Card. devariet.maris.
Philosophische und Politische BeschreibungDie VI. Frage.Von denen vorbedeutenden Zeichen der Winde / undihrer Natur / so viel die Auswählung der Dingebetrifft.ERstlichen hat man angemerckt; daß vor hefftigen und starcken Winden gemeiniglich ei-ne Bebung der Blätter, ja sogar eine Bewegung der Bäume; ingleichem wegen dererregten Lufft und vertheilter Dämpffe eine ungemeine Stern Funcklung / oder an demEMond ein Hof sich verspühren lasse.Zum andern: Ein gesalzner und bitterer Regen zeiget eine künfftige Winds=Ungestümman; indem die Saltzig= und Bitterkeit ein bekanntes Merckmahl ist schweslichter Geister / undmineralischer Ausdünstungen / aus denen die Winde entstehen.Zum dritten: Das stetige Wetterleuchten im Sommer deutet auf Winde hergegen imHerbst und Winter auf stilles Wetter.Zum vierdten: Wann Flocken auf dem Wasser schwimmen; das Graß und die Blu-men übermässig welcken; Spinnengewebe in der Lufft herum flattern; die Gänse viel schreyerund fliegen; die Wasser=Huner sich offt in das Wasser tauchen / und mit denen Flüglen schla-gen; der Fisch Polypus sich an die Felsen anhenget; die Bienen auch entweder mit Hauffennach ihren Stoͤcken eilen / oder sich unter den Bäumen verbergen; und die Voͤgel von denenBergen Schaarenweiß in die Thäler herab fliegen; Solches alles bedeutet Winde.Zum fünfften: Die Innwohner der Sinesischen Insul Ajan können an dem KrautChitung oder Chisung von den künfftigen Winden urtheilen: Dann so viel Knotten ermeldtesKraut das Jahr hindurch gewinnet; so viel Sturmwinde sollen auch selbiges Jahr entstehen:wiewolen Kircherus in China illustrata diesem Vorgeben wenig Glauben zustellen will.Zum sechsten: Eine schnelle Meer-Stille, dabey die See gantz glatt und eben wie eingeschliffenes Glaß erscheint / wird von denen Schiffleuthen für ein ungezweiffeltes Anzeigen ei-nes bevorstehenden Sturms / und zwar absonderlich alsdann / wann an dem sonst hellen Him-mel sich ein schwartzes Wölcklein sehen lasset / so man das Ochsen=Aug zu nennen pfleget / aufgenommen und gehalten. Eine gleich Deutung ziehen sie auch daraus, wann das Meer beystiller und ruhiger Lufft schnell zu schäumen und gleichsam zu sieden anfahet: Dahero Cardanusschreibet: Daß das Getöß und Prausen in denen Höhlen der Vor-Gebürgen / wie auchder Widerhall an denen Meer=Ufern starcke Winde / und manchmalen Sturm und Un-gewitter bedeuten. So pflegt auch zuweilen ein feuriger Comet zur See zu erscheinen / undalsdann ein gewohnlicher Vorbott von Sturmwinden zu seyn: Nicht weniger ist es ein bösesZeichen eines bald einfallenden Ungestümms / wann die Austern sich an die Schiffe und andereDinge anhengen; wann die Krebse sich verbergen / und unter die Steine kriechen; wann beyhellem Wetter die grössere Meer=Fische sich aus dem Wasser hervor heben; wann die Meer-Schwein oder Delphin auf der See spielen, oder die Schiffe etliche Stunde, oder aber wohletliche Tage lang begleiten; und wann ein grosser Hauffen weisser Meer=Vögel sich sehenlassen.Zum sibenden: Wann die Sonne dunckel und schwartz aufgehet, so bedeutet sie Re-gen und Wind: Dann diese Dunckelheit zeiget an / daß die Dämpffe sich dick zusammen setzenund mithin denen Winden zu einer tuͤchtigen Materi dienen. Item so ziehlet die Sonne gleich-falls auf Wind und Regen / wann sie bey ihrem Aufgang also mit Wolcken bedeckt ist / daß ih-re Strahlen in Gestalt eines Barts unten hervor gehen; oder wann ermelte Strahlen verbor-gen stehen / und durch die dunckle Wolcke blutroth hindurch scheinen / oder aber wann die Sorne um den Mittag mit einem Hof oder Ring umgeben ist. Dannenhero der MantuanischePoet nicht unfein geschrieben:Sol quoque exoriens, & cùm se condet in altumSigna dabit: solem certissima signa sequentur.Ille ubi naſcentem maculis variaverit ortum,Conditus in nubem; medioque refugerit orbeSuſpecti tibi ſint imbres: namque urget ab altoArboribusque, satisque Notus pecorique sinister