Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
184
Einzelbild herunterladen
 

Philosophische und Politische Beschreibung184nicht viel Dunckelheit haben / so nehmen sie auch desto mehr Licht ein / und scheinen dahero weißzu seyn: Falls aber eine waͤsserige Wolcke unter der Sonnen stehet so vermischet sich das Lichtmit der Dunckelheit und Durchsichtigkeit dergestalten / daß sich eine Röthe anfärbet / und dieWolcke roth erſcheinet.§. 7. Die Wolcken stehen in ungleicher Höhe von der Erden entfernet; sowol we-gen deß Unterschieds der Dämpffe, davon die dünnere und subtilere höher übersich steigen, diedickere aber sich niedriger halten; als auch wegen der zerschiedenen Krafft der Gestirne / indemdie Dämpffe von einigen derselben mehr / von andern aber weniger in die Höhe gezogen wer-den; und dann nicht minder wegen der Winde von denen die Wolcken hin- und wider getrie-ben werden. Im übrigen ists gewiß, daß die Wolcken in dem Sommer viel höher in derLüfft schweben; weilen in dem Winter die Zuruckbiegung der Sonnen=Strahlen viel schwächerist, und also die Wolcken viel geschwinder sich verdicken lassen: So wird auch für gantz un-zweifelbahr gehalten / daß die allergeringste Höhe der meisten Wolcken nicht einmahl 50. Schrittaustrage; Dann man weißt durch die Erfahrung / daß bey Bergen und Hügeln / deren geradeund Bleygerechte Höhe ausser allem Widerspruch nicht 50. Schritt beträgt / sich zuweilen Wol-cken ergeben / die unterhalb besagter Berge Gipffel schweben. Und laßt sich dargegen gar nichteinwenden; als ob solches keine Wolcken, sondern nur ein Nebel wäre: dann die verdickteDämpffe, die sich zu einem Regen auflösen, seynd Wolcken; diejenige Dämpffe aber, davonwir reden / werden zu einem Regen aufgelößt; gestalten es öffters geschiehet / daß auf der Spitzesolcher Berge, ein heller und heiterer Himmel erscheinet; da hergegen in der Ebene, und untenan dem Berge sich ein Regen ereignet, da aus erdeuten verdickten Dämpffen auf die Erde fäl-let: Ergo, &c. Und gewißlichen / daß die Wolcken nicht weit von der Erde abstehen müssen / istaus ihrer sehr schnellen Bewegung genugsam abzunehmen: dann so sie weit entfernet wären,würde sothane ihre Bewegung von unserem Aug eben so wenig / als der Lauff der Sonnen oderdeß Monds / die doch ensetzlich grosse Cörper seynd / können vermercket werden. Gehet demnachdeß Magiri und vieler anderer ihre Meynung dahin / daß die Wolcken bißweilen kaum eine halbe Meil hoch über der Erde stehen; um welche Gegend alle Dämpffe anfahen sollen sich zu ver-dicken: Manchmalen aber, wie angezogener Magirus meldet, steigen sie auch bey 10. 23. 40. 70.Teutsche Meilen übersich in die Hohe; wiewohlen sie sich hernach weiter zu schwingen, nichtleichtlich vermögen.s. 8. Die fürnehmste Würckung der Wolcken / bestehet darinn / daß sie durch ihreFeuchtigkeit die Erde fruchtbar machen, mithin denen Saamen und Kräutern gutes Wachs-thum verschaffen; die Dürre, und daraus erfolgende Unfruchtbarkeit vertreiben, und die Hitzder Sonnen-Strahlen mässigen; so daß die Wolcken nicht unbillich ein Fürhang, den die Gö-liche Vorsicht höchst=weißlich zu vielerley Nutzen zwischen der Sonne und der Erde fürgezogen,genennt werden mögen.Fragt sichs aber erstlich: Was die Wolcken bedeuten / wann sie wie Woll-Flocken inder Lufft erscheinen? Antwort: Sie bedeuten gemeiniglich einen künfftigen kalten Regen: Sie-het man sie aber gestaffelt und trucken wie eine Heerd Schaafe gestaltet / so pflegen sie Windezu verkündigen.Zweytens: Was zeigen diejenige Wolcken für ein Wetter an / die bey dem Auf= oderNidergang der Sonne Purpur=roth gesehen werden? Antwort: Nach dem gemeinenVers:Manè rubens coelum venturos indicat imbres;Serò rubens coelum cras indicat esse serenum.Zeigt sich der Himmel roth / indem die Sonn aufstehet;So netzen nasse Täg und Regenguͤß die Erd:Erscheint er aber roth wann sie zu Ruhe gehet;So merck / daß helle Lufft und Wetter kommen werd.Drittens: Was bedeutet die schwartze / wie auch die weisse Farbe der Wolcken; Ant-wort: Das erste betreffend / wann die Sonne schwartz aufgehet / so verkündigt sie sowol Regenals Winde: dann die schwartze Farbe der Wolcken zeigt an / daß die Dämpffe sich dick zusam-men gesetzt / und einfolglich eine tüchtige Materi zu Regen und Wind abgeben; und zwar als-dann zu Winden / wann die Wolcken aus einem engen Raum sich in die Weite und Breiteausstreuen; zum Regen aber / wann ermeldte Wolcken durch der Sonnen Krafft in waͤsserigeTheile aufgelöset werden. Herentgegen was das andere belangt / so sage ich; daß die weisseWolcken im Sommer auf Hagel und Schlossen; im Winter aber auf Schnee ziehlen; und