der in der obern Lufft erzeugten Dingewar absonderlich ist es zu Winters=Zeit ein Zeichen eines bald einfallenden Schnees und Kälte /wann umb den Abend nahe bey dem Horizont offt zwey oder drey Tag lang nach einanderweisse Wolcken sich sehen lassen: welche auch / je weisser sie erscheinen / und benebenst die Luffteiniger massen wärmlicht ist, desto gewisser einen Schnee bedeuten.So viel aber die übrige Beschaffenheiten der Wolcken angehet / so hat man zu mercken,erstlichen: Wann dicke Wolcken / zu welcher Jahrs=Zeit es auch seyn mag / nahe auf dem Ho-rizont oder dem Gesichts=Kreiß / oder aber auf den hohen Spitzen der Berge liegen; so verkün-den sie Regen=Wetter; wann aber über den Gebürgen ein kleines Wölcklein sich hervorthut,und allgemach grösser wird, so halten es die Schiff-Leuthe für ein unfehlbares Zeichen einesgrossen bevorstehenden Sturms und Ungewitters. Zweyrens: die Wolcken / die am höchstenschweben / verdickern sich viel eher zu einem Schnee / als daß sie sich zu einem Regen auflösensolten: dannenhero es sich öffters zuträgt, daß, wann es in den tieffen Thälern regnet, es aufden hohen Berg=Spitzen zu schneyen pfleget. Drittens: die dicke Wolcken / so eine schwartz-grüne Farbe haben, weil sie mit vielem Schwefel, und erdigen Ausdünstungen angefüllet seyn,deßwegen auch sich leichtlich entzünden / und nach solcher Entzündung bald einige gleichartigestemigte Theile zusammen saülen / drohen gemeiniglich mit starcken Wettern und Donner-Strahlen.Sonsten ist auch bekannt, daß zuweilen aus sonderbahrer Göttlicher Verordnung zuVerkündigung künfftiger Dinge allerley Lufft=Bilder und Gestalten in denen Wolcken erschei-nen: Wie dann Anno 1536. den 5ten Februari in einem gewissen Städtlein in Hispanien bey Aldro-eingefallenem Regen=Wetter / und da der Himmel mit Wolcken überzogen gewesen / zwey be= vand. 1.2.waffnete / und mit einander fechtende Jünglinge in der Lufft gesehen worden; deren der eine an Vrnith.dem lincken Arm einen mit einem Adler gezierten Schild / mit der Uberschrifft: Ich werde re-gieren; der andere aber einen sehr langen Schild mit der Beyschrifft: Ich habe regiert / ge-tragen: wiewohlen / als sie das Duell miteinander angetretten / der jenige / so den Adler geführet /seinen Feind zu Boden gestossen / und den Sieg erhalten. Wir haben aber schon oben vondergleichen und mehr andern Lufft=Gesichten Erwehnung gethan; und werden ihrer auch hinund wieder bey denen Scribenten nicht wenig auffgezeichnet gefunden.Politische Schluß=Rede.Man muß denen / die uns Böses thun / Gutes erweisen.4. Eh will einem Politico die bequemste Art, sich zu rächen, an Handen geben, wodurch erseinem Feind eine Scham=röthe abzwingen könne: Nemlich er muß denselben unterdru-cken / und auf ihm regnen lassen; er muß seinen Unfugen begegnen / und den Arm widerihne ausstrecken: nicht aber mit einer solchen Rache / da man gleiches mit gleichem / und Bösesmit Bösem erwidert; sondern mittelst derjenigen Vergeltung / die man an denen Wolckenwahrnimmet: dann obschon eine Wolcke über dem Meer stehet / und von dem gesaltznendampfdes See-Wassers bitter gemacht wird; so verzehret sie doch diese Bitterkeit, distilliret selbigedurch Hülff der Sonne zu einem süssen Naß / und lasset aus ihrem gutthätigen und freygebigenSchoß einen süssen Regen dargegen zuruck fliessen. Man soll es nicht machen / wie Fl. ZenoIsauricus zusagen pflegte: Auf einen harten Ast gehört ein harter Keul. Oder wie JuliusPollux geschrieben: Es muß ein Nagel mit dem andern/ und ein Pfahl mit dem an-dern ausgestossen werden. Dann dieses wäre eben so viel / als ob man / (so doch dem Ho-mero sehr mißfallen) Kranckheiten mit Kranckheiten / und Wunden mit Wunden ver-treiben und heilen wolte. Sondern man muß ungleiches mit gleichem / und Böses mit Gu-tem vergelten. Wodurch dann Odoardus Farnesius sich ungemeines Lob erworben; als derdenjenigen den Schoß seiner Freygebigkeit eröffnet / und Liebes=Strahlen auf diejenige geworf-fen / welche alle Mühe angewendet / seinen Ruhm zu verduncklen / und dem Glantz seiner Groß-müthigkeit einen Flecken anzuhencken. Ich wünschte dißfalls / daß du ein Longimanus, und derArm der Gnade länger seyn möge / als der Arm des Rechts und der Rache. Es ist die aller-schönste Heßlichkeit eines grossen Gemüths / wann der Arm der Barmhertzigkeit über die Handder Rachgier herfür raget. Ich wolte / daß das Exempel des gütigsten Römischen Kaysers /Marci Aurelii, allen tapffern Hertzen mit guldenen Buchstaben eingeschrieben und eingeprägetwäre. Ich warte / sagte derselbe zu seinen Generalen / auf eine so grosse Kriegs= und Siegs-Belohnung / dergleichen noch niemand empfangen. Was war aber dieses für eine Be-lohnung? dem Menschen / welcher mich beleidiget (er verstunde hierdurch den Cassium,der seine Kayserliche Gemahlin umbgebracht) zu verzeihen / und dessen getreuer Freund zuverbleiben / der Freundschafft und Treue gebrochen. Es ist gewißlich nichts herrlichers /nichts
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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