Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
262
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Philosophische und Politische BeschreibungEr verstopffte die Ohren von den Anreitzungen der Sirenen; er war taub und gab ihrem Lo-cken kein Gehör; er ließ sich im Schiff an den Mast-Baum binden; und das schädliche Ge-sang konte nicht zur verschloßnen Ohren=Thür eindringen. Kein Stimm bestreit Band undTaubheit. Wer demnach also übel höret, daß er nichts übels von sich hören darff, der wirdnicht unbillich ein Götter=Sohn genennet: Dann du wirst der Tugend soviel zulegen / als vie-du der Wollust abnimmest. Apollo hat die Athenienser versichert / daß sie alsdann sicher undruhig leben würden / wann ihre Jugend das allerkostbahreste Kleinod in die Ohren hängete.Was war aber dasselbe für ein Kleinod? Ich nenne es / Corallen; das ist / die Farbe der Scham-hafftigkeit. Wer seine Ohren mit Unstat anfüllen lasset / der ist nicht des Ulyssis Nachfolger.Die Aristotelische Farbe ist rein und roth. Welche sich nicht scheuen / unverschamte Reden an-zuhören / die sind in einer bösen Schul erzogen. Der ist wohl Kron und Zepter würdig / dessenOhren / wann sie Schmeichlungen hören / vor Scham erröthen. Was das Gemuth im Schildführet / das zeiget das Gesicht an. Last das Erste die Venus ein; so ist leicht zu schliessen / daßauch der Cupido allda seine Wohnung habe. Der kan kein tüchtiger Regent seyn / welcher dieSchamhafftigkeit aus den Ohren verbannet. Wird das Gehör nicht wohl verwahret; so gibtder Wille der Ehrbarkeit / und der Verstand der züchtigen Eingezogenheit gar leicht den Scheid-Brieff; angesehen sie in einerley Wohnung / nemlich im Haupt sich auffhalten. Das Gemüthmuß nothwendig verwundet werden / wann die Pfeile der Liebe durch die Ohren eindringen kön-nen. Die Ehrbarkeit geräth bald in die äusserste Noth / wo denen Räubern der Ehre die PortenPlutareb. offen stehen.Gleichwie man die Stadt=Thor umbsonst und vergebens zuschliesset / wanneines darvon offen gelassen wird / wodurch der Feind einzubrechen Gelegenheit hat: alsoist es auch noch lang nicht genug / wann man gleich in allen Dingen sich ohntadelich erweiset,anbey aber schädlichen Reden und Discursen Gehör verleihet. Eine fürsichtige Stadt ver-bauet alle Oeffnungen und Zugänge: weilen öffters ein Feind auch durch Cloacen zur höchstenSchande und Schade der Innwohner hinein schleichet. Nichts ist schändlichers / als das Ge-müth von dem Unflath der Ohren überwinden lassen. Wir sollen dahero kein Bedencken tra-gen von der Schlangen die Weißheit zu lernen: dann sobalden dieselbe vermercket, daß der Be-schwörer sie mit seinen Beschwörungen binden und zwingen will; so hebt sie das eine Ohr andie Erde / und das andere verstopfft sie mit ihrem Schwantz/damit durch das Ohr ihr kein Nach-Sines. ep. theil zugezogen werde. Sinesius versichert; daß die Sirenen diejenige / so sich von ihren süssenad Herc. Anreitzungen verführen und verstricken lassen / folgends tödten und umbringen. Betrachte denNero; beschaue den Hannibal; dieser ward durch die Wollüste / und jener durch die ohnordent-liche Begierden verderbet: Der Sirenen Lockungen haben sich durch die Ohren in das Gemütheingeschleichet. Freche Reden müssen von der Ohren-Schwelle hinweg gewiesen werden / da-mit sie die Gemüther nicht frech und wild machen. Wie ein Feind durch miniren in die Stadtzu kommen trachtet / oder wie Troja durch eingeworffnes Feuer in Asche verfallen; also pflegenauch die Liebes Flammen durch die Ohren=Gänge das Schloß des Hertzens zu ergreiffen / undmithin das Gemüth in eine gefährliche Brunst zu setzen: Dieses kan nicht frisch noch gesundseyn / wann das Gehör mit einer schälichen Seuche vergifftet ist. Das Laster triumphiret in derVestung des Hertzens / sobalden der Cupido bey dem Eingang der Ohren in die TrompetenSenec. in stosset.Man muß Ohren haben / die keine Laster annehmen. Das Koth der Wort / und dasproverb. unzuchtige Werck seynd nur dem Zeug nach voneinander unterschieden: das eine ist des an-dern Trabant. Wer seinen Ohrn die Scham ausgezogen / dessen Gemüth hat auch alle Ernst-hafftigkeit abgelegt. Die Vestung des Hertzens steht in Sicherheit / wann die Ehrbarkeit derOhren Schildwacht hält. Das Gemüth ist auffrichtig und ehrlich/ bey dem der Schamhafftig-keit=Fahne vor den Ohren hanget. Der Cupido ist blind; wolte GOtt daß er auch taub wäre!so hätte er weder den Xerxen verletzet / noch den Alexander zu Boden gestossen. Wo die Thü-ren offen stehen / da ist das Hauß vor Dieben nicht gesichert: und der Schatz der Schamhafftigkeit liegt übel in der Truhen des Hertzens verwahret / wann das Ohr nicht gute Wache hält.Blieben die Thor der Ohren allzeit verschlossen / so würden sich wenige Bastarte finden. Derleichte Hauch eines schandbahren Worts erreget im Gemüth die gröste Stürm und Ungestüm-Dringet sich eine unzüchtige Lufft durch das Ohr hinein / so wird die Ehrbarkeit mit einer giffti-gen Seuche angesteckt. Dencke nur / dein Gemüth stehe in Gefahr der Ubergab / wann der Ca-pido an das zarte Ohr=Häutlein anklopffet: Monstra und Ungeheur gehen alsdann hinein,und stecken allda ihre Fahnen auf; dann was ist die Wollust anders / als ein Monstrum undUngeheur; so theils einem Weib / und theils einer Schlangen gleich siehet. Entweder musteein Ithacus werden / oder erfahren / daß es dir wie dem Palinuro ergehe.Cani-

Die süß EirerZu sollt der Vim Würgseiner Bew-Eckd und IVvielmehr von deder Feuch