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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
183
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Strahlen entfernet. Sonsten bestehet der Wolcken zufällige Form in einer Dunckelheit undDicke der Dämpffe; welche Dicke aber nicht ihre völlige Vollkommenheit hat / wie in dem Was-ser und dem Eiß; sondern noch einiger massen wie ein hohler Schwamme locker ist, sich auchbeweget / und in der Lufft schwebet. Ihre würckende Ursach aber ist die Kälte / sowol deß Was-sers selbsten, so wiederum seine vorige Kälte annimmt, als auch die umstehende Kälte der zwey-ten Lufft=Gegend, wodurch der Dampff gleichsam gefrieret, und das dicke Wesen einer Wolckeerlanget; nicht anders / als wie wir sehen / daß zu Winters-Zeit die aus den Mäulern der Thie-re hervorgehende Aushauchungen alsbalden zusammen getrieben / und gleichsam zu einem Reif-fen oder Schnee verdicket werden.§. 2. Die Wolcken seynd zweyerley Arten: Dann einige seynd trocken/leer und un-fruchtbar; welche / ob sie schon von den Winden getrieben werden / doch keinen Regen fallenlassen, sondern der Lufft Natur an sich nehmen, und zu Winden werden: Andere aber seyndmit einer waͤsserigen Feuchtigkeit gefüllet / dannenhero fruchtbar / und tuͤchtig einen Regen vonsich zu geben.§. 3. Die Wolcken bleiben in der Lufft hangen / theils wegen ihrer angenatürtenHitze, so sie in sich beschliessen; theils auch wegen der Sonnen und Gestirnen Hitze; und danntheils wegen der Bewegung selbsten deß Luffts: dann / weilen sie gleichsam hohle Schwämmeseynd / so nehmen sie unschwer die Lufft in sich / von der sie gehalten und hin und wieder getrie-ben werden; biß sie endlich sich in ein schweres Element auflösen; sodann durch ihre Schwereund Grösse unter sich gedrucket werden / und auf die Erde fallen: Dahero es auch kommet / daßwann ein starcker Wind gehet / wir uns keines Regens besorgen; sobalden er sich aber leget / es zuregnen pfleget; und kan dessen ein Gleichnus von dem Staub genommen werden; als welcher,wann man ihn in die Höhe und in die Lufft wirfft von denen blasenden Winden lange Zeit all-da gehalten wird, bevor er wieder zu Boden fället. Im übrigen findet sich fast nur diese eini-ge Ursach der Emporschwebung / daß nemlich die Wolcken leichter seyn / dann die Lufft der mitt-lern Gegend: Dann eben deßwegen stehet ein Cörper natürlicher Weiß / das ist / wann selbigervon keiner aͤusserlichen Gewalt gefesselt ist / ober oder unter einem andern Coͤrper: Und daherogeschiehet es / daß das Holtz ob dem Wasser schwemmet / ein Stein aber untersincket / weilen dasHoltz leichter/ und der Stein schwerer als das Wasser ist: Je leichter demnach die Wolcke ist,je höher steiget sie über sich / damit sie über dem Cörper / der schwerer als selbige ist / stehe; da siehergegen je schwerer sie ist / je tieffer auch untersich sencket / damit sie unter dem Cörper / so leich-ter als sie ist / sich befinde: Und wann sie solcher gestalten sich verdicket / daß sie schwerer wird / alsdie Lufft der untersten Gegend / so fället sie sodann alsbalden gantz und völlig auf die Erdenherab.Hieraus ist zu schliessen / daß dasjenige ein lauteres Fabelwerck seyn müsse / was Anto-tonius Berga, und Scaliger behaupten wollen / die da vorgeben; daß die Wolcken von der Son= Seal.ne durch eine sonderliche Magnetische Krafft in der Höhe gehalten würden: inmassen, wann Exerc. 79.deme also wäre, die Wolcken bey nächtlicher Weile, da sie ober, die Sonne aber unter demHorizont oder Gesichts=Crayß stehen / und von ihren Strahlen nicht mehr beleuchtet werden /alle samtlichen auf die Erde fallen müsten.§. 4. Die Figur der Wolcken ist nicht voll / noch rund / und haben sie auch mitder Erde nicht einerley Mittel Punct; sondern ersagte Form ist irregular, unbeständig /mannigfaltig / ungleich und ungefehr / wie Cabeus darvor hält; und zwar darum / weilen ihreMateri nicht gleichzeugig oder gleichartig ist / noch durchaus nach allen Theilen einerley Leichteund Schwere hat, so daß deßwegen eine jede derselben in gleicher Weite von der Erden abstehensolte: Und gibt es auch der taͤgliche Augenschein genugsam zu erkennen / indem ihre Theile baldhier dünner und höher, bald aber anderswo dichter und niedriger, auch auf zerschiedene Weiszusammen gesetzt sich befinden/ und in ihrem Lauffen selbsten sehr veränderlich erzeugen.§. 5. Der Wolcken Lauff und Bewegung ist unordentlich und ungewiß; unddemnach nicht natürlich / sondern von aussen her / absonderlich von dem Wind / verursacht; dessenEigenschafft auch aus sothaner der Wolcken Bewegung fürnemlich erkannt wird: Dann zu-weilen kräuselt und zerstreuet der Wind die Wolcke / wann er ihr den Dampff auszieht / wie eineweisse Wolle; Gestalten der Wind den Dampff gar leichtlich vertreibt: und daher geschichts / daßdergleichen Wolcken, die ihre Feuchtigkeit verlohren, untauglich und unfruchtbar werden.§. 6. Der Wolcken Farben seynd nicht wahrhafftige / sondern nur also scheinen-de Farben; (eben wie wir auch von dem Regenbogen gemeldet haben) und entstehen aus dermannigfaltigen Vermischung, so das Licht mit einer gewissen Dunckelheit und Durchsichtig-keit verbringt; derowegen sie zu Zeiten roth, bißweilen weiß, und manchmalen schwartz erschei-nen; Dann wann sie sehr dicke/ und gar wenig durchsichtig sind / so lassen sie nicht viel Licht insich eingehen / und kommen also den Augen schwartz vor: Hergegen wann sie dünne sind / und