Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
250
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Philosophische und Politische Beschreibungtor oder Gleicher abfliesset: wie Aristoteles, und aus ihme S. Thomas, Albertus Magnus,und andere insgemein darvor halten. Und dieses gibt die Erfahrung zu erkennen: dann indem Mittelländischen Meer lauffen die Wasser aus der Maeotischen See in das schwartze Meeraus diesem ferner in das Ægeische / sodann aus solchem letzteren in das Sicilianische biß an dieHerculische Meer=Enge. Welchen Lauff nicht weniger die neuere Schiff=Leuthe auf demOcean oder dem grossen Welt=Meer verspühret haben; und dahero kommt es / daß die Schifffahrten von Norden gegen Suden / das ist; aus Dännemarck und Holland nach Hispanienviel geschwinder / als von Suden gegen Norden / zum Exempel; aus Hispanien nach Hollandund Dännemarck verrichtet werden. Damit man aber eine Ursach ermeldter Bewegung an-führe /So ist zu wissen / daß alles Wasser und andere Feuchtigkeiten sich erwägen: welche Er-wägung dann darinn bestehet / daß die Wasser nach ihrer äussersten Oberfläche gleich hoch seyndoder in gleicher Weite von dem Centro oder Mittel-Punct abstehen; wann dahero ein Theilvon der Ober=Fläche eines Wassers höher ist als die Ober=Fläche eines anderen Wassers; sobegibt sich selbiges alsbalden nach dem niedrigen Theil / und erwägt sich; inmassen niemahlen ei-nige Wasser=Theile stille stehen/ biß sie sich erwägen/ und solchemnach alle Theile der Ober=Flä-che gleich weit von dem Centro abstehen. So nun dieses also voraus gesetzt ist;Als last sich eine dreyfache Ursache ernannter Bewegung beybringen: Erstlichen / weilendie Nord=Länder höher liegen sollen / dan die gegen Suden; und dahero die Wasser von jenennothwendig nach hohlen und tieffern Orten ablauffen müssen. Zum Andern; weilen gegenNorden sehr grosse Flüsse in das Meer / nemlich der Tanais in die Maeotische See / und die Do-nau in das schwartze Meer sich ergiessen. Zum Dritten; weilen von der Sonne die südlicheMeere durch ihre übergrosse Hitze sehr verzehret / und eine unbeschreibliche Menge Dämpffe un-ter dem dünnen Erdstrich aus selbigen über sich gezogen werden; gegen Norden aber wegender schwachen Sonnen=Wärme die Wasser gar geringen Abgang leiden: Derohalben / damitdie Wasser sich erwägen / und in denen Nordlichen Meeren nicht allzu groß anwachsen möchten /zumahlen da sie von denen Flüssen mercklich angeschwället / hergegen von der Sonne wenigverzehrt werden; so ist höchstnöthig / daß sie Sudwerts abfiessen / damit sie den in denen Süd-lichen Meeren von denen auffsteigenden Dämpffen verursachten Wasser-Mangel wieder er-setzen.Jedoch hat man benebenst zu mercken; daß die angeregte Bewegung an weiten Ortengantz langsam / und wie Aristoteles bezeuget / fast nicht zu spühren; an engen Orten aber überdie massen geschwind und sichtlich seye. Die Ursach ist seiner Meinung nach diese; daß nothwendig, damit die Erwägung der Wasser erhalten werde, zu gleicher Zeit eben so viel Wasseraus einem engen / als aus einem weiten Meer herauskommen müsse; sonsten würde das Wasserin den engen Meeren gar zu hoch anwachsen. Damit aber in einer Stund so viel Wasserdurch einen hundertmahl grössern Canal auslauffe / als viel durch einen hundertmahl kleinernCanal ausfliesst; so muß das Wasser hundertmahl geschwinder in einem hundertmahl kleinernCanal fortgehen. Woraus dann folget; daß die Wasser / wann sie durch weite Meere abflies-sen / höchst langsam und unverspührlich sich bewegen; wann sie aber durch enge Meere ihrenAblauff nehmen / auffs geschwindeste und mercksam fortfliessen.§. 4. Die dritte Bewegung des Meers ist diejenige / so wir mit dem bekanntenNahmen der Ebbe und Fluth zu nennen pflegen. Diese Meer-Bewegung bestehet dar-innen / daß das Meer auf das Uffer hinzu lauffet / und gleich wiederum davon abfliesset. Es istaber selbige nicht durchaus und in allen Meeren gleich: dann in etlichen Gegenden wird sie ganicht, oder doch gar wenig gespühret: gestalten in dem schwartzen, dem Caspischen, und denÆgeischen Meer sich keine Ebbe und Fluth vermercken lasset: im gantzen Mittelländischen Meerund insonderheit an den Frantzoͤsischen / Welschen und Spannischen Küsten ist davon wenig zusehen; doch erzeigt sich zu End des Adriatischen Meers nahe bey Venedig eine sichtliche An-schwellung; gegen über aber und an den jenseitigen Uffern solchen Meers ist sie der disseitigengantz ungleich. Das Balthische Meer / in welches der Ocean sich zwischen Dännemarck undNorwegen eindringet / hat gar keine Ebb und Fluth. Auf dem grossen Welt=Meer aber andenen Engelländischen / Flandrischen, Holländischen / Frantzösischen / Spannischen / Portugesi-schen / Africanischen Küsten / die da gegen Westen liegen / ist selbige dermassen groß / daß an denEngelländischen Uffern das Wasser auf viertzig Ellen hoch anwachsen solle. An den vorüberliegenden nach Osten sehenden Kusten bey Mexico und der Insel Cuba ist sie auch mercklich zuspühren. Auf dem Mar del Zur, oder friedlichem Meer ist die Ebbe und Fluth so hefftig / daßdas Wasser in Peruvia bey zwey Meilen weit auf das feste Land einlauffet. Auf den Indiani-schen Ocean zeigt sich selbige dermassen ungemein / daß an den Küsten von Cambara, so an demAusfluß des Indi lieget / das Meer inner zwey Stunden bey dreyssig Meilen weit das Land über-decket;

Aan muß das