Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
176
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Philosophische und Politische Beschreibungregieren / daß man Fenster und Thüren eröffnet: Falls aber die Sudwinde streichen / so sollgantz das Widerspiel geschehen / und insonderheit die Korn=Böden / damit das Getrayd keinerSchaden leyde, wohl verschlossen werden. Jedoch seynd die Sudwinde bey dem Aussäen,und Pflantzung der Erd=Gewächsen nicht zu verachten; weil sie die Erde eröffnen / und die Pflan-tzen nähren und vermehren; da im Gegentheil sie von denen Nordwinden gleichsam ertödtetwerden.Fünfftens: Wann der Nordwind wehet / so pflegt das Saltz sehr häuffig herfür zukommen / und absonderlich zuzunehmen: dann die saltzige obwohlen kleinste Cörperlein werdenwie Kircherus darvor hält / von diesem Wind vermög der zusammen ziehenden Krafft der hess-Kirch.tigen Kälte zusammen gehalten und verdicket.MundSechstens: Die Nord-und Ostwinde seynd besser und tauglicher zum jagen, als diesubt. l.9.sect. 4. c. Sud= und Westwinde: indem denen Hunden der Geruch durch die Feuchtigkeit verstopfft undbenommen; herentgegen durch die Truckne geschärffet wird.6. in ap-Siebendens: Im übrigen hat man auch die Winde bey Feld= und See=Schlachtenwohl zu beobachten; als durch deren Hülffe man die feindliche Battaille mit Rauch und Staulin Unordnung bringen kan; Wie dann auf solche Weiß Kayser Theodosius mit einer gerin-gen Macht die Gothen überwunden und geschlagen; dessen Claudianus gedencket:O nimiùm dilecte Deo! cui militat aether,Et conjurati veniunt ad classica venti.O GOtt beliebter Held! für den die Himmel kriegen;Und unter dessen Fahn die Wind zu Felde liegenUnd eben also hat auch Johannes von Oesterreich im Jahr Christi 1522. eine herrliche See-Victori über die entsetzliche Türckische Flotte erhalten; da 170. Galeeren und andere Schi-erobert / und die übrige alle entweder versenckt oder verbrennt worden. Ein gantz anderes undwidrigers aber hat dißfalls Philippus, König in Spanien / erfahren müssen; indeme selbigerAnno 1588. mit einer Flotte von 150. Orlog=Schiffen / weil der Wind ihme entgegen gewesenUnd so viel von denen Winden.wider die Engelländer unglücklich gefochten.Politische Schluß=Rede.Man solle denen Ohrenbläsern nicht leichtlich Gehör geben.Leichwie der Adler ein lauteres Aug ist, wann er auch schon in die Sonne schauet; alsosoll ingleichem ein Politicus nicht ein Ohr, sondern ein Aug seyn: Er solle sehen, unHorat. de nicht nur alleinig hören. Die Augen werden von dem Poeten getreu; hergegen dieOhren von dem fürnehmsten Geschicht-Schreiber ungetreu betittelt. Die Ohren lügen offtHerodot, weil sie sich denen Lügen eröffnen; aber das Gesicht oder das Aug kan nicht betrogen werden,wann die unordentliche Gemüths=Neigungen dasselbe nicht verblenden. Die Wahrheitin Clio.Sen. ep. 6. dringet viel eher durch die Augen / als durch die Ohren in die Gemüther der Men-schen ein: Dann der Sinn deß Gesichts ist viel schärffer / als deß Gehörs. Das Augist ein Kind deß Tags; das Ohr aber höret auch bey Nacht; und kan dahero betrogen wer-den. Woraus sich dann deß Comœdien=Schreibers Meynung gar leicht verstehen lässetwann selbiger setzet: Meine Haͤnde sind voll Augen; sie glauben nur / was sie sehen. DasPlaut.Asin. se. 3. Gesicht ist an und für sich selbsten nützlich; das Gehör aber nur zufälliger weiß / und hat sein Le-ben von einem andern. Du wirst derohalben wohl und löblich regieren / wann du dichact. 1.befleissigest / alles genau anzusehen / und nichts aus der acht zu lassen; hat Agabetus anKayser Justinianum geschrieben: Dann die Leute verklagen einander; einer erdichtet fal-Stobaeusserm 44. sche Auflagen: ein anderer aber bringet sie herfür; hergegen loben einige einander; etli-che zeugen von einer Sache / wie sie an sich selbsten ist; und andere reden alles zu liebund gefallen / und bekümmern sich wenig um die Wahrheit. Gehe nur zu einem Schmidtin die Werckstatt; wie stossen doch die gezogene Blaßbälge den Wind von sich aus! wie blasensie das Feuer auf! wie streuen sie die Funcken hin und her! wie treflich dienen sie denen Cyclepen zur Verfertigung der Donner-Keulen; Sie seynd pur lautere Werckzeuge der Waffenund deß Kriegs; durch welche nur eiserne Zeiten / Zerstöhrung der Königreiche / Verderbungder Güter / Ruinirung der Unterthanen und Entzweyung der Gemüther verursacht werden.Dergleichen eiserne Leute nun seynd die Aufstecher und Ohrenbläser: sie erregen Winde und be-Sen. ep. 123 täuben wie Hornüsse die Ohren. Aber höre / was Seneca von dieser Art Leute spricht: Es ist