Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

Philosophische und Politische Beschreibungetwa die Mucken und Flöhe; sondern aus dem Thau, den sie in ihre Zellen eintragen, ihrerPlin. I. 5. Ursprung nehmen. So ist er auch gleichsam ein Saame der Perlen / wie Plinius lib. 9. c.vorgibt; und thut ebenfalls sehr viel zum Wachsthumb des Ungezieffers: denen Schaafen aberist er schädlich; dann er verursachet bey dem zarten Vieh wegen seines bey sich führendenfigen Salpeters einen gefährlichen Durchfall; also daß die Hirten gewohnlich / wann der Thaunoch auf dem Graß lieget / bevor die Sonne selbigen verzehret / ihre Herrden nicht auf die Wei-de zu treiben pflegen.Die dritte Würckung ist nach des Scröderi Meinung / Pharmacop. I. 3. c. 3. &c. diesedaß das Thau=Wasser alle andre Wasser an durchdringlicher Subtilität übertrifft / und daheroaus einem flüchtigen Naß / und schärfern Saltz bestehet: wie dannn die Palingenesia, oderHervorbringung der Pflantzen / da sie aus ihrem Saamen mit ungemeiner Belustigung in ei-nem hermetisch=versiegeltem Glaß künstlich vorgestellet werden / vermittelst des Thaues sich be-werckstelligen lasset: von welchem Kunst=Stück Harßdorffer Tom. 2. Delit. Matth. part. 9.qu. 26. wie auch Schottus in Mechan. hydropneu. part. 2. class. 1. c. 6. und in seinen Jocose-riis Cent. 2. prop. 47. können gelesen werden. Doch schreibet der berühmte Medicus Piso,daß der Thau in Brassilien weit subtiler und durchdringender seye / dann der Thau in Europa:ja er legt selbigem die Krafft und Tugend bey, daß er, weil er die natürliche Hitze zusammenhält / und über diß den Schweiß treibt, sowohl an Menschen als Vieh die ermüdete Glieder ver-wunderlich stärcke.Die vierdte Würckung bestehet darinn, daß der Thau die schädliche oder tödtliche Aus-flüsse an denen vergifften Thieren zuruck treibet; dahero diese letztre auch bey Tag ihr Gifft vieeher, dann bey Nacht ausstreuen können; und solcher Ursachen wegen die Schlangen über dasGraß und die Blumen / solang sie von Thau befeuchtet seynd / nickt zu kriechen pflegen.Die fünffte Würckung ist, daß der Thau, indem er eine öffnende Krafft in sich hat, beydenen Thieren gar leichtlich einen Durchbruch verursachet: wie dann solcher eben auch darumvon denen mit Thau befeuchteten und genossenen Wein=Trauben entstehet; weil der Thau miseiner Subtiligkeit in das Eingeweid durchdringet / mithin darinn den Unflath schlupffrig machet, und den Stuhl=Gang befördert. Plutarchus meldet über diß, daß die sette Weiber ge-wohnt seyen / den Thau mit Tüchern und weichen Fellen auffzusammlen / und darmit ihre Fer-tigkeit zu vertreiben: und solches geschehe durch den Salpeter / der häuffig sich in dem Thaubefinde.Diesem kan noch das seltzame Experiment D. Danielis Ludovici, der es in einem künstlich distillirtem Mayen=Thau genommen / beygefügt werden: dann als derselbe einsmals einensilbern Löffel in dergleichen distillirten Thau eingestossen; so hat selbiger alsbalden sich mit einerGoldfarb überzogen; da er ihn aber zum zweytenmahl eingetaucht / die schönste und annehm-lichste Purpur-Farb bekommen.§. 5. Der Reiffe ist ein dünner Dampff / der aus der Erde in die nechste Luffüber sich gestiegen / und von der Kälte gleichsam wie ein Saltz gestaltet worden: nachdes Aristotelis Meinung 1. Met. 10. Der Reiffe verbrennt und verderbt die Bäume unBlumen; und schadet absonderlichen denen im Frühling ausschlagenden Bäumen mit seineKälte. Der Reiffe und der Thau gleichen einander / soviel ihre Materi / würckende Ursache / Ortund Zeit betrifft; seynd aber von einander unterschieden / Erstlichen in der Form; weilen derThau=Dampff nicht gefriert / sondern zu Wasser wird; der Reiff=Dampf aber ist gefroren / undwie Saltz gestaltet: Zum andern / in denen Eigenschafften; dann der Thau ist mässig warmund feucht / erfrischet die Saat und machet sie wohl gerathen; der Reiff hergegen ist kalt / undemnach dem Wachsthumb aller Dingen zuwider: Zum dritten / der Thau entstehet bey stillenund gemässigtem Wetter; der Reiff aber zu einer kälteren Zeit, und absonderlich in denen Mor-gen=Stunden / da die gefrierende Kälte meistens regieret: Zum vierdten / der Thau erzeigt sich /wann der Sud= und Ost=Wind gemässigt wehen; der Reiffe aber gemeiniglich / wann derNord=Wind gehet: dann gleichwie der Sud=Wind ein gelindes Witter bringet / also führt derNord-Wind Kälte und Frost herbey.§. 6. Der Schnee und der Reiffe haben dieses mit einander gemein / daß beede ausder Gefrierung herkommen / und weiß seynd: doch ergibt sich ein Unterschied zwischen ihnen indenen 4. folgenden Stücken: Erstllich / in der Eigenschafft der Materi; weilen der Schnee auseinem dickeren / der Reiffe aber aus einem subtileren Dampff entspringet. Zum andern / in derForm; indem der Schnee dicker / und der Reiffe subtiler und dünner ist. Zum dritten / in demOrt; dann der Schnee wird in der mittleren, hergegen der Reiffe in der untersten Lufft=Ge-gend erzeugt. Zum vierdten; vor dem Schnee ereignen sich Wolcken; vor dem Reiffe aber siehet man deren keine.Wird