Philosophische und Politische BeschreibungZum Dritten: Was die Ursache seye, daß zuweilen vor Entstehung eines Hagels, eingrosses Geräusch oder Gethön gehöret werde? Antwort: Dieses kommt daher / daß die Dünsein den Wolcken hefftig miteinander streiten, und also, indem sie mit vielen Bewegungen, undaneinander=Stossungen einen Ausgang suchen / ein Geprassel verursachen; nicht anders als sichin einem Hafen bey einem siedenden Wasser ein Brausen hören lasset. Oder es mag auch da-her rühren; daß die bereits gefrorne Wasser=Tropffen im Herabfallen an einander stossen.Zum Vierdten: Warum im Sommer manchsmahl vor dem Hagel grosse Regen-Tropffen zufallen pflegen? Antwort: Weilen etliche der vordersten Tropffen, da die Lufft nochnicht genug erkaltet gewesen / nicht gefeieren können; und also mit ihrer Schwere frey herunterfallen.Zum Fünfften: Warum der Hagel, ungeachtet er härter dann der Schnee ist, dochgeschwinder als der Schnee verschmeltze; dann sobalden er auf die Erden kommt / so schmei-er? Antwort: Hierüber gibt es zerschiedene Meinungen ab: Einige halten darvor; der Ha-schmeltze darum eher / weil er dem Wasser gar nahe komme; indeme er ein gefrornes Wasseseye; hergegen entstehe der Schnee nicht ohnmittelbahr vom Wasser, sondern aus den Dun-sten. Da nun der Schnee weniger von des Wassers Natur an sich habe / als der Hagel; sohabe man sich nicht zu verwundern, daß der Schnee auch härter seye, dann der Hagel. Andere hergegen vermeinen; der Hagel zerschmeltze deßwegen gern / weilen die Lufft wärmer seyewann es Hagel werffe / als wann es schneye: Etliche aber lassen sich beduncken / es rühre solchesdaher / daß in dem Schnee mehrere kalte Geister befindlich seyen / dann in dem Hagel; und dem-nach nicht zugeben / daß der Schnee bald zu Wasser werde. Endlichen will D. Hamel, in Meteor. I. 1. c. 3. behaupten, es geschehe solches wegen der Dichte und Dicke des Hagels: dannschreibt er / ein Pfund Bley wird auch viel geschwinder / dann ein Pfund Butter zuschmeltzenweilen nemlich ein Theil / so die Wärme empfangen / dieselbe alsobalden dem nechsten Theil wi-der eintheilet; und also diese Märme auf das allergeschwindeste durch alle Theile ausgebreitewird.Zum Sechsten: Was es bedeute, daß man mitten in den Hagel-Steinlein oder Kügelen einen weissen und gleichsam Schneeigen Kern wahrnehme? Antwort: Hieraus schlieset man / daß der Hagel / bevor er zum Hagel werde / ein Schnee; und dieser letztere gleichsam deserstern Saame seye: Welcher aber, wann sich vieles Wasser daran anhänget, und gefrieret,dann einen Hagel abgiebet. Und ist sich nicht zu verwundern / daß mitten im Sommer dieWolcken sich mit Schnee schwängern, und zuweilen in der grösten Hitze denselben auf den ho-hen Bergen fallen lassen: indeme zu glauben ist, daß er auch biß in die niedrige Thäler wohlherab fiele/ wann er nicht im Herabfall von der warmen Lufft zu Wasser würde.Wobey zu mercken: Daß, weilen die trockne Ausdunstungen, woraus der Hagel auchbestehet / eine anzündende Krafft haben / der Hagel nicht nur die Saat niederschlage / sondern auchalles, was er berührt, also versenge, daß selbige wenig Tag darauff völlig zu Grund gehet undverdirbt. Wann aber der Hagel mit Regen oder Wässer vermischet ist/ so schlägt er zwar ebenfalls die Saat nieder / verbrennet sie jedoch und verderbt sie nicht; weilen das Wasser die denenSaaten schädliche Ausdünstungen gleichsam abwaschet. Dahero kommt es dann, daß derHagel / wann auf denselben bald ein Regen folget / keinen so grossen Schaden thun kan; indemeder Regen die Ausdünstungen, die der Saat nachtheilig wären zu lindern pfleget.Wie man sonsten einen gekünstelten Hagel machen solle / wird von dem Kirchero anHanden gegeben; nemlich so an der eisern Decke eines Zimmers auf Art und Weiß wie wirdie Erkünstlung eines Regens gelehret, der Dampff zu einem Regen aufgelöset, und hernach unter solcher Decke mit einem Blaß=Balg ein kalter Wind gemacht wird / so verdicket sich der Re-gen / und wird zu einem Hagel.Politische Schluß=Rede.Wider den Unglücks-Hagel muß man unbeweglich seyn.Ein Politicus soll aus der Fabel ein wahrhaffte Geschicht machen:IJe Minerva achtetete weder Noth noch Widerwärtigkeit: dann sie bedeckte sich mit ei-Aristid.nem unsterblichen aus Gold gegossenem Schild / den weder Mars mit seinem GrimmHym. inMinero. bewegliches Gemüth hat / der ist mit einem sattsam starcken Schild verwahret; wer aber nichtHomer.von Standhafftigkeit weiß / dem pflegt das Hertz auf jeden Zufall zuentsincken. Ein Politicus2. Iliad
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
214
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten