Philosophische und Politische Beschreibunggebreitet; indeme ohne diß weit ausgestreute Tropffen nicht durchgehends beysammen siehenund an einander hangen können.Siebendens: Mit vollkommnen und andern dergleichen Thieren kan es nicht regnen;sonden man sagt alsdann nur / daß selbige anderwerts her geführt werden / und zu Boden fal-Card. I.len. Cardanus gedencket hierüber eines lächerlichen Exempels / so ihme selbsten begegnet; wan16. de sub. er schreibt: Als er zu Pferd über das Apennenische Gebürg gereiset / habe eine schnell entstan-dene Winds=Braut ihme den Hut hinweggenommen / und wie einen abgeschossenen Pfeil mihöchster Gewalt / fortgeführet; hätte auch wenig gefehlet / daß er nicht als ein grosses Wundermit samt dem Regen in das nechste Dorff hinabgefallen: das Pferd / so er geritten / habe derWind ebenfalls bey zwey Schritt weit fortgetragen / daß er fast mit selbigem in die Tieffe ge-stürtzt wäre. Wann nun allda ein Kriegs-Heer gestanden, und diese Winds Braut allen oderden meisten Soldaten ihre Hüte gewaltsam weggenommen / und in die unten am Gebürg liegen-de Dörffer geworffen hätte; so würden die Bauren geschworen haben es hätte Hüte geregnetja / es wurden sich ohne Zweiffel Historien=Schreiber gefunden haben / die solches Wunder ihrenGeschicht=Büchern einverleibt hätten. Eben so lächerlich ist auch was Cabeus erzehlet, daßAnno 1618. zu Mantua sich begeben: nemlich ein überaus gewaltsamer Wind habe ein Weibs-Bild / so bey dem See ihr Tuch gewaschen / ergriffen / und einen weiten Weg durch die Lufft fort-getragen.§. 5. Die End-Ursach und Bedeutung diser seltzamen Regen pflegt gemeinig-lich verwundersam zu seyn; indem die Göttliche Vorsicht offtmahls dardurch zukünfftigDinge anzeigen / und mittelst solcher Anzeig jedermann darvor verwarnen will. Ob aber allzeit, wie einige leichtsinniger Weiß vermeinen, durch einen Blut-Regen ein Blutvergiessen;durch einen Aschen=Regen / Feuers=Brunsten; durch einen Fleisch=Regen / feindliche Ein= undUberfälle; durch einen Fisch=Regen, Verräthereyen; durch einen Stein=Regen, Verstockungund sündliche Blindheit der Menschen; und durch einen Milch-Regen ein Uberfluß an allenEß=Wahren bedeutet und verkündet werde? Solches kan niemand mit Grund behaupten.Anhang.P Kircherus hat manchmahl denen / die ihn besucht / einen Kunst=Regen in seinem Zimmer se-1 * hen und fühlen lassen; zu dessen Bewerckstellung er folgende Lehre an die Hand gegebenMache eine gedoppelte metallene oder eiserne Decke; lege Schnee oder gestossen Eiß mit Sal-peter und Vitriol vermischt darzwischen; in denen vier Wincklen aber oder Egken des Zimmerssetze soviel mit Wasser gefüllte Häfen über ein Feuer / und lasse sie sieden / damit die Dämpffehäuffig über sich steigen; welche dann, wann sie an der eisern Decke anstossen, von dem obendarauf liegenden Eiß erkalten / und zu einem Wasser sich verdicken mithin das Zimmer nicht an-ders, als ein fallender Regen benetzen werden. Verlangt man einen Blut-Regen zu machen,so darff man nur anstatt des Wassers in den vier Egken des Gemachs eine Lauge oder ein mitMini gefaͤrbtes Wasser setzen lassen.Politische Schluß=Rede.Der Uberfluß ist offtmahls schädlich.An hat sich des Unglücks nirgend mehr / als auf der Spitze des Glücks zu beförchtenDer Uberfluß ist eine Staffel zum Untergang. Das Verderben ist von der übernsigen Glückseeligkeit eben so unabtrennlich / als der Schatten von dem Liecht; und lastsich von derselben so wenig / als die Dornen von der Rose / entfernet finden. Der höchste Standist der allergefährlichste / und dem Fall am allernechsten. Die Glücks=Güter vermehren sich offtdergestalten / daß sie endlich zu einem Unerfluß werden; und alsdann gehet das / was eintzel=weiseingekommen / auf einmahl und zugleich wider zu Grund. Wann der Regen Tropffen=weiund allgemach abfället, so feuchtet und befruchtet er die Erde; wann aber die Wolcken zerber-sten / und ihren Schoß Strohms-weiß ausleeren, so werden durch die allzu grosse Wasser-Lastdie Saaten niedergeschlagen / Steine und Felsen=Stücke von denen Bergen herab geweltzet / jaPlutarch. Thürne und Gebäude beschädiget. Als Aegides sich fast des gantzen Peloponneli nach desPlutarchi Bericht bemaͤchtigt / und es nun auf das hochste gebracht; so hat er solches allesin vit.wiederum in einem Augeblick verlohren. Ist ein Apffel allzu reiff, so wird er von Würmernangebissen. Das Glück fanget an zu faulen/ wann es am hauffigsten Früchte trägt. Wird dasSchiff von einem so starcken Schlag=Regen angefüllt / daß das Wasser schon den Bord errei-chet; so ist sein gewisser Untergang vorhanden. Kein Planet hat schädlichere Einflüsse als derSaturnus / weil er unter denen nächtlichen Creysen den obersten Ort betritt. Wann das grosseNacht⸗
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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