Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
222
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Philosophische und Politische Beschreibungmen warten, ein oder andern Tags die Zellen voller Honig antreffen. Drittens: Weilen dieBienen das Honig / so man ihnen im Herbst genommen / nicht wieder ersetzen; ungeachtet siedoch umb selbige Zeit noch Blumen genug finden; und würden demnach / da man ihnen denmeisten Theil ihrer Speise entzogen, und sie gleichsam in Armuth gesetzet, gewißlich nach ihrerangenaturten fleissigen Vorsicht / wieder neues Honig machen; wann sie solches aus den Blu-men zu bereiten pflegten. Worzu ferner dieses kommet / daß man beobachtet / wie die Bienenzwar das Honig mit dem Maul auffsammlen / aber nicht hinab schlucken / sondern vielmehr ihrBeine und Schenckel ausleeren; als an welchen sie zerschiedene in Gestalt der Haare hervorragende Riegelen haben / dardurch das Honig gehalten wird / daß es ihnen nicht entfalle. Wassie nun genug beladen seynd / so tragen sie ihre Beute nach den Immen-Stöcken, wo schon et-liche andere kleine Bienlein auf sie warten / welche die Last von ihnen abnehmen / und sie folglichzur weitern Sammlung wieder fortgehen lassen. Jedoch ist hierbey nicht zu verneinen / dadas Honig durch die Wärme der Bienen / indem sie auf selbigem sitzen / einiger massen verändertund besser bereitet werde: nicht anders als eine Henne das Ey erwärmet / und ein junges Küclein ausbrütet: dannenhero wird das Honig an dem zwantzigsten Tag dicklecht / und sogleichvon der Wärme mit einem dünnen Häutlein überzogen.§. 2. Es scheinet der Warheit nicht ungemäß / daß das Honig kein vom Himmel fal-lende Thau=Feuchtigkeit / sondern vielmehr ein Safft der Blumen seye: ErstlichenWeilen die Bienen das Honig aus denen Blumen nicht nur früh Morgens / wann der Thaufället / sondern auch Mittags / wann die Sonne durch ihre Hitze den Thau gantz auffgetrocknet /zu samlen pflegen. Zweytens; Weilen die Bienen gemeiniglich das Honig aus denen Blu-men saugen / die gegen der Erde hangen; nicht aber von denen / die gegen dem Himmel sehenund offen stehen; Nun würden ja diese letztere vielmehr / und nicht die erstere von dem Himm-lischen Thau befeuchtet: Ergo &c. Drittens; weilen das Honig sich nach der Blumen undKräuter Eigenschafften richtet: dann so es aus dem Thymian oder Welschen Quendel herkomt,so wirds für das beste gehalten; kommt es aus dem Wermuth / oder aus dem Spicanardi her,so wird es bitter oder wolriechend verspührt; worvon sich schliessen lasset, daß der Honig einSafft der Blumen und Kräuter seyn müsse. Zugeschweigen / daß diese Himmlische Feuchtigkeitnicht allein auf die Blumen, sondern ebenmässig auf die Baum-Blätter fället: und doch samlendie Bienen das Honig nur aus den Blumen / ja nicht einmahl aus allen. Man kan dessen einExempel von dem Zucker abnehmen; welcher aus gewissen Röhren/ und also auch das Honigaus gewissen Blumen / ausgezogen wird: und gibt es die Erfahrung, daß wann man an einenQuendel, oder gewissen andern Blumen ein wenig sauget, man eine Honig gleiche Süssigkeitſchmecket.§. 3. Dannoch ist es noch viel wahrscheinlicher / daß der Honig eine Thau-Leuchtig-keit, und sehr süsser Safft seye, der vom Himmel abfalle, und sich an den Blättern undBlumen anhänge: Dahero er nichts anders ist, dann eine erdige Aushauchung / die sich mitdem Dampff vermischet / und zugleich in der untersten Lufft=Gegend vergieret. Und zwar diesesdarum / weilen die wässerige Feuchtigkeit wann sie sich nicht viel auflöset / zu einem sehr süssenSafft wird: Nun geschiehet es aber hier also; Ergò &c. Dahero auch bey Anbruch derMorgenröthe dergleichen Feuchtigkeit auf den Blättern der Bäume / nicht weniger zuweilen auden Kleidern und Haaren derjenigen / die etwa die Nacht unter freyem Himmel zubringen müs-Arist. I. 1. sen / sich sehen und spühren lässet. Dieses wird durch den Beyfall des Aristotelis bekräfftiget,de hist. a. welcher also schreibet: Die Bienen machen den Saun aus denen Blumen / und das Wachsnim. c. 22. aus dem Harz der Bäume; das Honig aber sammlen sie aus dem Thau. Aelianus berichtet;in Meden trieffe das Honig aus den Bäumen / und in Indien / fürnemlich aber in der Gegendder Prasier / regne es lauteres Honig / so auf das Graß falle / und dem weidenden Vieh unver-gleichlich angenehm seye.Im übrigen wird auf die Argumenta des §. 2. geantwortet; und zwar auf das Erste:Es seye gantz falsch / daß der Thau völlig von der Sonnen-Hitze auffgetrocknet werde: Dannes werde nur derjenige Thau auffgetrocknet, der von aussen in die Augen fället; nicht aber derso innwendig in den Blumen verborgen lieget: sonsten wären die Blumen gäntzlich ausgetrücknet und gleichsam erstorben; und also ziehen die Bienen den innwendig verborgnen Thataus den Blumen / wann die Sonne auch am heissesten scheinet. Auf das andere: Der Thaufalle auf allesowohl hangende / als gerad stehende Blumen; und werde von denen Bienen sol-che Himmlische Thau=Feuchtigkeit aus allen / meistens aber aus denen abhangenden Blumen(weilen dieselbe darinnen vor der Hitze sich am besten schützen und erhalten kan) auffgesamletAuf das dritte: Der Unterschied des Honigs komme nicht her von dem Unterschied der Blu-men / sondern der Dämpffen und Ausdünstungen / aus welchen dieser Himmlische Thau entste-het; wiewohlen wegen Unterschied der Blumen zuweilen das Honig gut / zuweilen bitter seynkönne