihme die Eigenschafft gegeben habe / zu eben der Zeit / da fürnemlich die hitzige Gestirn das natur.Wasser über die Erde heraus ziehen / (welche alsdann soviel davon in sich schlucket / als zu Ver= quest. c. 2.hinderung der Durre auf ein gantzes Jahr nöthig ist) das Königreich Egypten zu überschwem-men: dann in der Gegend / da dasselbe an Mohrenland stosset / regnet es entweder niemahlen /oder gar selten; so daß das Feld des Himmel=Wassers gantz nicht gewohnt ist. Solche Über-chwemmung aber erstreckt sich dermassen weit / daß sie alle Felder und Thäler bedecket; und dieHügel samt den Städten / die darauff gebauet stehen / wie hin und wieder zerstreute Jnsuln an-Nn 2.zuſehen
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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