###
der in der obern Lufft erzeugten Dinge.209Die VI. Frage.Hier wird auf noch unterschiedliche Fragen / den Schneebetreffend / geantwortet.Olchemnach kommt die Frage vor / erstlichen: Warum auf den hohen GebürgenSchnee zu finden seye; ungeachtet auf der Ebene und in denen Thälern keiner mehrvorhanden? Antwort: Dieses geschiehet aus Ermanglung der Wärme; dann dieGipffel der Berge stossen an die mittlere Lufft=Gegend; und seynd dahero dergleichenOerter einer immerwaͤhrenden Kaͤlte und Frost unterworffen: welches auch die Ursache ist / daßdas Scythische Geburge stetshin mit Schnee bedeckt zu sehen. So werden ebenfalls die hoheSpitze der Bergen meistens von denen Winden durchblasen; und obschon die Sonnen-Strahlen an erhabnen Orten auch eine Reflexion oder Zuruckbiegung haben; jedoch weilendie Seiten der Berge hin und wieder in die Tieffe mit der Lufft umgeben werden / an welchenSeiten solche Licht-Verdopplung und Zuruckprellung fast nicht zu verspüren ist, so waltetausser Zweifel / daß die Berge von denen Sonnen-Strahlen weniger als die Thäler und niedri-ge Gegenden erwärmet werden können. Und hat man hier denjenigen gar kein Gehör zu ge-ben / die da behaupten wollen / daß die Spitzen der Berge deßwegen wärmer seyn müssen / weilsie der Sonne näher liegen: dann ausser deine / daß die Erfahrung das gerade Widerspiel be-lehret / so hat die angeführte Ursache darum keinen Bestand, weilen die Höhe der Berge zu dervorgeschützten Sonnen=Nähe wenigen Vorschub thut; indeme die gantze Erd=Kugel bekantlichnur gleichsam ein Punct oder Tupffe ist / der fast durchgehends in gleicher Weite von dem Him-mel abstehet. Sonsten ist nicht wenig wunderens werth / was Fournier von dem Berg Hecla Fourn.erzehlet: daß nemlich desselben Spitze stetswährend mit Schnee bedeckt seye; unten aber an dem Geogr.orbFuß immerdar ein solches Feuer ausschlage / daß niemand bey sechs Meilen weit hinzunahen sich not. I. 1.unterstehen dörffe: Ingleichem bleibt auch auf dem Gipffel des Bergs Æthnæ in Sicilien der c.Schnee ungeschmoltzen liegen; und pflegt selbiges grosse Feuer solchergestalt unter denen Schnee-Flocken Treu und Glauben zu halten: dahero der Poet Anlaß genommen zu singen:Lambit contiguas innoxia flamma pruinas.Ob gleich das Feur sich nechst an Schnee und Reifen setzt;So bleiben diese doch von jenem unverletzt.In der Insul Teyeriffa, so eine aus der Zahl der glückseeligen Insuln ist / schreibt Cardanus, seyem Berg von solcher Höhe / daß er sich mit seiner Spitze in die Wolcken verberge: derselbe seye Card. devariet. l.1.zu unterst gantz grun und fruchtbahr; hergegen in der Mitte mit Schnee überstreut; zu ober-aber steige aus seiner Spitze ein Rauch hervor. Und führet dabey dieses zur Ursache an; daß,weilen ermeldter Berg ungemein hoch, und in der Mitte breit- und weiter als bey der Spitzeseye / die Ausdünstungen sich nach dem obersten Theil hinauf ziehen / und nicht in der Mitte ver-bleiben; weilen die Seiten sehr weit von dem Centro oder Mittel=Punct abstehen; und auchder Berg um dieselbe Revier kein Lufft=Loch oder Oeffnung habe: die herabfliessende Feuchtig-keit aber verursache / daß zu unterst alles grüne und fruchtbar seye. Im Gegentheil bekommendie gegen Suden liegende Laͤnder und Staͤdte / wie Rom / Genua / Neapolis / wenig Schnee zusehen. Und eben dahero rührt es auch / daß es zuweilen / wann unten an den Bergen und indenen Thälern ein Regen fället / oben auf den Bergen schneyet; dann der Schnee / weil er dünnist, wird von der unteren warmen Lufft mitten im herabfallen in einen Regen auffgelöst; aufden hohen Bergen aber ist die Lufft kalter, so daß der Schnee nicht zerschmeltzen kan: daheroauch Plinius bezeuget / daß es niemahlen auf dem hohen Meer schneye; indem der Schnee gleich-balden durch die aus dem Meer auffsteigende Ausdünstungen zerschmoltzen werde.Zweytens: Warumb, wann es schneye, die Kälte nachlasse; zumahlen da es vorherosehr kalt und trocken dabey gewesen? Antwort: weilen die Schnee=schwangere Wolcken dieLufft / so nahe bey der Erden befindlich / in die Enge zusammen treiben / und die aus dem Bodenhervorbrechende Dämpffe zuruck jagen: oder weilen die Dämpffe, so in der zweyten Lufft-Ge-gend gefrieren / ihre wärmste Geister von sich ausstossen; die dann sofort zuruck fallen / und un-sere Lufft erwärmen. Je grösser demnach die Kälte ist / je weniger schneyet es; weilen nemlichder Schnee / wann er von der starcken Kälte ausgetrücknet wird / nicht wohl an einander hänget;und in der Zusammenstossung sich selbsten viel mehr zerbricht und abstosst / als zusammen setzet;jedoch / sobalden er eine Wärme empfindt / sich ungesaumt an einander zu hängen pflegt: daherokommt