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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
255
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Sonne zusammen kommen / die Ebb und Fluth allgemach biß auf den sibenden Tag deß Monds /woran sie am kleinsten ist / abnimmet: an dem siebenden Tag aber deß Monds biß auf den vier-ehenden / woran sie am grösten ist / anwachset / jedoch biß auf den zwantzigsten allgemach nachlas-set; und am ein und zwantzigsten biß auf die Zeit / daß der Mond nicht scheint / von neuem zunim-met. Letztlich ist die Verwandtnus deß Ab= und Zulauffs deß Meers mit dem Lauff deß Mondsgewiß / daß man aus demselben unfehlbar anzeigen kan / um welche Stunde die Ebb und Fluthaller Orten geschehe.Es wird aber unsere Meynung dadurch besteiffet / daß aus der Erfahrung bekannt ist /was massen der Mond ein Herr und Vorsteher aller feuchten Cörper seye. Dannenhero Ga- Galen.l.3.lenus ihme auch die feuchte und Catharosische Kranckheiten zuschreibet: und ist es bey den Me- de dieb.dicis eine ausgemachte Sache / daß der Mond unter denen vier Feuchtigkeiten den Catharen / so cru-wässeriger Natur ist / vermehre. So richtet sich nicht minder das Hirn / welches viel Feuchtig-keiten hat / nach der Aenderung deß Monds: ingleichem wird durch einige von kalter Feuchtig-keit entstehende Kranckheiten der menschliche Leib nach den bekannten Monds=Vierteln dermas-en angefallen / daß die Patienten den Neumond / und andere Monds=Aspecten an sich selbstenspühren und empfinden. Ja nicht allein die Pflantzen / sondern ebenfalls zerschiedene Thiere /als die Krebse rc. bekommen mit dem zunehmenden Mond auch einen Wachsthum von der über-füssigen Feuchtigkeit; bey seinem Abnehmen aber werden sie aus Mangel besagter Feuchtigkeitwieder schlechter und mager; wie man dann gleichmässig beobachtet, daß mit dem Ab- und Zu-nehmen deß Monds das Marck in den Gebeinen der Thieren, das Weisse in den Eyern, undandere mehr dergleichen Dinge ab- und zunehmen.Solches alles noch weiter zu bestättigen / kan deß P. Kirchers gemachtes Experimentund Prob gar dienlich seyn. Derselbe hat ein Becken mit Wasser, deme Salpeter und gemei-nes Saltz untermengt gewesen / angefüllt / und bey heiterer Nacht an den Mond=Schein gestellet:Worauf ersagtes Wasser alsbalden / und zwar alsdann am meisten / wann der Mond sein vol-les Licht gehabt, zu wallen und unruhig zu werden angefangen. Noch eine andere Prob hatermeldter Kircherus an der Haut eines Meer-Kalbs gethan / und befunden; daß wann manselbige an den Mondschein gelegt / bey zunehmendem Mond sich die Haare daran aufgerichtet;bey dessen Abnehmen aber sich niedergeleget. Wann derowegen das Meer unter den feuch-ten und flüssigen Cörpern der fürnehmste ist; so folget nothwendig / daß der Mond unter an-dern über dasselbe herrsche; und demnach nicht zu verwundern seye, wann er in dem Meer mitBeyhülffe der Sonnen einen Ab=und Zulauff verursachet.Dieses nun also voraus gesetzt; so fället dannoch schwer zu zeigen durch was Krafft / undauf was Weise der Mond den Ab= und Zulauff deß Meers verursache? Und bekennet P. Rho-des, es seye die Art und Weiß, wie der Mond solches würcke, uns durchaus unbewußt und un-bekannt; und man hier statt der Antwort nichts anders zu thun / als mit dem Prediger Salo= Eccles. c.mo auszuruffen habe: verwunderlich seynd die Wercke deß Höchsten; sie seynd herrlich und u. v. 4.verborgen. Jedoch was andere dißfalls für Gedancken führen / und welchen aus selbigen etwabeyzutretten seye / wollen wir in nachfolgendem kürtzlich vermelden. Nemlichen;§. 2. Die Ebbe und Fluth wird von dem Mond nicht durch die Waͤrme unddas Licht verursacht. Erstlich weilen der Mond, wann er im Punct der Mitternacht ste-eine grosse Aufschwöllung deß Meers verursachet / und gleichwolen alsdann das Wasserweder erwärmet / noch erleuchtet. Zum andern; weilen / wann der Mond nicht scheinet / undalsdann seines Lichts beraubet ist; mithin in dem andern halben Welt-Theil sich befindet, da eris weder scheinen / noch erwärmen kan / nichts destoweniger bey uns die gröste Ebbe und Fluthsich ereignen. Derohalben3. Wird der Ab- und Zulauff deß Meers nicht durch den Lauff und Bewe-ung oder einige Aufschwöllung deß Monds verursacht; sofern der Mond selbsten dasMerr in die Höhe hebet / oder ihme ein angenaturter Trieb gegeben wird. Die Ursach deß Er-en ist; daß, wann der Ab=und Zulauff deß Meers sich nach dem Lauff deß Monds richtete,das Meer alleinig von Osten nach Westen lauffen müste; und man keine Ursach anführen könnte /warum das Wasser von Westen nach Osten, dem Trieb und Lauff deß Monds entgegen, zu-ruck kehrete. Die Ursach deß Andern ist; daß theils die Schiffleute, so unter dem dürren Welt-Strich die See befahren / solches mercken müsten; theils die Ebb und Fluth nicht auf beedenhalben Welt=Kuglen zu gleicher Zeit sich zeigte; und theils unter dem dürren Welt=Strich er-deute Ebbe und Fluth stärcker, als gegen Norden wäre; so aber falsch ist. Die Ursach deß drit-ten ist; daß sowol / wann der Mond auf dem andern halben Welt=Theil oder Horizont stehet /denen anderen Meeren / wo doch solcherley Ab= und Zulauff würcklich geschiehet / keinen derglei-chen Trieb geben kan; als auch nicht gleich gründlich darzu thun ist / wie er solchen Trieb denenWassern beybringe / wann das Meer wieder ablaufft.§. 4. Der