Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
263
Einzelbild herunterladen
 

der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Canitis ſurdo, canitisque ligato.Kein Stimm bestreitBand und Taubheit.Sirenum cantus sapiens frustratur Ulysses;Auribus occlusis dum sua membra ligat.Sperne voluptatem; multos hic perdidit illix:Obtures animum, ne penetrare queat.Hätt sich Ulysses nicht fest an den Mast gebundenNoch auch das Ohren=Paar verstopfft / und taub gemacht;Die süß Sirenen-Stimm' hätt ihne überwunden /Und gleichwie andere in Noth und Todt gebracht.Du sollt der Wollust / wann sie lockt / den Rucken kehrenVerschließ Gemüth und Sinn / und laß dich nicht bethören.Die VIII. Frage.Von den Würckungen des Meers / und der End-Ursachseiner Bewegung; wie auch von den Sündfluthen /und Uberschwemmungen.Er Eckel und Widerwillen / der denen Schiffenden aufstosset / kommt nicht sowohl von denen aus der Tieffe des Meers aufsteigenden Ausdünstungen / alsvielmehr von der unmässigen Bewegung des Meers / und der innerlichen Auf-rührung der Feuchtigkeiten her: Und zwar soviel das Erste anlangt / darum; weilen die-jenige / so am Uffer oder auf einem Felsen stehen / dergleichen Eckel nicht verspühren / ungeachtetdoch die Ausdunstungen auch biß zu ihnen kommen: Das Andere aber betreffend, deßwegen;weilen durch solche Bewegung / die ebenfalls den Magen erschüttert / die Speise und Feuchtig-keiten nach dem Magen=Schlund zuruckgestossen / mithin ein Eckel und Erbrechen verursachtwerden: je unmässiger dannenhero die Bewegung ist / je grösser und hefftiger wird das Auff-stossen und der Eckel sich erzeigen. Dann gleichwie das Wasser in einem Becher / der mässiglichbeweget wird / gar wenig hergegen wann man selbigen unmässig rüttelt / häuffig überlauffet;also verhält sichs auch hier in diesem Fall. Insonderheit aber pflegen die erregte GallischeFeuchtigkeiten den Magen=Schlund anzugreiffen / und einen Widerwillen zu erwecken; der je-doch / bey denen / die nuchtern seynd / am ehisten zu verspühren ist: dann je leerer der Magen ist /je leichter last er sich bewegen; nicht anders / als ein mit Wasser voll angeschöpffter Cymer we-niger schwancket / dann so er nur halb angefüllet ist. Item: Wann nicht jederman dergleichenEckel ankommet / das rühret sodann auch aus der ungleichen Beschaffenheit der Mägen her.Ersterzehlter dieser Wurckung können noch folgende beygefügt werden: Erstlich; dieSchiffahrende haben aufm Meer mehr Lust und Appetit zum essen / wegen der Hitze und Trück-ne der Meer=Geister. Zweytens: Das Meer=Wasser solle nicht allein ein unfehlbares Mit-tel für den wüttenden Hunds=Biß; sondern auch eine gute Purgation seyn / die Galle und Blutauszuführen. Drittens: Das Meer=Wasser hat eine Auswerff= und Absonderungs=Krafft /indem es die durch Schiffbruch verunglückte Dinge / wie auch die todten Cörper an das Landantreibt: es mag nun gleich solches entweder aus einer gewissen Austreibungs=Krafft oder aberwegen der stetswährenden Bewegung geschehen / wodurch erdeute Dinge an das Uffer getrie-ben/ und allda zuruck gelassen werden; angesehen die Meer-Wellen mit weit grösserem Ge-walt auf das Uffer hinzu=als von dannen wieder ablauffen. Vierdtens: In etlichen Meerenfindet man gantze Wälder von Corallen; wie dann Kircherus berichtet; er seye von einem A= Kirch.rabischen Kauffmann berichtet worden; wasmassen man offt eine solche Menge dick in ineinan= Mund.der gewachsener Corallen=Sträuche antreffe / daß weder die Täucher / noch die Fische dardurch saterr. l.kommen 2. c. 14.