Philosophische und Politische Beschreibungund vertilget; dahero es dann geschiehet, daß der Hagel rauher und härter ist, dann die übrigefeuchte Eindruckungen, die sich in der Lufft ergeben. So es aber hagelt, wann allenthalben dieKälte regieret; so ist solchen Hagels entfernte Materi eine Ausdünstung / welche nicht durchso grosse Hitze / noch zu einer so dicken und warmen Wolcken zusammen getrieben worden: sei-ne nahe würckende Ursache hergegen besteht in der Kälte der rings umbstehenden und gefrierenden Lufft; und seine formliche Ursach in einer auf Kugel=Art gefrornen Feuchtigkeit: im übrigenereignen sich soviel Kugeln / als Tropffen seynd: dann ein jeder Tropffe gefrieret von der Kälte,und wird zu einem Hagel.§. 2. Der Hagel entstehet theils in der mittlern/ und theils in der unterstenLufft Gegend. Ursache; weilen die Lufft / wann alles rings herum vor Kälte starret, in beedenGegenden eine bequeme starcke Kälte, das Wasser gefroren zu machen, überkommen; in demSommer aber auch an berührten Orten sich eine so grosse Kälte als hierzu nöthig ist / mittelstder Gegenumbstellungen inner dem Wasser zusammen setzen kan. Und ist gewißlich dieses einnicht geringer Beweiß, daß zuweilen der Hagel nahe bey der Erden gefriere, wann nemlichenmanchmals der abfallende Hagel ein auffgefangenes Spreu, indeme das gefrierende Wassedasselbe in sich geschlossen / mitzuführen pfleget: Dahero dann durchaus nicht zu glauben / nochzu behaupten steht, daß die Verdopplung der Strahlen in der untern Luft=Gegend jederzeit vonsolcher Stärcke seye, daß dadurch die Kälte, so zur Gefrierung des Wassers erforderlich, noth-wendig vertrieben und vertilget werden musse. Worzu noch dieses kommet, daß ersagteGefrierung nicht bloß und allein der Kälte des rings umbstehenden Cörpers; sondern bißwei-len auch seiner Hitze oder Wärme / und der Antiperistasi, wie wir oben gemeldet / beygemessenwerden kan.Jedoch möchte man hier einwenden: der Hagel ist nicht rund / sondern eggicht; und sol-ches dahero ein klares Zeichen, daß er nicht von der Höhe, das ist, von der mittlern Lufft=Ge-gend abfalle; sonsten er ohnfehlbar durch das Anreiben der Lufft rund formiert würde. Ant-wort Erstlich: Es ist falsch / daß der Hagel unterweilen nicht rund seye. Zweytens: Derje-jenige Hagel / welcher nicht rund ist / wird entweder in der untersten Lufft-Gegend gezeugt / oderaber in derselben gebrochen: welches dann neben dem gar wohl stehen kan, daß er auch in dermittleren Lufft=Gegend seinen Ursprung nehme.. 3. Der Hagel wird nach seiner Grösse und Gestalt unterschieden und getheiltIn Ansehung der Grösse ist er entweder sehr groß/ oder sehr klein; der sehr grosse Hagel beste-het in dichten und Stein=harten Kugeln; der kleinere aber / so man auch Steinlein heisset / in ei-ner leichten und sanfft zusammen getruckter Feuchtigkeit; deren Kügelein / weil sie aus der Höheherab fallen / allgemach unter solchem langsamen Fall zerschmeltzen und sich abnutzen. Majolusgedencket eines ohngefehr 8. Pfund schweren Hagels; Isidorus eines der nicht kleiner dan einMenschen=Kopff gewesen; Bontinius eines 12. Schuh langen; Sigebertus eines 12. Schuhlangen / 7. Schuh breiten / und 2. Schuh hohen; und andere eines andern / der Anno 1636. ge-Exod. c.fallen / und mehr dann 30. Pfund gewogen. Sonsten ist derjenige Hagel vor allen merckwur-dig, womit GOtt den Pharao geschlagen und der ohne Zweiffel der allergröste gewesen; weilenp. v. 25.dardurch in gantz Egypten-Land nicht nur Menschen und Vieh, sondern auch alles Holtz undKraut verderbet worden; wie im andern Buch Mose zu lesen: So war nicht weniger derjenigeHagel von einer ungemeinen Grösse, den der HErr über das Kriegs-Heer der fünff Könige,Jos. c.10. die Stadt Gibeon belagerten, kommen lassen; indem die heilige Schrifft bezeugt: Daß vielmehr ihrer sturben von dem Hagel / dann die Kinder Israel mit dem Schwerdt erwür-geten. Unter denen Wunder-Zeichen, die vor der Christen Niederlag und dem Untergang desHierosolymitanischen Königreichs (so beedes Anno 1187. durch den Egyptischen Saladin gesche-hen) vorhergegangen ist, wie Tyrius berichtet, neben den ungewöhnlichen Erdbebungen, grau-samen Winden, Sonnen-Finsternussen, und Uberschwemmungen, auch dieses nicht der gering-sten eines gewesen, daß ein haͤuffiger Hagel, wie Gaͤnß=Eyer, vom Himmel gefallen. Es beste-het aber die natürliche Ursache erdeuter Grösse unter andern fürnemlich in denen miteinanderstreitenden hefftigen Winden, welche die Materi des Hagels, wann sie noch weich, und einemschmeltzenden Schnee gleich ist, mannigfaltig an einander stossen, und zu einem grossen Cörperzusammen ballen. Was im übrigen die ordinari und gemeine Figur des Hagels betrifft / so istdieselbe zuweilen rund / zuweilen auch eggicht oder oval-rund: Rund ist sie / wann der Hagelhoch ober dem Erdboden sich formiert; dann je höher er herabfället / je mehr wird er durch dasAnrühren der Lufft abgenutzt und rund gemacht; hergegen erzeigt er sich eggicht, wann er nahebey der Erde entstehet: weil alsdann seine Seiten nicht abgenützt seynd; und oval-rund siehetman ihn / wann er noch nicht genug abgetrieben / oder von der Lufft ungleich berühret ist. Fallsman aber zu Zeiten in denen Hagel=Steinlen oder Kugeln Holtz / Haar / Spreu / Sand und der=
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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