Joh. Bo-ter. l.1.dictor. viror. illust.Plm. in
Philosophische und Politische Beschreibung„ten. Er schiene hoch und groß genug zu seyn / weilen ihm alles unten gelegen. Er war viel„mächtiger und reicher / als der Alexander, der doch damahls alles unter seiner Bottmaͤssigkeit„hatte: Dann es war auch ein weit mehrers / was jener nicht annehmen wollen / als was dieser„letztere geben können. Es ist nutzlicher / entweder ein weniges verlieren / oder ein geringes indie Schantz schlagen / als das beste und kostbahrste entbehren müssen. Einem frommen Mannist nichts angenehmers / dann die Tugend; einem gerechten Mann nichts kostbahrers und theu-rers / dann das Gemüth; und einem ehrlichen Mann nichts liebers / dann der gute Nahme.Wann nur diese nicht Noth leiden, so mag alles andere verlohren gehen: Eine Schande isteGleichwie dum einen leeren Balg sich bemühen / und das Gemüth tödten. Es ist eine schandbahre Beute /von welcher die Tugend beraubt wird. Man hat dem Phocion von wegen des Alexanders100. Talent angebotten, weilen er unter den Atheniensern allein für den ehrlichsten Mann ge-halten worden. Allein, weil er der ehrlichste war, so hat er die Schätze ausgeschlagen, damit ernicht auffhören möge / der ehrlichste zu seyn; inmassen / wann er den Reichthum angenommen /und in Laster verfallen wäre / so hätte er der Tugend abgesagt. Je mehr jemand Reichthum hat /je weniger hat er Tugenden. Der geschwulstige Sylla rühmte sich wegen seines AfricanischenSiegs / indem er dardurch in der Welt einen grossen Nahmen bekommen; aber ein gewisserehrlicher Mann legte ihm ein schlechtes Lob bey / weilen er durch seinen Reichthum / da er ein un-gemeines Gut an sich gerafft / einer grösseren Tugend sich verlustigt gemacht. Wie kanstu aberein ehrlicher Mann seyn / wann du so viel und so grosses Gut besitzest / ohngeacht dir von deinemVatter nichts hinterlassen worden? Ist demnach des Kaysers Adolphi Rede / die er öffters imMund geführt / nicht unbillich zu loben: „Es ist besser / ein Mann ohne Geld / als das Geld oh-„ne Mann. Nur das Gemuth machet reich. Wie soll der ein Mann seyn / der kein Gemüthhat? Wer Geschencke annimmt / der verliehrt sein Gemüth. Seneca hat vernünfftig geurtheilt;daß derjenige / so arm an Tugenden ist / ob er schon viel Geld und Gut besitze / nichts wenigers