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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
217
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.gemässigte Nacht= oder Abend= und Morgen=Kälte; wodurch zwar solcher Dampff zu einem wäs-serichten Naß sich verdicket / keinesweges aber gefrieret. Die in die Höhe ziehende Ursach desDampffs ist die Abend=Sonne; dann weilen sie wegen Schwachheit der Hitze wenig mehrKräfften hat / so kan sie denselben / auch nicht viel in die Höhe heben. Es mögen aber ebenfallsdem Thau die Nächtliche Gestirne, absonderlich der Mond, und zwar wann er in vollem Liechtstehet (als zu welcher Zeit der Thau am häuffigsten fället) wohl beförderlich seyn: wie danndeßwegen der Mond eine Mutter des Thaues genennet wird; indeme nemlich derselbe ersagteDämpffe bey Nacht aus der Erde ziehet; welche biß zu Anfäng der Morgen=Röthe allda lie-gen bleiben / hernach aber zu Wasser werden.§. 2. Der Thau ist von dem Regen unterschieden theils dardurch / daß der Regen einezu Wasser auffgelöste Wolcke; der Thau aber bloß ein Dampff ist / der beginnet in die Höhe zusteigen / und eine Wolcke zu machen: theils auch deßwegen / daß der Regen Tropffenweiß; derThau hergegen sanffter herab fällt / und allgemach / ohne daß man es mercket oder wahrniṁt /sich an die Kräuter / Graß und Blumen anhänget.§. 3. Der Than entstehet in der untersten Lufft, und nicht in dem obersten Theilder mittlern Lufft=Gegend / wie Albertus Magnus behaubten wollen: daß dieser dünne Dampffsteigt nicht biß in die mittlere Lufft / daß er daselbst zu Thau werde; weilen / wie Aristoteles be-zeuget / 1. Meteor. 10. auf den hohen Bergen weder Thau noch Reiffen anzutreffen: welchesaber besagter Aristoteles an erst=angezognem Ort der wenigen in dem Dampff befindlichenWärme zuschreibet. Dannenhero ist glaublich / daß der Thau an einem niedrigern Ort seinenUrsprung nehme: So auch daraus noch offenbahrer wird / weilen die bey Nacht reisende Per-nen an den Füssen und Schuhen / und nicht weiter oben naß noch befeuchtet werden: Dochfindet er sich häuffiger und öffter an nassen und sumpffigen / als an trocknen Orten; gestaltenman die Uffer der Flüsse hin und wider mit Thau benetzet sihet / da hergegen auf den Aeckern undund anderen trocknen Gegenden davon nichts gespühret wird.u. 4. Die bequemste Jahrs=Zeit zum Thau ist der Frühling und der Herbst:weilen es alsdann die meiste Dämpffe abgibt: dann im Sommer wird die Feuchtigkeit durchdie allzugrosse Hitze verzehret; im Winter aber / indem die Erde sodann verschlossen ist / kan wenigdavon in die Höhe steigen. Jedo fället auch kein Thau / wann es regnet / oder wolckicht / oderwindig ist; angesehen es bey neblichtem Wetter zu regnen und nicht zu thauen pflegt; und auchim übrigen die thauige Feuchtigkeiten durch die Winde zerstreuet werden. Fürnemlich aberfällt der Thau bey Nacht / und bey anbrechender Morgenröthe; weilen alsdann der Erdbodenwegen der noch weit entferneten Sonne am meisten erfrischet wird. Wobey zu mercken; ob-schon lauter Dämpffe daraus der Thau entstehet / die gantze Nacht hindurch herunter fallen / undzwar die öbersten am langsamsten, theils weil sie höher stehen, theils weilen die Tropffen garklein seyn; so halten doch die Chymisten den Thau / der absonderlich im Mayen zuletzt / unddann der im Sommer fällt / für den besten.Hiebey wird gefragt: Was dann der Thau für Würckungen habe? Antwort: Unter-schiedliche und wunderbahre.Die erste Würckung ist; Daß der Thau die Erde mit einer angenehmen und leichtenFeuchtigkeit betreuffelt, und dardurch Kräuter und Früchte dergestalten erquicket, daß sie nichtverdorren; insonderheit befördert er die Kräfften der wundersamen und sehr kostbahren Sini-schen Wurtzel / so insgemein Sinsen genennt wird. Von selbiger schreibt Rumphius in seinenSend=Briefen an Menzelium 1684. folgendes: Man pflegt auf den kalten und öden Gebür-gen des Königreichs Sina / und zwar zu gewisser Zeit bey heller Nacht und Stern=vollem Fir-mament ersagte Wurtzel, die alsdann ein wenig aus dem Boden hervor raget, damit sie desThaues geniessen möge / zusuchen. Es macht aber der Thau / wann er auf sie gefallen / daß sel-bige einen kleinen Schein von sich gibet. Wer nun solches Zeichen angetroffen / der beschmiertden Ort, wo das Liecht sich zeiget / mit einem bey sich habenden angerührten Kalch oder Mörtel /und erwartet darauff / biß der Tag angebrochen; da alsdann das mit Kalch bemerckte Ort auff-gegraben / die Wurtzel heraus genommen / und an dem Schatten / jedoch bey hellem und lüffti-gem Wetter / getrücknet wird. Von Arabien / so an Egypten gräntzet / meldet Andreas Corsa-lius bey dem Majolo; daß in einer gewissen Gegend nahe bey der Stadt Aden die Erde we-der von Regen / noch Bronnen / noch Flüssen befeuchtet / und nichts destoweniger von dem fal-lenden Thau dermassen gleichsam geschwängert werde / daß sie die reicheste Erd=Früchten ver-wunderlicher Weiß in grossem Uberfluß hervor bringe. Jedoch ist zu mercken; daß derjenigeThau / den wir Teutsche Mildau nennen / und der bey unstettem Wetter und auch scheinenderSonne mit sehr kleinen Tröpften gantz sanfft und still herabfällt / denen Gewächsen schädlich seye.Die Zweyte ist; daß der Thau eine geschickte Materi abgiebet zu Erziehlung der Bienen:dann diese letztere nicht von der Vermischung oder Paarung / noch aus der Fäulung / wie