Philosophische und Politische Beschreibunggewesen; wie dann auch die Kleider derjenigen / so auf dem Schiffe waren / davon gantz weißworden / nicht anders als ob man sie mit weissem Meel überstreuet hätte.J. 2. Der Nebel / so aus feuchten Orten auffsteiget / ist ein dicker Dampff / deraus nassen Gegenden sich über sich hebt / und wegen seiner Dicke / so er durch die Kalte / alsder würckenden Ursache / überkommt / in der untersten Lufft=Gegend verbleibt. Selbiger ereignetsich gemeiniglich umb das Ende des Tags / oder einer feuchten Nacht; wann nemlichen vielDämpffe aus der Erde herfür gegangen. Nach deme aber diese Dämpffe beschaffen seynd /nach solchem geben auch die Nebel / so aus selbigen werden / einen zerschiedenen Geruch von sich:Wann nun öffters ein heßlicher Gestanck bey ihnen bemercket wird / so geschiehet es dahero / daßdie Nebel aus unter einander vermischten trucknen Ausdünstungen und Dämpffen bestehen.die da / weilen sie nicht wohl vermengt seynd / einen Gestanck verursachen. Wormius gedenckein seinem Mulæo, daß in denen Nordlichen Ländern in dem Frühling / da eben sehr dicke Nebeaus dem Meer auffsteigen / gewisse Mäuse / so die Inwohner Lemmar nennen / sich Hauffenweisesehen lassen; ja so gar auch mit solchen Nebeln zugleich aus der Lufft bey stillem Wetter herabzu fallen pflegen: besagte Nebel aber seyen überaus stinckend / und dergestalten dick / daß mandarfür nicht Athem schöpffen könne. Und schreibt er ferner: man habe erfahren, daß nach der-gleichen eingefallnen Fruhlings=Nebeln offt Mäuse ober dem Schnee auf den höchsten Spitzender Berge zu finden seyen. Im übrigen obwohlen Aristoteles unter Nebel und Dufft keinenUnterscheid, auch nicht einmahl dem Nahmen nach, machet; weilen er das Wortbeyden gebrauchet; so seynd doch andere, die selbige also unterscheiden, daß sie sagen: der Ne-bel seye ein nicht allzu dicker noch zusammen getriebner / sondern dünner und aus einander ge-streuter Dampff / der seiner Natur und Ort nach zwischen der Wolcke und dem Dampff dasMittel halte; der Dufft aber sey eine verdickte Aushauchung; und seynd dahero der Meinung;daß dieser letztre vielmehr zu warmen / als kalten Zeiten sich ergebe. Allein / von denen Wolckenist der Nebel darinnen unterschieden / daß derselbe der Erden näher stehet / und durch die Krafftder Kälte geschwinder verdicket wird / und also wegen Dicke der Dämpffe nicht höher in die Luffisteigen kan. Sonsten wann der Nebel durch die auffgehende Sonne sich verdünnern last / undverschwindet / so ist es ein Zeichen eines schönen klaren Wetters; wann er aber häuffig und völ-lig über sich steigt / und biß zu der kalten Lufft gelangt; so wird er allda zusamt denen Dämpffenverdickt / und öffters in einen Regen verwandelt.§. 3. Sowohl der aus feuchten Orten über sich steigende / als der aus denenWolcken abfallende Nebel ist dicker als die Wolcke. Ursache: weilen ein solcher Nebeunter der Wolcke stehet / und einfolglich schwerer / wie auch dicker als dieselbe seyn muß: dannein jeder leichter Cörper sucht den Ort oder demjenigen / so er an Leichtigkeit übertrifft / einzuneh-men. Wann demnach die Wolcken ober denen Nebeln / und die Nebel unter denen Wolckenstehen; so folget nothwendig, daß die Nebel schwerer, und mithin dicker als die Wolcken seyen.Welches dann absonderlich von dem abfallenden Nebel sich wahr befindt; indem derselbe austrucknen und erdigen Ausdünstungen / die schwerer seynd / als die wässerige Dämpffe / entstehet.Man könte aber einwenden / erstlichen: Der Nebel ist nicht so tüchtig und bequem / zueinem Regen zu werden / gleichwie die Wolcke; nun sind aber diejenige Dinge dicker und festerso dem Wasser am nechsten und gleichesten kommen: E. Antwort: Der abfallende Nebel istdarumb zum Regen nicht tüchtig / weil er aus erdigen Ausdunstungen / die sich nicht zu Wassermachen lassen / entspringt wie oben gemeldt; der auffsteigende Nebel aber kan in Ansehung seines Orts und der Gegend nicht zu einem Regen werden; wie wir gleichfalls dorten angemercktZweytens: Der Nebel wird von der Sonne leichtlich zerstreuet; so bey der Wolck-nicht geschiehet: welches dann ein Anzeigen ist / daß der Nebel dunner / und die Wolcke hergegendicker seyn müsse. Antwort: Dieses komt einig und allein von dem Ort und der Gegend her,wo sich ernannte beede Geschöpffe befinden: dann die Wolcken werden von der Kälte ihrer Ge-gend verwahret; die Nebel aber müssen / weil keine oder doch eine gar geringe Kälte einigen Wi-derstand nicht thut / denen Sonnen=Strahlen nachgeben; so daß sie sehr leichtlich / die Wolckenaber desto schwerer sich zerstreuen und vertreiben lassen.Drittens: Die Wolcke stehet an einem kältern Ort: derowegen folget / daß sie auchmehr zusammen getrieben und verdicket werde / und also dicker und fester seyn müsse / als derNebel. Antwort: Obschon die Wolcke an einem kältern Ort stehet / so wird sie doch nicht sostarck / gleichwie der Nebel / verdickt / weilen sie sowohl aus weit subtilern Theilen und Geisterrbestehet; als auch zuweilen andere Ursachen / ingleichem die Einflüsse der Gestirne / so dortige Kältealso mässigen / daß die Wolcken nicht dichter zusammen geprest werden mögen / mit unterlauffen.§. 4. Die auffsteigende Nebel werden vielmehr durch die eingenaturte Hitzeder Erden / als durch die Sonnen-Strahlen verursacht. Selbige pflegen öffters früh
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
188
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten