Chryst.Orat.8.
Philosophische und Politische Beschreibung242Schnee gläntzet; bey Tag aber hat es die gewohnliche Farbe wie die andere Meer=Wasserund ist man der Meinung / daß alsdann das Meer mit einer schädlichen Feuchtigkeit angestecktseye. Wovon ein mehrers nachzusehen in Ephem. Nat. cur. Germ. Decur. II. An. 1. Obs. 22.Politische Schluß=Rede.Ein Welt=Mann entziehet sich keiner Last.PAR EST FERENAs Meer hat breite Schultern; sie trägt den Tragenden. Ein Schiff wird mit grossenLasten beladen / und überbringt die Kaufmanns=Wahren von dem Auffgang nach demNiedergang. Die Last ist ihme leicht; es freuet sich / beladen zu seyn; gehet auch mitseiner Bürde glücklich seinen Weg, und wird niemahlen darunter erliegen: Es trägt und fastdie gröste Last. Das Meer daß mit so vielen See=Flotten beschweret ist / leihet beständig denerhin und wieder fahrenden Schiffen seinen Rucken her; und untergibt sich deme / was ihme soTags als Nachts auffgeleget wird. Es kan alles ertragen. „Auf gleiche Weise hält ein groß-„muthiger Man die Arbeit für seinen Widerpart / und ist ihme eine Freude / so Tags als Nachts„mit selbiger zu kämpffen: nicht zwar wie die Weiber umb einen Eppich/ noch umb ein Oel=ode„umb ein Fichten=Blat sondern für die Glückseeligkeit oder für die Tugend; und solches solang„er lebt. Er wird aber nicht erst alsdann / wann die Eläer oder Corinthier, oder der Thessalen„Gemeind / die er wenig achtet / es vorher gesagt; sondern aus freyem Trieb alle nach einander„heraus fordern; auch dergleichen Dinge niemahlen für schwer / sondern vielmehr für ganz„leicht ansehen: Seynd Wort, die der Heydnische Dion Chrysostomus aus der Schuhle derTugend hergenommen. Das Menschliche Gemüth ist unersättlich / welches / gleichwie ihmenach dem Exempel des Alexanders eine Welt, nicht genug ist, also auch vor keiner Last erschre-cket: Selbiges gehet der Arbeit entgegen; leget die Hand an jede schwere Sachen / und läßt