Philosophische und Politische BeschreibungHandelschafft / und Freundschafft=Gewerb. Laufft nicht die Sonne um den Himmel herum?damit sie sich denen Gestirnen / nicht weniger der Erden ihre Einflüsse mittheile; und verschaffedaß die Elementen ihre mit einander gemachte Bündnus nicht verletzen. Ja/ der Adler, ob erschon ein Raub=Vogel / theilet doch seine Beute mit andern; so daß die Gemeinschafft diejenigezusammen hält / welche der Natur nach einander gleich seynd. Die Sitten fremder Höffe derGebrauch der Sprachen / die Art zu kriegen / die Handelschafft / die Vereinigung der Waffen / machen einen Staat zu einer Pandora; wohin sich alles allem zusammen samlet / was bey andernsich Stuckweiß befindet. Dieses ist dasjenige Freundschaffts=Geheimnus / und Allianz Band /wodurch die wegen der zwischen liegenden Meere von einander entfernete Reiche / und die alteWelt mit der neuen vereinigt wird. Niemand kan mit sich selbsten allein vergnügt seyn; dielincke Hand hat der Rechten ihrer Hülffe nöthig. Die Sonne hat in ein jedes Land einen be-sondern Einfluß; und an was für Wahren das eine Reich Uberfluß spühret / daran leidet dasandere offt mercklichen Mangel: eines allein besitzet nicht alles. Die Natur hat ihre Reicthume zertheilet / damit ein Land dem andern was abzubettlen habe / und eine glückliche Einigkeitdardurch erfolge. Alle Freundschafft würde auffhören / wann man nicht genöthiget wäre / demDie Ursacheinheimischen Abgang zu helffen / und bey andern dessen Ersetzung zu suchen. Diejenige Staatehaben allzeit beständig geblühet / welche sich mit denen Benachbarten befreundet; hergegenseynd die zu Grund gegangen / so sich nach keiner fremden Hülffe umgesehen: Dann gleichwieviel Augen mehr sehen / also können auch viel Hände mehr ausrichten. Wen seine Benachbarteverlassen / den verlast auch hernach der Sieg: wo aber Bündnusse gestifftet / und die Gemüthervereinbahrt seynd; da steht ein Reich befestigt; da hat das gemeine Wesen einen guten Grund;da lebet die gantze Nachbarschafft in Ruhe und Sicherheit. Dann wer solte die starcke Freund-schaffts=Maur niederreissen mögen / wo aus der Gemeinschafft der Güter und Gemüther leben-dige Wälle auffgeführet werden? Weder ein Kriegs=Heer / noch grosse Schätze / sondern Freun-de und Alliirte seynd die Schutz=Wehren eines Reichs: Diese aber werden erhalten; wannman die Allianzen unterhält; und wann Sitten mit Sitten / und Gemüther mit Gemüther wohlübereinstimmen. Hier must du eine eherne Maur seyn.Terras excurrit in omnes.Durchlaufft die WeltUm Waar und Geld.Nummorum cupidus mercator currit ad Indos;Impiger atque orbem tentat adire novum.Externos, qui sceptra rotat, sibi quaerat amicos:Gentibus externis se associare juvat.Der Kauffmann treibt Gewerb in weit entleg'ne Lande:Er macht Batavien und Holland Freunde sein.Durch ihn kennt Indien Europens Küst' und Strande;Und fremde Kundschafft bringt demselben Reichthum ein.Glückseelig ist der Fürst / der bey entfernten StaatenDurch gute Freundschafft weist sich nutzlich zuberathen.Die V. Frage.Von unterschiedlichen Bewegungen des Meers.S kommt hier nicht die Frage vor von derjenigen Bewegung / Krafft welcher das Was-ser wegen seiner anerschaffnen Schwere nach der Tieffe sich sencket; noch auch von derBewegung / so von den Winden verursacht wird / und die nicht immerdar einerley oderregular seyn kan; sondern es ist die Rede von anderen Bewegungen; wie in folgendem zuersehen:
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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