Philosophische und Politische Beschreibungdem Meer / wann etwa ein lang anhaltender Regen dahin fällt / oder wo eine grosse Mengesüssen Wassers darein fliesset. Und auf diese Weise wird der Ocean an denen MalabarischenKüsten absonderlich in denen Monaten / da es gern regnet / wegen des häuffigen von den hohenBergen abschiessenden Wassers fast gantz süß gespührt: Weilen es auch in den mitternächtigen Landern bey nahe das gantze Jahr hindurch zu regnen pfleget / so geschiehets dahero / dder Nordliche Ocean nicht gar saltzig ist: wiewohlen ebenfalls die grosse Flüsse / so ihre süsseWasser in das Meer ergiessen / die Saltzigkeit desselben mercklich vermindern: und ist bekanntdaß der sehr grosse Brassilianische Strohm / insgemein Rio della plata genannt / mit dem Oceansich dergestalten vermenget / daß die Wasser besagten Oceans über 15. Meilen weit süß verblei-ben: welches eben auch in Africa an dem Fluß Zaire, wo er in die See ausströhmet / beobachtet wird.§. 2. Diese Meer-Saltzigkeit wird nicht einig und allein von der Menge derverbrannten Ausdünstungen welche die Sonne aus der Erde ziehet / und die hernach durchden Gewalt der Winde in das Meer abfallen, einfolglich mit dem Wasser sich vermischen, ver-ursacht; Erstlichen: Weilen die Ausdünstungen / welche die Sonne aus der Erde herausziehet / und verbrennet / lang nicht genug zu seyn scheinen / daß sie solten ein gantzes Meerworein zumahlen so viel Flüsse sich verlauffen / gesaltzen machen. Zweytens: Weilendergleichen Ausdunstungen sich ebenmässig mit den Wassern der Flüssen / Bronnen /Seen und Sümpffen vermengen / und doch diese letztere nicht saltziges in sich haben. Drittens: Weilen / wann vermittelst deß Feuers aus einem Cörper einige Dünste in die Höhe ge-zogen werden, dasjenige, was also über sich steiget, keinesweges; sondern nur der Theil,so zuruck bleibt / gesaltzen ist: welches daraus erhellet / daß / wann man ein gesaltzen Wasser di-stilliret / das herubergezogene gantz abgeschmack ist; das Saltz hergegen aufm Boden liegenbleibet: und eben so seynd auch bey den Speissen die Unflätigkeiten / welche sich zu boden setzenund zuruck bleiben, gesaltzen; zum Exempel: der Harn ist saltzig, und insgemein alles wasverbrennt wird; dahero die zuruckbleibende Asche auch gesaltzen ist; ingleichem die Lauge; oderdas Wasser so über die Asche abgegossen wird. Vierdtens: Weilen, falls dererley Ausdünstungen / die sich unter das Wasser eindringen / dasselbe saltzig machen könten / auch der Schneeund der Regen / denen sothane Ausdünstungen untermenget seynd / saltzig seyn müsten: welchesjedoch wider die Erfahrung streittet.Daß aber ersagte verbrannte Außdünstungen zu solcher Saltzigkeit etwas beytragen / istnicht gäntzlich zu vernemmen; dann der saltzige Geschmack entstehet aus der Vermischung einerFeuchtigkeit / und einer von der Hitze verbrandten / doch nicht völlig ausgekochter Trockne; wieaus dem Schweiß und der Lauge abzunehmen: und eine dergleichen Verbrennung findet sichin denen irrdischen Ausdünstungen; die sich mit dem Meer vermischen: auch läst sich ein eben-mässiges in dem menschlichen Cörper beobachten; woselbsten von der natürlichen Wärme nichtminder die süsse Speissen zu einer saltzigen Feuchtigkeit pflegen aufgelöset zu werden.§. 3. Glaublich ists, daß GOtt, als Urheber der Natur, im Anfang der erschaffenerWelt als er am dritten Tag die Waßer an ihre sondere Oerter versammlet, allen Meer=Was-sern ein flüssiges Saltz zur Erhaltung der Fisch und der Fäulung deß Wassers darmit zubege-nen / mit untermenget habe; Ursache: weilen durch Einmischung solchen Corpers das Wassersaltzig, und hergegen wann selbiger von ihme wieder ausgezogen ist, gantz abgeschmack wird.Sodann auch / weilen aus dem Meer=Wasser ein wahrhafftiges Saltz kan zuwegen gebrachtwerden; indeme man an zerschiedenen Küsten in Sommers=Zeit das Meer=Wasser auf eine Zu-bereitete Ebene ausgiesset / und aufbehalt: da dann das Wasser durch der Sonnen Hitze aus-dämpffet / und eine grosse Menge Saltzes zuruck lässet. Welches auch mittelst ein Brenn-Kol-bens geschehen kan; gestalten so man selbigem ein mässiges Feuer unterschieret / ein gantz reinesWasser daraus herfur fliessen / auf dem Boden aber ein Saltz zuruck bleiben wird.Jedoch möchte man noch fragen: woraus dieses flüssige Saltz herkomme? Antwort:vermuthlich hat erdeute saltzige Flüssigkeit ihren Ursprung nehmen können aus der Menge derAusdünstungen / die GOtt schnell und Augenblicklich aus dem Wasser heraus gezogen. Fer-ner mag auch dessen die Ursach seyn, daß unter dem Meer salpetrische, alaunische und pechigeFeuer sich finden / welche dereyley saltzigen und herben Geschmack verursachen: zugeschweigendaß die Sonne mit ihrer Hitze / indem sie die pechige Geister zusammen treibet und kochet / dieSaltzigkeit vermehret; so das auch diese letztre unter dem durren Erdstrich weit grösser als son-sten anderwerts sich befindet. P. Maurus will hierbey behaupten / daß / gleichwie auf der Erdensehr viel und grosse Saltz=Minern anzutreffen / also auch in dem ungeheuren Erden=Raum / so mitdem Meer bedecket ist / eine ungemeine Anzahl solcher Saltz=Mineren vorhanden seyen / wodurchdas Wasser, welches dieselbe aufweichet, sodann saltzig gemacht werde: dahero es kommenkan, daß ein und andere Meere, die entweder viel oder wenig Saltz-Minern haben, auch vieloder wenig gesaltzen seynd. Dieses wird durch das / was man von der Insul Ormus berich-
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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