Philosophische und Politische Beschreibungverbleibet / woraus das Blut durch einen stetigen Zurucklauff sich wiederum in die Adern undGlieder reichlich ergiesset. Der Gebrauch / den die Alte beobachtet / ihre Könige bey Bronnenund Bäume zu krönen / ist merckenswürdig: dann wer nicht durch unausgesetzte Wohlthatenwie eine Brunn=Quell das Wasser / so sie aus der Erden empfahet / der Erden wieder zuschicket;der gibt keinen guten Regenten ab: Und ein Regiments=Person ist dem gemeinen Wesen we-nig nutzlich / wann sie nach Art der Bäume / so von dem Safft der Erden ernährt werden / mitihren Früchten solche Nahrung nicht wieder vergilt. Es ist nicht geschenckt, sondern nur gelie-hen / was die Unterthanen hergeben: und dahero soll es ihnen von der Obrigkeit wieder zurückgegeben werden; nicht anders als wie ein Käuffer und Verkäuffer sich gegen einander verhal-ten; was die Unterthanen dargeschossen / das führt die Obrigkeit ab. Socrates und Alcibiadeshaben einander mit Geben und Wiedergeben artig begegnet; jener schickte wiederzuruck / wasdieser übersandte / so daß / wie der eine den Nahmen eines Wohlthäters suchte / also der andereden Titul eines Danckbaren erwerben wollen. Herr und Knecht haben ihre besondere Absichtgegen einander: der letztere leistet Gehorsam / indem er den Tribut bezahlet; der erstere aber thei-let wegen des empfangenen Tributs seine Hülffe mit. Die Unterthanen seynd Feuer=Funckenund Fackeln / die eine Flamme machen / und sie dem Herren überlassen; dargegen ist der Herr einSitz und Uhrsprung des Liechts, der mit Liecht und Flamme die Unterthanen wieder versiehetEin Regent ist des Volcks Vormund und Verwalter; ihme seynd der Unterthanen Güter an-vertraut, daß er damit wuchern solle. In ihme fliesset des gantzen Volcks Vermögen zusam-men / und haͤuffet sich an wie in einem Meer=Busem / damit es hernach in zerschiedenen Roͤhrenund Rinnsalen wider da=und dorthin ablauffe. Seine Eigenschafft bestehet nicht nicht sowohlim einnehmen / als ausgeben. Die Unterthanen überlassen ihme ihre Guter / damit sie von ihmenicht verlassen werden / sondern Hülffe haben mögen. Seine Schatz-Kammer ist der Untertha-nen Zoll=Bude. Es ist mit hohen Gemüthern / wie mit hohen Bergen bewannt; sie ragen überandere hervor / auf daß sie auf die unten liegende Thäler den Reichthum des Regens ausschütten mögen. In den geheimen Cassen liegen die Capitalia todt und müssig. Was ein jeder indes Herrn Rent=Kammer gebracht; das ist nicht dahin / als in eine verschloßne Truhe / sondernals in die Ausgab-Kammer gekommen. Dann er ist nicht ein Herr sondern nur ein Verwalteder Güter. Es ist nur geliehen / was man hergegeben hat / und nicht geschenckt. Die Natur hatihn mit zweyen Augen begabet; daß er mit dem einen auf sich / und mit dem andern auf die Un-terthanen sehen solle. Er solle nichts zuruck halten / sondern herausgeben; und bereit seyn wiederzu erstatten / was man seiner Treue anvertrauet hat. Es ist eine guldene Saat / die er von demVolck empfangen; selbige muß zu Hauß nicht müssig liegen, sondern mit der Zeit dem gemeinen Wesen zu einer Ernde dienen. Ein Fluß erlangt seinen Reichthum aus dem Meer; behälaber selbigen nicht für sich / sondern last das Land dessen auch geniessen; er bewässert dasselbedamit es sich erhohle; er giest sich aber auch weder völlig aus / noch behält sich selbsten völlig fürsich; sondern theilet sich selbsten also mit, wie es die Billichkeit erfordert. Er behält ihme nurden Schoß bevor; die Aerme aber strecket er gerne aus. Ewigkeits=wurdige Wort seynd es,Lamprid. die Alexander Magnus geredet: „Es ist das gröste Verbrechen / wann ein Schatzmeister das„was die Unterthanen gereichet zu seinem und der Seinigen Nutzen und Belustigung anwen„det. Du solt ein guter Haußmann, und Vormund seyn: die so unter deinem Zepter leben,seynd deinen Schutz=Flüglen vertraut. Wie hat sich der belobte Kayser Severus auffgeführt;„Er hat der gemeinen Schatz-Kammer sich sogar wenig bedient, daß er die Stadt Rom im„höchstem Reichthum und allem Uberfluß hinter sich verlassen. Damit wir aber hiebey auchdes Ertz=Hertzoglichen Hauses Oesterreich gedencken / so stellen wir dißfalls den Kayser Maximi-lianum I. zu einem vollkommnen Muster vor: derselbige hat allzeit höchstvernünfftig darvorgehalten; man solle die Mittel=Strasse gehen; und dahero zu sagen pflegen: Halte Maaß / undbedencke das Ende. Sammle demnach auf solche Weise / daß du dir die Nothdurfft nicht entzie-hest / und doch auch andern etwas mittheilen könnest; du must dich durch unmässiges Schen-cken nicht arm; aber auch andere durch unerträgliche Aufflagen nicht unvermögend machen /noch erschöpffen.Attracta refunditIch gib zuruck /Was ich verschluck.Hausti-
Muß dir doEs soll er un-wird nochundgetauf und sehr