Philosophische und Politische BeschreibungFragt sichs / Erstlichen: Woher es komme / daß das Honig goldfärbig / item süß undklebricht seye? Antwort: Durch die Farbe wird das Feuer; durch den Geschmack die wohlausgekochte Materi / und durch die Klebrigkeit / daß sie geläutert seye / angezeigt. Weil nun dasHonig viel Feuer in sich hat / so ist kein Wunder / daß es auch Hitze und Flammen hat.Zweytens: Warum man das unterste am Honig; am Oel das oberste; und am Wein dasmittelste für das beste halte? Antwort: Weil dasjenige Honig das beste seyn solle / welches am we-nigsten flüssig ist / und wie Zucker sich verdicket / auch insonderheit eine Süssigkeit hat: dann etwas solches setzet sich wegen seiner Schwere zu Boden. Hergegen wird dasjenige Oel gelobt, welchean schönsten und lüfftigsten ist / und den wenigsten Satz oder Heffen hat: dannenhero schwim-met es / als etwas leichtes / allzeit oben. Weilen aber die Krafft des Weins in der Hitze bestehet / so sammlet sich selbige fürnemlich umb die Mitte zusammen / damit sie vor Schaden verwahrseye: dann der untere Theil des Weins, so der Hessen am nechsten ist, stehet ab, und verleurden Geschmack; hergegen wird der obere Theil von der Lufft verderbt; wie dann / daß die Lufftdem Wein schädlich seye / daraus genugsam abzunehmen / daß / wann das Faß voll ist / derselbeweniger umbstehet / als wann es nur halb voll ist; wie auch daraus / daß / wann das Faß wohlverschlagen / und von aussen verschinieret; oder aber in die Erde vergraben wird / man ihne sehrlang erhalten kan.Drittens: Was es für ein wildes Honig gewesen, das der Tauffer Johannes in derWüsten gegessen? Antwort: Hierüber seynd die Ausleger gar unterschiedner MeinungenRabanus hält darvor / es seyen weisse Baum=Blätter / welche / wann man sie mit Händen zerreibet / einen Honighafften Geschmack geben. Andere wollen; es seye eine Feuchtigkeit / die manaus den Baum=Blättern sammle. Faber meinet; es seye dasjenige Honig / so die Bienen inMangel anderer Blumen aus dem Heyden=Strauch samlen; als welcher Strauch im Herbstzu blühen anfahet / wann andere Blumen und Kräuter schon verblühet haben: Es ist aber sol-ches Honig / wie oben gemeldet / über die massen ungeschmack. Dieser Meinung scheinet auchIsidorus zu seyn / indem er schreibt: Das wilde Honig ist kein Graß oder Blume / sondern einBerg-Honig / so die wilde Immen machen; und ist im höchsten Grad bitter. Welche nununter diesen Meinungen die wahrscheinlichste seyn möge / wollen wir des Lesers Gutachten an-heimbgestellt lassen.Politische Schluß=Rede.Durch Widerwärtigkeiten gelanget man zu Glück undEhren.Iltu den Kern haben? so brich die Schaalen entzwey: dann ein Fauler erlangt keineKrone; und wer keine Galle kosten will / der ist auch nicht werth / daß er des Honigsgeniesse. Dem gehört nichts süsses / der nicht zuvor etwas bitteres versucht. C. Plinius Secundus schreibt: Es seye sehr nutzlich / damit man des Glücks recht gebrauchenkönne / daß man allerley Widerwertigkeiten erduldet habe. Die Bienen sammlen dasHonig aus dem bittersten Thymian / und machen aus der Bitterkeit in ihrem Eingeweid densüssesten Honigsaim; weilen / wie Plutarchus meldet / sie mit Fleiß / indem sie das Honig einsam-len / nur bittern Safft suchen; nicht anders als wann sie vernünfftige Schüler der Natur wä-Plin. I. u. ren. Dahero auch Plinius von ihnen vorgibt / daß sie vor allen Dingen nicht nur inn-wendig / sondern auch rings herumb ihr Stöcke und Körbe mit bittern Säfften an-c.6. & 12.feuchten; und seye sogar unter der Arbeit / der Bienen Speise selbsten eines bitterenGeschmacks. Aus einem bittern Safft wissen sie eine süsse Feuchtigkeit auszuziehen; undwürden sie solches nicht zuwegen bringen, wann sie vorhero nicht sich mit unangenehmer Speisesättigten. Dieser Himmels-Schweiß, dieser Gestirn-Speichel; (so nennet Plinius das süsseHonig) dieser gereinigte Lufft=Safft ist eine dittere Süssigkeit. Der soll kein Honig kosten / dernicht seiner Zunge etwas bitters zuschmecken gegeben / die Süssigkeit folget hernach. Du bistder elendeste Mensch auf der Welt / wann du niemahls elend gewesen. Hastu Zeit Lebens mekeinen Feind gehabt, so weist niemand, was du dulden kanst; ja du selbsten nicht. Wer niemahlen kranck gewesen / der weist nicht / wie hoch die Gesundheit zu halten ist. Was für ein herr-lich=und edles Ding das Honig seye, verstehet nur der so im Gegentheil auch die Galle gekostet.Wer niemahls gekämpfft hat / der verdient keinen Preiß: wer niemals sich auf dem Fecht=Platzgeübet / der wird alsbald das Gewehr niederlegen / und auf den geringsten Anfall zu Boden sincken. Nur weiche Zärtlinge suchen ohne Verdienst empor zu steigen. Die Ehre ist nicht dein,so du nicht selbsten erworben / und mit eignem Schweiß gegründet hast. Stürmet der Nord-Wind,
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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