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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
205
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.dann ebenfalls diejenige von obvermelter Beschreibung nur denen Worten nach abzuweichenscheinen / welche vorgeben; der Schnee seye nichts anders / als ein Schaum / der fast eben aufdie weiß / wie der Winter=Nebel an denen Haaren und Bart sich zuzeigen pflegt / zu einem Eißgefriere. So begehre ich auch denen nicht zuwiedersprechen, welche den Schnee eine abträu-fende und in der Lufft gefrorne Wolcke nennen; und zu dessen besserer Verständnuß diesesdabey zubedencken geben; daß in dem untersten Theil der Wolcke die gröbere / in dem mitt-lern / die mittelmässige / in dem obersten aber die allersubtilleste Geister befindlich seyen; und da-hero alsdann geschehe, daß, nachdem die dickere und hernach die mittelmässige Theile zu Was-ser worden / die subtileste Geister endlich herab fallen / und sich in die kleineste Tröpfflein ver-theilen; welche in der Lufft wegen der hefftigen Kälte gefrieren / und also gefrorner in Gestaltder dünnesten Wolle herabfallen.§. 2. Die weisse Farbe deß Schnees kommt her / Erstlichen: von der Kaͤlte;gleichwie solches auch an denen phlegmatischen Personen / und den Innwohnern der kaltenNord-Länder sich wahrnehmen lässet, als die allzeit weiser sind, dann die Innwohner der hi-tzigen Länder. Zweytens: Rühret sie auch daher, weil in dem Schnee etwas lufftiges, feuch-tes und fettes mit denen waͤsserigen Geistern selbsten vermischet ist; welcher Ursach halber dasWasser, so es auf ein Oehl gegossen wird, eine weise Farb gewinnet. Drittens: Weilen dieweise Farbe aus einer mit einer Durchsichtigkeit gemässigter Dunckelheit entspringt; und des-sentwegen ist der Schnee weiß: dann in demselben wird die Dunckelheit durch die Durchsich-tigkeit der untermengten Lufft gemässiget: Allermassen dieses eben auch die Ursache ist, daß derWasser=Schaum weiß erscheinet; indeme die Dunckelheit daß Wassers mit der Durchsichtig-keit der untermischten Lufft temperirt und gemässiget wird.Jedoch ist die Weise deßSchnees, wie etwa Albertus M. und andere darvor gehalten, keine also scheinende oder ver-meintliche (als welcherley sich in vielen in der Lufft zusammen gesetzten Dingen ereignet) son-dern eine wahrhaffte und wurckliche weise Farbe: dann sonsten würde sie nicht so lange in ei-nem zertrettenen und keines wegs durchsichtigen Schnee dauren und verbleiben können: In-massen die wahrhafften Farben nicht allein in denen vollkommnen / sondern auch in denen un-vollkommnen Vermischungen und Vermengseln gesehen werden.§. 3. Die Weißheit deß Schnees wird von untermischten Lufft / die leichtlichnachgibt verursacht: Dahero ist der Schnee weicher und weisser als der Reiffe; theils wei-len unter dem Schnee mehr Lufft, als unter dem Reiffen vermenget ist; und theils weilen derReiffe darumb, das er nahe bey der Erde erzeuget wird, mehr trockene Außdünstungen, alsder Schnee in sich hält, und einfolglichen, indem er trockner als der Schnee ist, auch här-ter syen muß: Ist also der Schnee weicher als der Reiffe, und doch härter als das Wasser;weilen er trockner ist als dasselbe; dann er fället immer nacheinander und in Gestalt der Wolleauf die Erde: So von dem Wasser nicht kan gesagt werden.). 4. Die Schnee=Flocken seynd gemeiniglich wie Sterne mit sechs Spitzenoder Strahlen versehen. Die Ursache dessen wird von dem Renato Descardes angeführet,wann selbiger meldet: Der Schnee werde nicht durch das gefrieren sechseggicht, sondern ernehme darum diese Form an / weilen die meiste zugleich und mit einander gefrorne Dämpffe sichzusammen in eine Rundung vereinigen: Dann die runde Figur seye denen Dingen die natür-lichste und anständigste: Daß aber nur sechse, und nicht mehr oder weniger Dämpffe sich zu-sammen setzen, solches geschehe daher, weilen der Dampff rund seye, und weniger als sechsDämpffe keine Rundung nicht vollkommen machen / diese Rundung aber ihrer nicht mehrannehmen könne: Solches werde durch einen bekannten runden Cörper dargethan und er-wiesen; zum Exempel: Man werffe Perlen auf eine ebene Flaͤche untereinander hin / und lassesie in einem Zimmer zusammen lauffen; so wird man sehen und beobachten / daß sie von sich selb-sten sich eintheilen / und zu einer Perlen / die in der mitte befindlich / sechs andere sich gemeinig-lich zugesellen, mithin einen Stern vorstellen. Sonsten gibt Tylkonski noch eine andere Ur-sach dieser sechseggichten Figur: Der Schnee, sagter, hält viel irrdisches und warmes in sich,welches wann es von der Kälte gleichsam angehauchet wird, davon fliehet, wo es nur einenAusgang findet; weil aber die Kälte dasselbe in der Flucht ergreifft / so muß es dannenhero ge-frieren. Jedoch bemercket Olaus Magnus, daß jemehr man gegen dem Nord=Pol hinkomme Olaus M.je mehr auch der fallende Schnee sowohl an der Menge als an den Eigenschafften sich verände= I. 1. Hist.re; und man vielmehr erstaunen müsse, dann die Ursache untersuchen könne, warumb und Sept. 6.22.wie doch ein so weiches und geringes Ding / als der Schnee ist / so geschwind so viel und unterschied-licher Formen und Gestalten annehme? dann man offt in einem Tag und Nacht 15. oder 50.oder wohl mehr zerschiedene Formen finde und antreffe6. 5. Der Schnee wird in der mittlern Lufft-Gegend, so die allerkaͤlteste und einSitz der Wolcken ist; und nicht in der untersten Gegend (wie Plato vermeinte /) welche we-