Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Wird nun gefragt / Erstlichen: Warum der Reiffe gemeiniglich stincke? AntwortWeil er aus einer unreinen stinckenden Materi seinen Ursprung hat; das ist: Entweder ver-mischt sich eine warme Ausdämpffung mit einem feuchten Dampff / der aus sumpffigen / mora-stigen und kothigten Orten auffsteiget; oder aber es mischt sich etwas erdiges mit unter / so her-nach wegen der zwischen kommenden Kälte nicht mehr kan verzehret werden: Dahero sagt undhält man ins gemein darfür; es seye nichts ungesunders als ein zu Wasser gewordenerZweytens: Woher es komme / daß der Reiffe weiß seye? Antwort: Dem Reiffenkommt seine weisse Farb her von der allzugrossen Kälte: wiewohlen er doch nicht so weiß ist / alsder Schnee; indem er zwar mit der Lufft in etwas untermischt ist / wie der Schnee; aber mitkeiner so reinen Lufft; weilen er naͤher bey der Erden entstehet. Und deßwegen ist er auch nicht sodünn / wie der Schnee; dann je dicker die Lufft ist / je fester vermengt sie sich mit den Dämpfen.Drittens: Warum der Reiffe, der im Winter hin und wieder auf den Feldern liegt undan den Zäunen hänget / krauß und gleichsam stachlicht seye? Antwort: Derselbige Reiff ent-springt aus dünnen und klebrichten Dämpffen / die dahero an einander hangen / und sich inStriche theilen: Welche Dämpffe bevor sie zu Wasser werden können von der umbherstehen-den Kälte gefrieren. Und diß ist ebenfalls die Ursach / daß in dem Winter die Wandersleute andem haarichten Kihn lange Striche bekommen: da nemlichen der ausgehauchte Athem in demBart behanget / und allda von der kalten Lufft angehalten / und zu einem zarten Eiß verdicketVierdtens: Warum der Reif das Graß und Kraut mürb und geschlacht mache? Ant-wort: Weilen die Kälte, so unmittelbahr das Kohl oder Kraut berühret, solches über die massendicht zusammen treibet / und also verursachet / daß sehr viel Theile der Feuchtigkeit sich zusammensetzen: Woraus dan geschiehet / daß wann folgends eine Wärme darzu kommt / die zuvor kleingewordene Fäserlein gar leicht / ja zuletzt gäntzlich auffgelöst werden. Dannenhero ist es auchnutzlich, wan man nach zwey oder drey gefallnen Reiffen anerst die Trauben ablöset, weilen als-dann das Häutlein bereits ein wenig erweichet worden.Dabey zu mercken; wann in kalten Monaten und kühlen Zeiten der Himmel sich beyNacht auffheitert / und die Erde feucht ist / so hat man sich eines Reiffen zu besorgen; weilen so-dann der Thau / so vom Himmel fället / durch die Kälte gefrieret.Politische Schluß=Rede.Die / so es verdienen und würdig seyn / solle man vor anderenbeförderen.Ey denen Persern pflegte man die Hoff=Bediente, des Königs Ohr und Aug zu nennen.Es siehet aber immer ein Aug besser als das andere; und ein Ohr höret immer besserdann das andere. Diejenige Republic ist einaͤugig / welche uͤbel siehet / und blintzet; und Apulejusund wann sie übel höret / so findet sich kein Unterschied zwischen ihr und einer ungestalten Bild-lib. deSäule; ja sie ist noch weit ärger: dann diese kan nicht irren / weil sie keine Seele hat; jene aberverhält sich übel und boßhafftig / weil sie eine boßhafftige Seele hat / mittelst welcher sie übel sie-het und auch sehr übel höret. Es ist bey und in einer Republic nichts nöthigers nichts nutzli-chers, nichts rühmlichers, und wodurch dieselbe in Flor und hohes Auffnehmen kan gebrachtwerden / als eine gerechte Austheilung der Aemter / und kluge Auswechßlung der Bedienten.Durch diese würcket und vernichtet ein Fürst alles; durch diese wird ein Staat belebt. Es magein grosser Herr so fromm / als er will; ja fast vollkommen seyn; wird seine Regierung aber vonbösen Dienern verwaltet, so gleichet er einem Leib, der ein schönes Haupt, und heßliche ungestal-tete Glieder hat. Ein Reich findet seinen Schutz nicht bey einem guldnen Zepter; son= Xenoph.dern getreue Diener und Räthe sind eines Königes sicherstes und mächtigstes Zepter. in Grop.Ungeschickte Räthe / Gottlose Obrigkeiten / nichtswürdige Bediente und Ministers seynd be= 1. 3.schwerliche Kletten an dem Königlichen Rock / und ein Schandmahl eines Recht= und Gerech-tigkeit liebenden Printzen. Der Fürst stellt die Sonne für: seine Hoff-Bediente und Räthekönnen für die übrige Gestirne angesehen werden. Es versammlet sich aber ein fanthastischerund unächter Stern=Rath unter einer schön leuchtenden Sonne / wann der scorpion die Stel-le eines Planeten vertritt; wann der Mercurius sich der Kriegs=Händel annimmt; wann derMars die Schiffe regiert und einen Piloten abgibt. Einem jeden gebührt seine zukommendeStelle; ein jeder soll denjenigen Stand bekleiden / zu welchem er tüchtig erscheinet. Wer in sei-nem Gehirn nur leere Gedancken führet, der wird das gemeine Wesen nicht bereichern; undEe 2