Philosophische und Politische Beschreibunggen ihrer Wärme die Dämpffe leichtlich zu einer Feuchtigkeit auflöset erzeuget. Gleichwie aberder Schnee nur an einem kalten Ort herfürkommt; also können auch nur zu einer kalten /nehmlich zur Winters Zeit, die Dämpffe gefrieren, und ein Schnee zuwegen gebracht wor-den. Im übrigen hat man zweyerley Zeichen, woran man erkennet, daß es sich zu einenSchnee=Wetter anlassen werde: Das erste ist die Beschaffenheit der Wolcken; welche zim-lich weiß erscheinen; das andere ist, wann die kalte Lufft anfahet nachzulassen, und derHimmel sich mit Wolcken überziehet; und zwar aus der Ursache; weilen die Wolcke, wannder Schnee beginnet sich formiren, zerreisset und eine Wärme von sich auslässet, die in derLufft sich ausbreitet / und selbige wärmer machet.§. 6. Die Erste und Hauptwürckung deß Schnees bestehet darinn / daß er die Erd-beseuchte / und zugleich fruchtbar und trächtig mache. Die Andere / daß er die Erde / woreinman gesäet / erwärme; dann er verschliesset die Poros und Lufft=Löcher der Erden / und ver-hindert / das sich nicht alle Krafft zerstreuen / oder die Wärme verschwinden kan: Worzu nochkommet / daß der Schnee sehr Salpetrisch ist / auch deßwegen in dem Wasser leichtlich zerge-het / und wann er zergangen oder zerlassen / einen kühlen Wind oder Lufft von sich giebet. Deßwegen man beobachtet / daß jederzeit diejenige Jahre / da es viel Schnee geworffen / ungemeinfruchtbar gewesen; wie dann ebenmässig die Garten Liehabere angemercket, daß, wann es einen sehr harten Winter gegeben, und haͤuffiger Schnee gefallen, nicht nur zwey, sondern öff-ters drey und vier Tulipen auf einem Stengel geschossen und geblühet haben: welches auchbey mehr andern Pflantzen wahrgenommen worden. In dem Abmericanischen Reich Chili.fället manchmal ein so haͤuffiger Schnee / daß gantze Thaͤler biß an die Berge darmit angefuͤl-let werden: wann aber derselbe zerschmeltzet / so ergiessen sich sodann die Flüsse über die massenBarth. I. und machen mithin Felder und Wiesen trefflich fruchtbar. Bartholinus erzehlet aus dem Paulede gent.Warnetrido, daß zu Zeiten deß Papst Benedicti daß flache Land mit einem so tieffen Schne-Longobbedeckt worden, dergleichen man sonsten nur auf den höchsten Bergen anzutreffen pflege;und seye hernach in dem Sommer eine solche Fruchtbarkeit erfolget, die ihres gleichen bey Men-Olaus M. schen gedencken nicht gehabt. Obschon in denen Nord-Ländern / wie Olaus Magnus bezeu-l.10. Hist. get der häuffig fallende Schnee die Bäume offtmals fast gantz zur Erden nieder drucket.so stehen sie doch, sobalden er verschmoltzen, wieder auf, und werden dardurch verwunderlich fruchtbar gemacht: Ja die Wiesen selbsten grünen unter dem tieffen Schnee mit einem soguten und fetten Gras, das man gemüssiget ist, das Vieh hinweg zutreiben, damit selbigessich nicht überfressen und bersten möchte. Auf denen Dännemärckischen Insuln, ungeachtet sievon vielen Flüssen durchströhmt seynd / und vortreffliche Weide haben / finden sich doch diejenige Gegenden / die dorten gegen Norden liegen / und von dem vielen zerschmoltzenen SchneNierenb. gleichsam geschwängert werden / weit fruchtbarer / als die andere Oerter. In Siranagor pflel. 10. Hist. gen / deß Nierenbergii Bericht nach / die Innwohner den Schnee an statt deß Brods zuessennat. c. 60. Und auf erst gemeldten Dänischen Insuln siehet man auch den gantzen Winter hindurch dieSchaafe auf den Felsen und Spitzen der Bergen / die mit Schnee bedeckt sind / herumb lauf-Erasm.fen / und indemselben ihre Weide suchen. Die dritte Würckung ist diese / daß der Schne-Franciscdie Hände / so man sie darmit waschet / hart und fett machet; angesehen er aus einem etlichenin Dheur- massen drucknen und erdigen Dampff entspringet. Die Vierdre aber bestehet darinnen / daßde nive,der Schnee der Fäulung und Verwesung trefflich widerstehet / und nicht leichtlich etwas / soin demselben verwahrlich gelegt wird / verderben oder faulen lässet; also / das auch die Cörperetwelcher todter Thiere vermittelst solcher Schnee=Decke vor der Verwesung gesichert seynd:Gestalten man dann in Ißland / wie Paulus Biorno vermeldet / die Fische in dem Schnee / nichtanders als sonsten in dem Saltz, ohne die geringste Fäulung sehr lange Zeit aufzubehaltenpfleget; weilen nehmlich selbiger besagter massen etwas Salpeters mit sich führet / und auseinem trucknen und erdigen Dampff bestehet. So hat man ebenfalls beobachtet, daß daFleisch und andere Speisen, wann man sie in einem zerlassenen Schnee siedet, viel ehenderlind, und auch viel weisser zu werden pflegen, als wann sie in einem Brunnen-Wasser gekochetwerden: welches dann gedachter Autor den in dem Schnee enthaltenen Salpeter beymes-sen will.Politische Schluß=Rede.Gute Sitten seynd die Zierde eines Politici.S ist ein nicht genugsam zu rühmender Ausspruch / den die Römische Beredsamkeit ge-than: Du solt bey zeiten ein Greiß werden / damit du lang als ein Greiß lebenmogest. Derjenige hat nicht viel Jahre ob sich, der lang gelebt; sondern der tugend-Diat. delich gelebt hat. Laß den Solon antworten und sagen: was das Alter seye? Ein Lebens-Senect.
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
206
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten