der in der obern Lufft erzeugten Dinge.decket; dahero die Innwohner offt von den schnell anschiessenden Wassern übereilt und ersäufftwerden; so daß man genöthiget ist / die Nachbarschafft mit dem Schall der Cimbalen zu wahr-schauen / damit bey einbrechendem Meer sich ein jeder bey Zeiten auf die Flucht begeben möge:Ja es könten die Schiffe allda nicht sicher liegen / wann nicht grosse zu dem Ende gemachte Gru-ben vorhanden wären / darinn sie nach verloffnem Wasser stehen bleiben.§. 5. Die Ebbe und Fluth erzeigt sich nicht aller Orten zu einerley Zeit. Sol-ches erhellet dahero / daß der Ocean an den Gasconischen Küsten alle sieben Stund in den Ga-ronns-Fluß eintritt / und alle fünff Stund wieder zuruck weicht. Bey dem schwartzen Fluß inGuinea laufft das Meer alle vier Stund an / und fließt alle acht Stund wieder ab. Der Euri-pus kommt des Tags siebenmahl an / und laufft siebenmahl wieder zuruck; wiewohlen es vonetlichen will verneinet werden. An dem Uffer von Cambaja bey dem Auslauff des Flusses Indipflegt das Meer obvermeldter massen alle zwey Stund ungefehr dreyssig Meilen weit das Landzu überschwemmen / und in zwey Stunden wiederum darvon abzufliessen. An andern Ortenaber ist es eine gemeine Regul / daß das Meer in sechs Stunden zu- und in sechs Stunden wie-der ablauffe.Hier ist zu wissen; daß diese Ebbe und Fluth eine dreyfache Zeit beobachte; nemlich einealltägliche; eine allmonatliche; und eine alljährliche. Die alltägliche geschiehet, wann dasMeer, nachdem der Mond über dem Horizont erscheinet, anfahet auffzuschwellen, und, wannder Mond über sich steiget / auch das Wasser solang in die Höhe sich begibt; biß derselbe an denMittags=Puncten des Himmels kommet; hernach aber wieder völlig nach dem WestlichenHorizont absteiget: da dann / wann er dahin gelangt / das Meer abermahlen sich auffbäumet /biß daß der Mond den Punct der Mitternacht erreicht; aber nach und nach sich wieder nieder-setzet / biß er von neuem auffgehet: worauff täglich fast binnen einer Stund die Ebbe und Fluthetwas langsamers sich einfindet / weilen der Mond alle Tag auch fast umb eine Stund spätervon Westen gegen Osten erscheinet. Die allmonatliche Zeit hergegen bestehet darin / daß dieAnwachsung des Meers nicht immerdar gleich, sondern in den Neu- und Voll-Monden amgrößten ist; und hernach wieder anfahet abzunehmen; so daß in den Vierteln / da der Mondnemlich um den vierdten Theil des Himels von der Sonne sich entfernet / erdeute Anwachsungder Wasser am geringsten; und kaum sich verspühren lasset. Die alljährliche aber begibt sichalsdann / wann selbige in denen zweyen Æquinoctiis, oder Tag= und Nacht=Gleichenen / amhöchsten ist; folglich jedoch wieder abnehmet / und in denen Solstitiis, oder um die Zeit der läng-sten und kürtzesten Tagen am geringsten und niedrigsten wird.Politische Schluß=Rede.Man muß dasjenige vermeiden, was dem Gemüth zum Scha-den und Verderben gereicht.WIr seynd freygebohrne Leute / und haben doch Belieben an Fessel und Banden. Wirbesitzen, und werden selbst auch besessen: Dann derjenige ist ein Knecht, der seine Be-gierden nicht beherrschen kan. Perseus und Galba, Sejanus und Ruffinus, Eutropiusund Pertinax haben ihren Purpur beflecket / weilen sie / da sie Herren der Welt waren / dannochihren Begierden sich unterwürffig machten. Geld annehmen und die Gerechtigkeit verletzen;die Hände mit Gold füllen, und die Tugend aus dem Gemüth verbannen, ist so viel als an sichselbsten ein Rauber werden. Wer geschencke nimmt / der stihlt ihme selbsten die Tugend. Gantzanders hat sich der Römische General Scipio auffgeführet: dann als selbiger sieghafft zu Car- Liv. Dec.thago eingezogen / hat er allen Italiaͤnischen / Africanischen und Sicilianischen Staͤdten die Beu= 3. l.te wieder zugestellet, so die Carthaginenser ihnen vor Zeiten abgenommen hatten; und nichtsdarvon für sich behalten, damit er nicht selbsten zur Beute werden möchte. Dahero wer seinLeben lieb hat / der schmeist die Waaren ins Meer / damit nicht er zu Grund gehen müsse. Aufdas schwer beladene Schiffe nicht sincken / oder an den Klippen zerscheitern / und die darauff be-findliche Menschen von der See verschlungen werden; so muß man sie erleichtern; damit dieWellen keinen so grossen Gewalt mehr haben / noch sie überdecken können. Man last alle Waa-ren verlohren gehen / damit nur die Schiff=fahrende sich retten mögen. Wer auf solche Weißseinen Reichthum verliehret / der ziehet grossen Gewinn. Man schlägt die Güter in die Schantz /damit das Leben erhalten werde. Was das Gemüth beschwert oder dem guten Leimuth scha-det, das soll man bey Seiten raumen; damit selbigem das Leben gefristet werde, und es nichtan den Klippen der Laster zu trümmern gehe. Diogenes ist mitten durch die Macedonische, Senec. 15.Schätze nackend hindurch gegangen / und hat den Königlichen Reichthum mit Füssen getret=, de benef.Ji 2yten. c.4.
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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251
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