Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.nen werde: Deßwegen meldet er / der Christall seye ein Eiß; von dem er auch in der Griechi-schen Sprach den Nahmen habe: dann er komme her von κρημνὸς, Eiß, und σέλλω, ichziehe zusammen; weilen nemlich er sich aus dem Eiß durch die hefftige Kälte zu einem Steinanhärte. So erweisets auch die Erfahrung, daß der Christall auf erst ermeldte Weiß erzeugetwerde: da man ihn noch zu dieser Zeit von den höchsten und kältesten Felsen in dem Tyrol ab-zubrechen pfleget: wiewohlen bekannt ist / daß er auch unter der Erden sowohl in seinen eignen /als denen Metall-Adern, wie andere Edelgesteine, gefunden wird.Anhang.ERstlich: Der gekünstelte Schnee kan nach P. Kircheri Anweisung auf folgende Weiß Kirch.zu wegen gebracht werden; Mache eine doppelte Decke von eisern Blechen, also daß art. luc.zwischen derselben ein Schnee oder Eiß mit Salpeter oder Vitriol vermengt kan gelegt werden. l. 3. c. 2.Unterhalb der Decke aber ordnet man einige Blaßbälge an / die stetigs gegen der Decke blasen /und die Lufft erkühlen: und stellet auch in das Zimmer irgendhin ein Gefaͤß mit heiß= und sieden-dem Wasser, von welchem die Dämpffe nach der Decke auffsteigen. Diese auffgestiegeneDämpffe werden sodann von dem oben liegenden Schnee gekältet, und zu den allerkleinestenWasser=Tröpflein auffgelöst: weilen aber der aus den Blaß=Bälgen kommende Wind sie an-wehet, so gefrieren sie zu einem Schnee, und überdecken das gantze Zimmer mit abfallendenSchnee=Flocken. Noch auf eine andere Manier: Schutte ein Wasser in ein langlechtes Glaß /beschließ dasselbe wohl, und bewege das Wasser lang und starck darinnen hin und wieder; sowerden sich alsdann unzehlich viel Bläßlein erzeigen: welche hernach / sobald das Glaß an diekalte Lufft gesetzt wird / sich zu einem wahrhafften Schnee verkehren. Und eben also kan auchder Reiffe nachgemacht werden; wann man nemlich zu Winters=Zeit entweder Haare oderRoßmarm=Blätter in ein Geschirr einhenget, so mit siedigem Wasser gefüllet ist: dann wannman selbiges an die kalte Lufft stellet, so werden sich die gefrorne Dämpffe zu einem Reiffen ver-dicken / und gantz demjenigen gleich seyn / der im Winter sich an die Haare anhenget / oder ausder Menschen oder Pferde Odem entstehet.Zweytens: Im Jahr Christi 1510. hat die Königin Maria ihrem Gemahl / dem König inPortugal / Immanuel / einen Printzen gebohren / der seinem Herrn Vatter über die massen ähn-lich gesehen, und den Nahmen Heinrich überkommen: da dann an eben dem Tag, an demedieser Printz an dieses Liecht gebracht worden, zu Lysabon, (in welcher Stadt jedoch es wegender grossen Hitze für ein Wunder geachtet wird, so man etwas von einem Schnee siehet) einsehr grosser Schnee gefallen. Welches ihrer viele dahin ausgedeuret / daß durch solchen Schneedie Auffrichtigkeit, Gottsförchtiger und keuscher Lebens-Wandel, nebst mehr andren vortreffli-chen Tugenden die in ersagtem Printzen unvergleichlich geleuchtet / zuvor angezeigt worden Oros. l. 8.seyen: wie Orosius hievon weitlaͤuffigen Bericht giebet.rers. E-Drittens: Olaus Magnus erzehlet; daß in den Mitternächtigen Ländern der Schnee in manuel.solcher Menge falle / daß die Bäume darmit gantz belastet seyen / auch ihre Aeste und Zweige in Olaus l.Gestalt eines Gewölbs in einander verschrenckten / und also viel Meilen lang gefrorne Spatzier-Gänge verwunderbarlich unter dem Schnee vorstelten.Die VII. Frage.Von dem Hagel.Er Zagel ist ein gefrornes Wasser / welches / indem es von dem Wind gehal-ten / und hin und her beweget wird / sich mit vielen trucknen und SalpetrischenAußdünstungen vermischet, und hernach durch derselben Krafft, wie auchwegen der darzu kommenden Kälte gefrieret. Es befindt sich aber zwischen ihme und demSchnee darinnen ein Unterschied / daß der Schnee eine Wolcken=Abtreufflung / so in der Lufft ge-friert; hergegen der Hagel ein Platz=Regen, der mittelmaͤssige; oder ein Schlag=Regen ist, derzar grosse Tropffen wirfft, die in der Lufft gefrieren. Wann in dem Sommer ein Hagel ein-ällt, so besteht seine entfernte Materi in einer Ausdünstung, die vermittelst würckender grosserHitze in die Höhe gestiegen, und zu einer etwas festen und warmen Wolcke sich verdicket hat:seine nahe Materi aber ist der Platz=Regen in den die Wolcke auffgeloͤset wird; und seine nahewürckende Ursach ist gleichfalls die Wärme der umbstehenden Lufft / welche Krafft der Antiperi-stali oder Gegenumstellung das Wasser erkältet / und alle Wärme aus demselben austreibtDd 2