Philosophische und Politische Beschreibungdes Meers angemerckt: Zum Exempel; etliche Wasser scheinen gantz weiß wegen des kreydi-gen Bodens oder Grunds / wie an vielen Orten die Donau. Der Peneus siehet grün aus / war-er in seiner Bach=Mutter lauffet; da er doch so man davon trincket / Silber=weiß ist. Der Gan-ges in Indien ist schwartz / der Galesius in Italien / und die Iller in Teutschland Dinten=färbig;hergegen der Rhein grunlecht, und die Tyber wie auch der Mayn gelb, weil diese zwey letztrdergleichen Sand mit sich führen. In Thessalien siehet man zwey Flüsse; aus deren einemwann die Schaffe trincken / sie eine schwartze; aus dem andern hergegen eine weisse; und wannsie aus beeden zugleich trincken / eine schwartz und weiß vermischte Wolle bekommen. In Sinafindet sich ein grosser Strohm / Hoanus genannt / welcher ein trübes rothes Wasser führet: Un-terhalb der Stadt Fouin fliesset ein Bach aus dem Berg Talo hervor, dessen Wasser in demHerbst blau / und zu Färbung der Tücher gebraucht wird: In dem Königreich Guiana und des-sen Provintz Amapaja trifft man Blut=färbige Bäche an / deren Wasser um den Mittag gesundzu trincken / Vor= und Nachmittag aber gifftig und schädlich seynd: Der See Biale in Pohlenmacht die Leute schwartz, die im Monat Aprill und May sich darinnen baden.Drittens: Was von dem Lauff und Bewegung der Bronnen zu halten; und ob auchhierinn ein Unterschied zu spühren seye? Ich antworte mit Ja: Wiewohlen man keine anderUrsache sothaner Bewegungen / als die oben bey dem Meer beygebracht worden / anführen kan;so gar mancherley / und fast seltzam ist bey etlichen Bronnen diese Bewegung / daß man nichtszuthun weiß / als nur bloß sie zubewundern. Dann einige dringen mit so grosser Gewalt her-vor / daß sie auch Steine heraus stossen / wie der Marser-Broñ in Phrygien; und die schweresteDinge zuruck treiben / wie ein gewisser Bronn in Arabien; dergleichen einer auch in Portugallsich gefunden: Andere verschlingen alles / was in dieselbe geworffen wird / wie einer in erstge-Plin. I. 2. dachtem Königreich in dem Catinensischen Gebieth; wovon Plinius zu lesen. Etliche / ob sie schonHist. nat. Wasser genug haben, so überlauffen sie doch niemahlen, wie der Bronn Pyrene unten am A-croborietischen Gebürge. Widerum etliche, ungeachtet sie gantz kalt seynd, brudeln wie einc.103.beym Feuer siedendes Wasser, und überlauffen doch auch nicht, sondern setzen sich alsbaldenwieder nieder; wie der Elboganische Saur-Brunnen, so man den Unsinnigen zu nennen pflegt.Etliche schwellen auf/ und lassen sich bald wieder nieder / wie der Crater in Thüringen; oder wieder Bronn, den die Italiäner Pluviana nennen, in dem Comischen Gebieth nahe bey dem Cari-schen See; an welchem Bronnen solches alle Stunden / oder des Tags auch dreymal beobach-tet wird. Andere gleichen dem Meer/ und haben mit demselben Ebbe und Fluth; wie dergleichen einer zu Cadix, und ein anderer zu Bourdeaux in Franckreich seyn solle: Hergegen findetsich bey andern gerad das Widerspiel; dann wann das Meer anlaufft, so nehmen sie ab; undwann dasselbe abnimmt / so lauffen sie an; von welcherley Art dem Bericht nach, etwelche in Hi-spanien angetroffen werden. Etliche lauffen an / und ab; und haben doch keine Gemeinschafftmit dem Meer; wie der Brunn auf der Insul Tenedos, von welchem man sagt / daß er um dieZeit des längsten Tags von dritten Stund nach Mitternacht biß früh gegen sechs Uhr anwach-se: oder wie ein anderer in Dodon, der allzeit um den Mittag ablaufft, um Mitternacht aber zu-nimmt, und hernach wieder allgemach sich verlieret. In Cantabrien findet man 3. Bronnen,die nur 8. Schuh von einander stehen, und zusammen in ein Rinnsaal kommen, mithin einengrossen Fluß machen; selbige pflegen alltäglich 12mahl / zuweilen gar 20mahl zu versiegen. Son-sten gibt es auch einige Bronnen, welche sich von selbsten reinigen; indeme sie alles, was etwavon Koth / Blätter / Scherben rc. auf dem Grund gelegen / nach langer Zeit auswerffen und vonsich stossen; wie der Rhodiser=Bronn auf dem Thracischen Chersoneso. Deme noch beyzufügender wundersame Bron in der Persischen Stadt Schiras; welcher 15. Jahr lang allgemach anwach-set / und hernach wieder 15. Jahr lang nach und nach biß auf den Grund seiner Quelle abnimmt; sodanabermal / wie vorhero anschwället. Nichtweniger finden sich so Broüen als See / die / so etwas dareingeworffen wird / dergestalten zu grosser Verwunderung auffwallen und toben / daß sie auch Donnerund ungestümmes Wetter erregen; allermassen ein solcher See in der Marggraffschafft Baden / vierStund von der Stadt Baden gelegen / anzutreffen; welcher / sobald man das geringste hinein wirft,Regen und Doñer verursachet: deme ebenfals ein anderer See auf den Steurischen Gebürgen / ins-gemein der Schwanberger=Alben genannt / kan verglichen werden. In Peruvien nicht weitvon dem Städtlein Guzeo solle ein See seyn / so vom Aschermittwoch an biß auf den Ostertag /und also die völlige Fasten=Zeit hindurch einen Uberfluß an allerhand Fischen habe; im übrigenaber das gantze Jahr nicht ein einiges Fischlein darinnen gefunden werden könne.Vierdtens: Ob noch mehr andere Eigenschafften bey denen Bronnen zu beobachtenseyen? Antwort: Der Scribenten Bericht nach sehr viel, und sehr wundersame. Bey den-Garamanten solle ein Bronn seyn / der Tags dermassen kalt ist / daß man ihn nicht trincken; unddes Nachts so warm, daß man ihn nicht erleiden möge. Von einem andern in Epiro meldetman / daß sich die ausgelöschte Facklen darinnen wieder entzünden; item / von noch einem an-
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