Philosophische und Politische BeschreibungArist. I.i. schreibt / etwelche feuchte Erden=Theile wechselsweise bald trocken / und die trockne hergegen baldwieder feucht zu werden; in welchem Stuck die Erde denen Thieren nicht ungleich ist; indemsie / wie dieselbige / auch ihre Jugend hat / ferner fortwaͤchset / endlich alt wird / und in einen schlech-tern Stand geräth: ausgenommen daß ein gantzes Thier aus der Jugend in das Alter tritt; dahergegen sich dergleichen nicht mit der gantzen Erden / sondern nur mit ein=oder anderen ihrenTheilen zuträget. Es verjüngt sich aber die Erde, wann sie sich mit einer fruchtbahren Feuch-tigkeit bewässert; und wird im Gegentheil alt / wann ihr ersagte Feuchtigkeit fehlet / und sie in ei-ne Unfruchtbarkeit verfällt: dahero es dann kommt, daß etwelche Erden=Theile, so denen Men-schen keine Nahrung geben können / ungebaut und unbewohnt verbleiben. Gedachter Aristo-teles versichert am obigen Ort; daß zuweilen das feste Land zu einem Meer, und dieses hinwie-der zu jenem werde: dann, da die Bewegung des Meers von der Krafft und Würckung derhimmlischen Cörper herfliesset / falls selbige Gestirne / die absonderlich Sturm und Ungestümmerwegen können, sich zusammen fügen; so wütet das Meer über die massen und dergestalltendaß es entweder zuweilen einen Theil des festen Lands überschwemmet / und erträncket; odervon demselbigen abweichet / und es denen Menschen für eine trockne Wohnung überlasset. Ansolche Weiß sollen die Inseln Delos und Rhodis aus dem Wasser hervor gekommen seyn; der-gleichen sich auch mit den Inseln Anaphe, Nen, Alone, Phera, Pherasia und Hiera begebenhat: Wie dann auf solche Weiß ebenfalls etwelche Insuln entstanden / die vorhero ein Theil desfesten Landes gewesen; gestallten der Alten Bericht nach Sicilien von Italien / Cypern von Syrien / Eubea von Beotien / Besbycum von Bythinien abgerissen worden.Hergegen hat das Meer der Erden auch etliche Insuln zugelegt und nahmentlich Antis-sam an Lesbas; Zephyrium an Halicarnassien; Ethusam an Mindum; Dromiscon und Per-nen an Miletum; Narethusam an das Parthenische Vorgebürg angehenget. Doch hat er-meldtes Meer (nicht anders) als wann es das, was es etwa hier gegeben, und dorten weggenommen / gegen einander vergleichen wollte) wiederum etliche Städte / nemlich Pyrrham, Antu-sam, Elicem und Buram verschlungen. Ja es haben sich einige beduncken lassen / das gantzeMittelländische Meer seye zwischen den Säulen Herculis aus dem Ocean in die mittle Ländereingebrochen / und habe sich den Weg dahin geöffnet: Item es seye an den Atlantischen See-Kanten eine gewisse Insul / Nahmens Atlantica, die grösser als Africa gewesen / vor Zeiten vorden Meers=Wellen versenckt worden; dahero Christoph Columbus, der neuen Welt Erfinderda er hin und wieder die Meere mit dem Senckbley ergründet / die See allda gantz seicht undgrasicht befunden habe: wiewohlen erstbesagtes von der Insel Atlantica, und dem Einbruchdes Mittelländischen Meers für eine Fabel zu halten.Im übrigen wird die Ursach / daß zuweilen das Meer hinweg weichet / und einen ganzneuen Landstrich hinterlasse; zu Zeiten aber alles überschwemmet, und sich weit ausbreitet garunbillich der Ebbe und Fluth des Meers alleinig zugeschrieben: Dann daß bißweilen einigeLandstriche höher werden / entstehet dahero; theils weilen von den hohen Bergen sehr viel Ma-teri allgemach in die unten liegende Thäler abfället; theils weil von den Flüssen viel Sand undSchlamm herbey geflösset wird / wodurch ohne Zweifel ein Land sich ergrössert und anwäch-set; theils weilen von dem Meer grosse Hauffen Sandes ausgeworffen werden; und theils wei-len geschehen kan, daß durch den Gewalt eines Erdbebens eine Land=Gegend erhöht, und alsodas Wasser abgetrieben wird. Hingegen aber / weil öffters durch das Erdbeben die Erde voneinander reißt, so dringt das Meer auf das niedrige Land ein, und breitet sich aus; zuweilenwerden auch die vorderste Schutzwehren niedergerissen / die hernach das Wasser allgemach wegflösset/ und mithin sich einen Weg zur weitern Überschwemmung eröffnet: Ja/ zuweilen begibtsichs durch Göttliche Verhängnus wegen der Menschen Laster oder anderer Ursachen halber / daßdas Meer aus seinen Grentzen tritt / und über das feste Land sich ergiessetPolitische Schluß=Rede.Einem Staat ist die Correspondenz und Gemeinschafft mit andernLändern sehr nutz= und dienlichFVschon die Berge / wie auch weit von einander entlegene Insuln nicht zusammen kom-men (dann die Erde stehet auf ihrer Grundveste unbeweglich) so ist doch an denen Mee-ren dieses etwas besonderes / daß / wann sie gleich weit von einander abliegen / nicht nurallein sich selbsten / sondern auch entfernte Länder mit einander vereinigen und in Gemeinschafftbringen: dann sie haben ihre Ausflüsse und Meer=Busen / wodurch eines in das andere einge-het; also daß dasjenige gantz in die nähe kommet / was sonsten weit entlegen gewesen: so haben sie
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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