Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
249
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.§. 1. Die gerade allgemeine / oder natürliche Bewegung des Meers geschiehetfürnemlich von Auffgang gegen Niedergang: Welches daraus erhellet / daß die Spanmer /so nach der neuen Welt gegen Untergang der Sonnen fahren / und binnen einem Monath dieReise dahin verrichten / wann sie von dar zuruck kehren / drey Monat Zeit hergegen darzu vonnöthen haben. Ingleichem / wer aus Spannien nach dem gelobten Land sich begibt / kommt viellangsamer dahin; als er von dorten zuruck kehret. So nun das Meer nicht von Osten gegenWesten lieffe oder sich bewegte / würde man gegen Westen nicht geschwinder fortseeglen kön-Es last sich aber auch mit dem Cabeo die Geschwindigkeit der Westlichen Schiffarthen Cab. I. 2.keiner andern / das ist / dieser Ursache beymessen; weilen die Winde / so den Ocean gegen Westen ter. 36.treiben / viel häuffiger / stärcker und hefftiger seyen / wie die Schiff=Leute bezeugen: dann eben quast 3.hieraus wird die Bewegung des Meers von Osten gegen Westen erwiesen; inmassen das Meersich nach derjenigen Gegend beweget / wohin der Wind gehet: so das / wann die Frage soll erör-tert werden / vorhero darzuthun ist / warum die Lufft und das Meer durch die Winde von Ostengegen Westen getrieben werde. Und hierüber machen wir nachstehenden Satz:§. 2. Die Ursach dieser Bewegung kan zweyerley seyn. Die Erste ist; weilen derHimmel / indem er von Osten gegen Westen sich umdrehet / auch zugleich das Feuer / die Lufft /und das Wasser durch eine verborgene einfliessende Gewalt mit sich fortreisset. So dardurchbekräfftiget wird; daß ersagte Winde so von Osten gegen Westen wehen wie auch sothane Be-wegung deß Meers / absonderlich unter dem durren Welt=Strich / und um den Æquatorem, oderGleicher / in welcher Welt=Gegend deß Himmels=Bewegung viel geschwinder ist / zu beobachtenseynd. Die andere Ursache aber mag diese seyn: weilen die Sonne mit ihrem Lauff immerzudas unten=liegende Wasser und Lufft erwärmet, und einfolglich verdünnert: damit nun die ver-dünnerte Lufft und Wasser einen grössern Raum einnehmen mögen / so müssen sie nach derjeni-den Gegend sich bewegen / wo die Lufft und das Wasser koͤnnen verdickert werden / und fortwei-chen; welche Gegend dann die Westliche ist; weilen sie annoch keine Hitze von der Sonnen-Strahlen bekommen / als die nicht biß dorthin gelangen können. Derohalben bewegen sich dieLufft und das Wasser gegen Westen. Und nachdem die Sonnen=Hitze unter dem dürrenWelt=Strich grösser ist / mithin die Verdünnerung auch mercklicher sich befindet; so seynd auchdie Ost=Winde unter erdeutem dürren Welt=Strich / wie es die Erfahrung bezeuget / viel em-pfindlicher. P. Athanasius Kircherus thut zwar noch die dritte Ursach hinzu / wann er meldet: Kirch.diese Bewegung komme von der verzehrenden Sonne her, die einen grossen Theil deß Meers, Art. Ma-so unter dem durren Welt=Strich liegt in Dämpffe auflöse: Worauf hernach die übrige Was= gnet. l.3.ser herbey lauffen; und der abgehenden Stelle (zu verhindern / damit keine Leerheit in der Natur 73. c. 2.)entstehe) dadurch wieder ersetzet werde: Allein solcher Meynung ist darum nicht wohl beyzufal-len weilen man schwerlich glauben kan, daß ungeacht eine so grosse Menge Wassers immerhinvon der unermäßlichen Sonnen=Hitze verzehrt wird / dannoch das Meer nicht abnehmen oderkleiner werden sollte.Wiewohlen hiebey zu mercken; daß diese von Osten gegen Westen beschehende Bewe-gung nicht also verstanden werden müsse / als ob das Meer unaufhörlich und immerdar gantzgeradhin von Osten nach dem gegen-überliegenden Welt-Theil fortlauffe; sondern zuweilenauch seinen Weg seitwärts nehme; und etlicher massen abweiche; ja manchmalen gezwungenseye / seine Bewegung in einem Crayß fortzusetzen. Und dergleichen Lauff erfahren die Schiff-leute in dem Adrianischen Meer: dann sie verspühren / daß dieses Meer zwar an den Dalmati-schen Küsten von Osten gegen Westen fliesse / aber in dem Venetianischen Golfo sich wiederumwende und gegen Osten nach den Welschen Uferen zuruck kehre, einfolglich sich gleichsamin einem Crayß herum drehe. Eben solches meldet man auch von dem Mittellaͤndischen Meerwelches bey denen Europäischen See-Kanten gegen Hispanien zu / nach Westen lauffet / jedochhernach bey dem Spanischen Golffo neben denen Africanischen Küsten gegen Osten seitwärtsfliesset. Da dann P. Rhodes vermeinet, dieses geschehe aus einer verwundersamen GöttlichenVorsicht; damit nemlich das Meer / wann es von Osten herkäme / das feste Land nicht über-schwemmen möchte; eben als wann GOtt, der dem Meer seine Gräntzen verordnet und gesetzet,die es nicht überschreiten kan / dreyerley Crayß-Lauff / und Bewegung zu Bezeumung deß toben-den Meers vonnothen hätte. Die Conimbricenses hergegen schreiben die Ursach ersagter CrayßBewegung denen im Weg stehenden Verhinderungen zu: dann weilen die zwischen den Län-dern eingeschlossne / und an die Ufer anstossende Wasser nicht unaufhörlich und fortan von Ostengegen Westen getrieben werden können; so folget, daß sie nechst denen See-Küsten sich herumwenden / und mithin eine Circular- oder Crayß=Bewegung machen.§. 3. Die zweyte Bewegung / so auch in beeden Meeren beobachtet wird / ist diejenige;da das Meer von Norden gegen Suden / oder von dem Pol=Stern gegen dem Æqua-