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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
210
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Philosophische und Politische Beschreibungkommt es auch / daß ein Schnee=Ballen / in der Grösse einer Faust / wann er anfangt von einemhohen Berg abwerts zu rollen, bevor er noch den unteren Grund erreichet, zu einer ungeheurenLast erwachset: so daß / wie Olaus berichtet / dergleichen Schnee-Klumpe / so von dem Dolfrini-Olaus l.schen Gebürg herabgestürtzet / ehmals eine gantze Stadt niedergeschlagen; und in Cambizena,19. c. 15.Strab. L.u. nach des Strabonis Gezeugnus/ballet / der von den Bergen abfallende Schnee offt sich dermas-sen zusammen / das gantze Truppen Menschen davon bedecket werdenDrittens: Warumb es in Norwegen, und andern Mitternächtigen Ländern, die fastimmerdar mit Schnee überzogen sind / viel weisse Haasen / Beeren / Hirsche / und Füchse abgebeAntwort: Dieses kommet nicht daher, daß etwa ermeldte Thier, wie einige vorgeben, vieSchnee fressen; sondern weilen sie ohne unterlaß den Schnee vor ihren Augen haben; da siedann Krafft stetiger dessen Für= und Einbildung weisse Jungen zu werffen pflegen: Allermassenauf eben solche Weiß des Jacobs Schaafe von dem Anschauen der gesprengelten Stäbe auchsprecklichte Lämmer geworffen; und sollen gleichfalls weisse Pfauen können geziegelt werden /wann man den Ort, wo die Pfau-Henne auf den Eyern sitzt, gantz mit weissem Tuch über-ziehet.Vierdtens: Ob die Weisse des Schnees den Augen schädlich seye? Antwort mit Ja-Weilen der allzugrosse weisse Schein die Augen verblendet: deßwegen haben die jenige Leute /unter lauter Schnee wohnen, gemeiniglich ein schwaches und bloͤdes Gesicht; und schreibeGalen. I. Galenus, daß des Xenophontis Soldaten / da sie aus Persien zuruck kehrten / und durch viel mit10. de usu Schnee bedeckte Ort marchiren musten / fast durchgehends blöde Augen überkommen hätten.part. c.3. Dahero pflegen die Leute / so in dem Königreich Tibes auf den Bergen wohnen / und stetswehrendden Schnee anzuschauen haben / sich gegetterter Brillen zu bedienen / und dadurch dem Einfallder allzuhellen / und allzuweissen Strahlen in etwas zu brechen / und auffzuhalten.Fünfftens: Warumb der Schnee, wie man auf den Alp-Geburgen wahrgenommen,auch manchmahlen roth aussehe? Antwort: Weilen die lüfftige Theile (von welchen wir ver-meldet, daß sie gleichfalls die Ursache der weissen Farbe seyen) mit der Zeit vergehen, und dieMateri des Schnees verlassen, so das hernach eine Mixtur oder Vermengsel zuruck bleibt, diesich mehr auf die rothe Farbe ziehet: wiewohlen Eustathius, da er erzehlet, daß in Armeinienrother Schnee anzutreffen seye / versichert; solches rühre daher / daß allda aus denen Orten, woAlex.ab viel Mini vorhanden / hauffige Dünste auffsteigen: welche Ursache Alexander ab AlexandroAlex. I. 4. auch dem auf denen Scytischen Gebürgen befindlichen rothen Schnee beymisset. Sonstenberichtet Cardanus, daß man bey der Magellanischen Meer-Enge blauen Schnee antreffe;genial.dier. c.p. dises aber solle seiner Meinung nach nicht nur von seinem Alterthum / sondern gleichfalls daherCard. I. 1. kommen / daß er zu einem schwartzen Eiß / und überdiß nur von weitem und in der ferne gesehendevariet. werde: welcher letztern Ursache halber auch in der Lufft die Himmel=blaue Farb erscheine.Sechstens: Warum unter wehrendem Schneyen sowohl der Menschen Stimmerals der Glocken Thon nicht so laut und wohl / als sonsten / zu vernehmen seyen? Antwort: wei-len der Schnee die Fertigkeit der Bewegung hindert / und der Thon an so vielen unzehlicherSchnee-Flocken anstosset / daß er sich endlich zerstreuet / und unter ihnen nicht gantz verbleibenSiebendens: Ob in dem Schnee Thiere wachsen und leben können? Antwort: Ob-wohlen es scheinet, daß in dem Eiß irgend einig Thier weder wachsen, noch leben könne, weilender gefrorne Schnee im höchsten Grad kalt ist, und nicht die geringste Wärme in sich hat, de-ren gleichwol die Thiere benöthiget seynd / wann sie wachsen und leben sollen / wie Aristoteleslehret; jedoch der Schnee ein obschon unvollkommenes und aus den Dämpffen zusammen ge-ronnenes, einfolglich feuchtes Vermengsel ist; keine Feuchtigkeit aber ohne Wärme seyn kan,Aristot.wie abermahl obgedachter Aristoteles vorgiebet; So ist demnach auch nicht zu leugnen / daßl. 5. de ge- nicht ein und anderes Thier in dem Schnee solte wachsen und leben können: Inmassen Hel-nerat. a- montius versichert / daß in dem Schnee Würmer wachsen; wiewohlen es der Warheit ähnli-nimal.cher scheinet / daß dergleichen Thierlein mit den Schnee von den Bäumen gefallen / und unterdenen häuffig zerstreuten Blättern oder anderswo bey annahendem Winter einen SchlupffWinckel gesucht; von denen starcken Winden aber anderwertshin geführt / und in denenSchnee=Flocken abermahl auf die Erde geworffen worden; da dann in dergleichen Ungezieffer /wann es von denen lebendigmachenden Sonnen=Strahlen beschienen / oder von einer andernbequemen Hitze erwärmet wird / leichtlichen die träge und faule Geister sich wider auffmuntern.und gleichsam ein neues Leben bekommen.Achtens und Letzlichen: Ob der Schnee bißweilen zu einem Christall werde? PliniusPlin. I. 37. sagt ja; und bezeugt / daß man dahero den Christall nirgend finde / als nur auf den Felsen derHist. nat. Alp=Gebürgen / die absonderlich mit gefrornen Schnee bedeckt seyen; und derselbe gemeiniglichan unwegsamen Orten von denen Leuten / die zu dem Ende sich an Seilen hinab lassen / gewon-