Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Härte oder Figur bekommen. Aus welchen zweyen Sätzen dann die Zeugung sothaner Wun-der=Regen sich in specie und insonderheit wird erklären lassenErstlichen: Der Milch=Regen rühret daher, wann die übermässige Sonnen-Hitze ent-weder die Milch aus denen Eytern des Viehes ausziehet, und denen überigen Theilen der Wol-cken vermischet; oder den aus einer kreidigen Erde auffsteigenden Dampff und Ausdünstungalso durchkochet, daß sie eine weisse Milch=Farbe gewinnen. Cassendus vermeinet, der Milch-Regen seye nichts anders, als ein weisses Wasser, so mit ein wenig Bley, oder Bley-Saltz, wieauch mit Salpeter und Essig vermengt worden.Zweytens: Der Blut=Regen entstehet daraus; wann die Sonne entweder aus denenFeldern, wo grosse Schlachten geschehen; oder aus wässerigen mit einer Röthe gefärbten Ortenblutige Dämpffe aus und an sich ziehet; oder aber durch ihre unmässige Hitze die wässerigeDämpffe dermassen durchkochet, daß das Wasser, so herab fällt, eine rothe und gleichsam blu-tige Farbe überkommet: Eben wie auch bey denen mit den Fieber behaffteten Personen wegender grossen Hitze der Urin roth erscheinet; und nicht weniger eine Lauge / so durch heisse Aschengegossen worden / eine rothe Farbe annimmet.Drittes: Es kan Fisch / Würmer und Frösche regnen; entweder wann eine klebichteAusdünstung / und einige Saamen=Cörperlein von ermeldten Thieren zugleich mit dem wässe-rigen Dampff aus Seen und Pfützen über sich gezogen / sofort durch die darzu kommende Son-nen=Hitze auf zerschiedene Weiß vermischt, und zu einem solchen temperament gebracht wer-den / daß / weil sie der Form eines lebendigen Dings sehr nahe kommen / sie von dem Urheber derNatur auch Leben und Bewegung empfangen: und zwar auf eben die Art und Weise, als wirsehen / daß auf der Erden Mäuß und Frosche herfür gebracht werden: allermassen bekannt / daßaus dem Mertzen=Schnee, wann man ihn lang auffbehält, Mäuse zu wachsen pflegen. Undwarum solte die Natur nicht in der Lufft das jenige thun können, was die Kunst auf der Erdezu Werck richtet. Dann wann man alte Erd=Würmer dörret / und zu Pulver macht; sofortin einem Gefäß / daß mit einer fetten Erde und süssen Wasser gefüllet ist / in die Erde vergräbt,und zuweilen begiesset; so wird man in kurtzem eine grosse Menge Erd=Würmer herfürkriechensehen. Wer Frösche machen will, der darff nur einen Schleim, worinn die Pfützen-Fröschezu laichen pflegen / nehmen / an die Sonne legen / und allgemach mit warmen Wasser begiessen;so werden aus disem erwärmeten Schleim eine ungemeine Anzahl Frösche sich hervor thun:und auf dergleichen Weiß werden auch Schlangen zuwegen gebracht. Im übrigen aber kanes ebenfalls mit ermeldten Thieren regnen; wann etwa selbige durch die starcke Winde aus de-nen auf hohen Bergen befindlichen Teichen und andern Orten hinweg genommen / mithin an-derswohin durch die Lufft fortgeführt / und also zugleich mit dem Regen von dem Himmel aufdie Erde hinabgeschmissen werden.Vierdtens: Man kan sagen: es regne Fleisch, Kreide, Erde und Leim; wann die sehrfette und dicke Materi der Dämpffe von der Sonnen=Hitze viel und lang so gearbeitet wird, daßsie endlich zu einem einigen Stuck sich zusammen gibt / und diese oder jene Gestalt annehmen.Fünfftens: Gleichwie auf der Erden die Steine von einem Stein=machenden Geist unddicken Dünsten ihren Ursprung haben; also kan ein ebenmässiges in der Lufft geschehen, wanndie dicke und irrdische Dämpffe allda vermittelst der umbstehenden Kälte und Hitze zusammengeprest werden. Allein / ich begehre doch nicht zu behaupten / daß in denen Wolcken köntenSteine natürlicher Weiß in so grosser Menge, und Grösse erzeugt werden: dann weilen sol-cherley grosse vermischte Cörper Krafft einer natürlichen Zeugung herfür kommen müsten,(welche Zeugung jedoch in einem Augenblick schwerlich geschehen mag) so dunckt es mich eineunglaubliche Sache zu seyn, das selbige eine geraume Zeitlang wegen ihrer angenaturtenSchwere in der Lufft sich solten erhalten können. Ist demnach der Stein=Regen nur ein alsoscheinender und vermeinter Regen; da nemlich ein hefftiger Wind die Steine von einem Orthweggenommen, und auffgehoben, an einem andern aber widerum zu Boden auf die Erde ge-worffen. Welches Urtheil dann eben auch von dem regnenden Eisen, und andern dergleichenMetallen zu halten.Sechstens: Wann die Sonne aus den Bäumen, Gesträuchen und Pflantzen einegleichartige Materi ausziehet / die hernach in der Lufft herumb fliegt / und in Gestalt einer zusam-men geloffnen Wolle mit und in dem Regen auf die Erde fället; so saget man / es regne Wolleoder Haare. Was aber den rothen Creutz=Regen anlangt, dessen oben aus dem Cordano ge-dacht worden; so halte ich dafür / derselbe seye daher entstanden; entweder daß ein zarter l.16. deund subtiler Staub sich an die Kleider gehengt, der, sobalden die Tropffen ihn benetzt, zu einerCreutz=Figur zerflossen; oder daß die Fäden des Gewircks an und für sich selbsten eine Creutz-Gestalt gehabt; oder daß der abgefallene Regen-Tropffe an seinem mittlern Theil stärcker bey-sammen gehalten / an denen Enden aber ein Form eines Stern oder Creutzes sich aus einandergebrei-