Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Hieraus erhellet / daß zwischen dem Manna / und dem Honig fast kein anderer Unterscheidseye / als ein Cörperliches dickes Wesen: dann das Manna ist eine Materi des Thaues; die da-wann sie von sich selbsten dick wird, bevor sie von den Immen gesammlet werden, das Mannaabgibt. Selbiges wird von etlichen ein Himmel=Schweiß; von einigen ein Lufft=Honig / undvon andern der Syrische Thau darumb benahmset / weilen man es auf dem Berg Libano häuf-zu sammlen pfleget. Das beste wird auch in Calabrien gefunden; doch bemercket Cabaeus.daß es zweyerley Manna abgebe: Das erste ist thauig; fällt aus der Lufft/ und verdickt sichwie ein Reiffe / und wird auf den Baum=Blättern / Blumen / Stopplen / Steinen 2c. gefundenund gesammlet: von diesem haben wir bißher geredet. Das andere triefft wie das Hartz ausweyerley Baum=Arten; nemlich aus der Hainbuche / und aus dem Eschenbaum in der grostenSommer=Hitze; das ist / vom 15. Julii biß auf den 30. Augustmonat. Und dieser ersten Gat-tung macht vielleicht dasjenige Honig gewesen seyn / davon Galenus schreibt; daß es auf den Galen. l. 3.Erd=Gewächsen sich finde / dem Thau gleich seye / auf den Gebürgen mit ausgebreiteten Häuten de alim.auffgefangen / und in irrdenen Gefässen auffbehalten werde: von dem andern aber meldet Dio-facult.scorides, daß Curtius erzehle; er habe in Hircanien in seinen Gärten Bäume / deren Blätter c. 10.mit vielem Honig befeuchtet seyen; welches man aber vor Auffgang der Sonnen nothwendig Dioscor.einsammlen müsse. Darüber mercket P. Maurus an; daß das Thau=Manna / weil es nur ge= 1. 2. can.meiniglich in selbigen Ländern anzutreffen / aus denen Dünsten / die durch die starcke Hitze aus 75.dem Erden=Manna ausgezogen und mit der Feuchtigkeit der Dämpffen vermischet werden / ent-siehe. Derohalben seynd das Thau= und das Erd=Manna fast vonn einerley Natur / und ha-ben auch fast gleiche Würckungen.Hier wird nun gefragt: Ob der Juden Manna einerley Art gehabt habe mit dem gemei-nen Manna? Auf diese Frage zu antworten / sage ich:§. 2. Der Juden Manna / und das unsrige seynd / soviel die Substanz und dasWesen anbetrifft/ einerley gewesen; Wiewohlen sie sonsten von einander unterschiedenwaren: nemlich der Juden Manna erschiene wie ein Reiffe; fiel sehr haͤuffig; und rollte sich als-balden in kleine Häuflein zusammen; zerschmeltze bey auffgegangner Sonne, ausgenommenam Sabbath; fiel auch in der Wüsten / als einen Ort / wo sonsten dasselbe nicht entstehen odergezeugt werden konte; und so weiter. Dannenhero war dessen Erzeugung auch mit Wunder-Wercken begleitet; indeme es übernatürlicher Weise hervorgebracht; und zu dem Ende von de-nen Engeln die natürlich würckende Dinge denen leidenden beygesetzet worden; Obwohlen nichtzu laugnen ist / daß dieses Manna wegen zerschiedener zufälligen Vortreflichkeiten auch noch vielvollkommner gewesen. Besiehe hiervon Conimbr. tr. 7. c. 9.§. 3. Der Zucker ist ein süsser und weisser Safft / der aus den Indianischen Röh-ten ausgepresset wird. Deßwegen gehört er eben eigentlich nicht hieher; hat auch eine gantzandere Natur / als das Honig; weil er in Röhren wächset / aus denen hernach solcher Safft aus-ezogen wird / wie Scaliger und Mathiolus anmercken: dann entweder preßt man ihn aus be-sagten Röhren / und kocht ihn so lang / biß er weiß und dick wird; oder aber er rinnt selbstenaus den Röhren / wie anderes Baum=Hartz. Dahero wann Plinius geschrieben; der Zuckerwachse in der Grösse einer Hasel=Nuß; so muß man es nicht verstehen / als ob der Zucker wie dieFrüchte an den Bäumen hervor wüchse: sondern / weil die Röhren so voll seynd / daß sie über-tauffen / wann man sie nicht bey Zeiten beschneidet; so wird selbiger hart / und gleichet dem Hartz /daß an denen Bäumen zuwachsen pfleget.Es wird aber gefragt; Erstlichen: Was der Zucker für Eigenschafften habe? und war-um er weiß seye? Antwort: Seine Weisse hat die allgemeine Ursache zum Grund: dann derZucker ist hart / in Gestalt eines festen und dicken Schaums: aller Schaum aber ist weiß: da-von wir die Ursach anderswo angeführt haben. Darnach wird der Zucker auch geschmoltzenund gekocht / weilen er neben denen feurigen Geistern nicht weniger aus einer Feuchtigkeit beste-het. Ferner benimt er denen Früchten ihre Rohigkeit; so daß er absonderlich zu Einmachungder Früchten und ihrer Erhaltung zu gebrauchen ist: dann solchergestalten bleiben dieselbe langeeit unverändert; weilen er nemlich alle ihre Lufft=Löchlein und Ausgänge dermassen verstopf-set / daß nichts von ihren erforderten Zufälligkeiten vergehen kan. Ist demnach wol zu verwun-dern, daß eine weiche Kirsche, wann man sie also bloß liegen lasset, nach wenigen Tagen anfahetzu faulen; wann sie aber mit Zucker eingemacht worden / viel Jahr unverletzt auffbehalten wer-den kan. Es finden sich noch mehr Eigenschafften an ihme / die er aber mit dem Honig gemeinhat; doch ist er gesunder als das Honig / sowohl an den eingemachten Früchten / als auch andenen Artzneyen. Sonsten sagt man auch / daß die Schweine von den Röhren / woraus derZucker gekocht wird / ein dermassen zartes Fleisch bekommen / daß es denen Capaunen nichts nach-gebe; welches sonder Zweiffel der in selbigen übergebliebenen wärmenden und HonigfliessendenFeuchtig= und Fettigkeit beyzumessen ist.Zwey⸗

m Zucker.