der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Morgends oder Abends / selten aber wann die Sonne am höchsten stehet, die Erde zu bedeckenauch Augenblicks den gantzen Horizont oder Gesichts=Kreiß anzufüllen / und aus gewissen Ortenherfür zu brechen: Welches alles aber von denen durch die Sonne auffgezogenen Dämpffennicht kan gesaget werden. Ans bißhero angeführten ist zu mercken /Erstlichen: Daß die Nebel viel öffter und häuffiger aus niedrigen und feuchten Ortender Erden / item aus Sümpffen und Flüssen; als aus durren / erhabnen / und denen Winden un-terworffnen Orten auffsteigen.Zum Andern: Daß die Nebel entweder durch die Krafft der auf sie scheinenden Son-ne oder durch den Gewalt der Winde, oder auch durch einen schnell=einfallenden Regen vertrie-ben werden können.Zum Dritten: Daß / wann am Morgen ein Nebel eingefallen / umb den Mittag einegrosse Hitze sich ereignen werde: dann obschon die Sonnen=Hitze einen solchen Nebel vertrieben,so machet doch derselbe die Lufft dicker: wann aber die Hitze in eine dicke Materi sich eingetrun-gen / so würcket sie auch desto kräfftiger.Zum Vierdten: Daß etliche Nebel gantz waͤsserig / andere aber klebericht seyen / und ei-nen Laim aus dem Cörper / von dem sie ausgegangen / mit sich führen: welche Nebel aber / wieoben erwehnt / aus sunipffigen und faulenden Wassern entstehen / die stincken / verursachen Hu-sten / und seynd sehr schädlich: gestalten dann auch die an Seen und Teichen liegende Städtefür ungesund gehalten werden. Und kan man nicht unfüglich hiehero ziehen / was Gerardusde Veer in der Beschreibung seiner zweyten Batavischen Schiffarth Anno 1595. erzehlet; wo erberichtet / wasmassen in selbigen Landen so dicke Nebel / und mit so grossen Tropffen einfallen /daß auch nur ein einiger dergleichen Tropffe fast ein halbes gemeines Trinck=Glaß anfülle; nichtweniger ein solches Nebel=Wasser einen sehr üblen Gestanck von sich gebe. Eben dieser Autorschreibt ferner / daß / als sie aus dem Samitischen See-Hafen abgeseegelt / ein dermassen dickerNebel eingefallen seye / daß / obschon die Schiffe Anfangs kaum einen Stein=Wurff weit voneinander gestanden / sie doch von einem Schiff nicht biß zu dem andern sehen; noch auch dieSchiff=Seile wegen der übermässigen Nässe nach Willen und Gebühr recht tractiren und be-handlen können: und wäre man bemüssigt worden / damit die Schiffe folgends in dem Laufnicht auf einander gerathen möchten / stetswehrends einander mit Trompeten blasen / oder mitStuck-Schüssen eine Warnungs-Losung und Nachricht zu geben.Zum Fünfften: Daß bey neblichtem Wetter eine pestilentzische Seuche leichtlich fort-zepflantzt und vermehrt; dahero auch alsdann mehr Leute darmit angesteckt werden / und dahinsterben: so daß man sich demnach zu Pest=Zeiten absonderlich vor denen Neblen zu hüten hat.Zum Sechsten: Daß gemeiniglich ein neblichtes Wetter wärmere Tage verursache /als ein helles und heiteres: Weilen nemlich ein heiterer Himmel mit keinen Ausdünstungen:ein neblichte Lufft aber darmit haͤuffig angefüllt ist / als welche durch derselben Hitze gleichfallserwärmet wird.Zum Siebenden: Daß die Nebel in diesen unseren Landen zu Herbst=Zeiten sich häuf-fig ereignen / weilen alsdann die Erde mit leichter Müh und in grosser Menge ihre Ausdunstun-gen von sich ausstosset: die Nebel aber / so in dem Frühling und insonderheit im Mertzen / nach-dem die Erde vorhero lange Zeit gefroren gewesen / einfallen / pflegt man für schädlicher und un-geſunder zu halten.Zum Achten: Daß die Nebel, die alsbalden nach einem Regen zuweilen aus denenBergen auffsteigen aus denjenigen dürren und trocknen Dämpffen entstehen; welche der Re-gen / wann er sie in der Lufft angetroffen / durch seinen Niederfall mit sich niedergeschlagen: wie-wohlen solche Dämpffe / weil sie wegen ihrer Truckenheit nicht zu Wasser werden können / her-nach vermittelst ihrer Leichtigkeit wiederum in die Höhe sich schwingen / und nach dem Ort / wo-von sie getrieben worden / zuruck eilen.Zum Neundten: Daß die Erde von denen Neblen darum fruchtbar gemacht werde /weilen sie häffig / dick / und zum befruchten tüchtig sind: doch bringen sie denen zeitigen / oder derZeitigung nechsten Früchten und Getreyd nicht geringen Schaden; indeme sie wegen ihrer erdi-gen Trockenheit denen Früchten und dem Getreyd ihre Feuchtigkeit entziehen. Jedoch berich= à Cestatet Josephus à Costa, daß / wann man von dem Peruvianischen Gebürge Ariqua und Arequiepa 13. c. 28.in das ebene Feld herab komme / denen Reisenden alsbalden zwey Hügel ins Gesichte fallen; de-ren der eine etwas höher / heller und scheinbahrer / der andere aber niedriger und dunckler sichansehen lasse. Hier pflegt nun ein Nebel=Thau (dann es regnet daselbsten niemahlen) denMangel des Regens zu ersetzen / und verwunderlichen Nutzen zu verschaffen: ob auch schon inselbiger Landschafft die Felder mit Ströhmen bewässert werden / so trägt gleichwohlen der Thauund die neblichte Lufft zu der Kraͤuter / Pflantzen und Früchten Wachßthumb das meiste bey:dann falls nur solches aus ein oder anderen Ursachen unterbleibet / so werden die Felder unfrucht-Aa 3
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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189
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