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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
165
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Die IV. Frage.Von den Würckungen und Eigenschafften derWinde / insgemein.Je Winde haben nicht an allen Orten einerley Natur / Beschaffenheit und Eigenschafft;indeme eines jeden Winds Würckung und Eigenschafft hauptsächlich auf zwey Stu-cken beruhet; nemlich auf dem Geist oder Bebläse selbsten / woraus der Wind beste-het; und auf dem Ort / durch den er wehet. Damit man nun etwas gewisses undrichtiges von der Winde Würckungen und Eigenschafften melden und aussetzen könne; so mußfürnemlich die Natur und Gelegenheit einer Landschafft betrachtet werden; Zum Exempel: auswas für einem Ort das Gebläse herkomme / und wodurch es gehe? Dahero§. 1. Nehmen die Winde diejenige Eigenschafften / die ihren wesentlichenFormen zustehen / von innen und aus ihrer Natur her; so daß ein Wind / wann er auseiner bewegten Außdünstung von innen herkommet / trucken und kalt wie die Erde ist / aus derer entstehet: Wann er aber nicht aus einer Außdünstung alleinig / sondern entweder aus ei-ner Außdünstung oder aus einem bewegten Dampff herrühret / so wird der eine / dessen Hauchaus der Erde hervor bricht / sich trocken und kalt; der andere aber / dessen Geblaͤß aus demWasser heraus dringt / kalt und feucht ereignen. Deßwegen die Winde / die vom Meerher entstehen, sehr viel Feuchtigkeit; und die, so aus den Mittelländischen Orten herblasen,viel truckne mit sich führen. Welches dann ebenfalls von dem nicht eigentlich also genanntemWind, welcher eine Bewegung der Lufft ist, verstanden werden solle: Gestalten auch diesereben die Eigenschafften erfordert, die der Form deß Luffis, der seucht und warm ist, zukom-men und gebühren.§. 2. Wann man aber von denen Eigenschafften reden will, welche die Windeaus dem Stand erlangen / darinn sie begriffen; indeme sie durch die Gewalt der Son-ne und anderer Gestirnen aus denen untergelegenen Elementen in die Höhe geführt werden;so muß man sagen, daß alle Winde, wann ihre Materi aus einer Außdünstung be-steht, warm und trocken; oder, ob sie schon alle warm sind, doch einige trocken,und andere feucht seyen; und zwar zufolge derjenigen Meynung / welcher auch wir kurtzvorhero beygepflichtet, und welche dahin gehet, daß der Winde Materi gleichfalls aus denenDämpffen bestehe.§. 3. Und so man auf die Oerter und Landschafften / wodurch die Winde strei-chen / absiehet; so mag man wohl behaupten / daß sie nach Zerschiedenheit besagter Oerterauch zerschiedene Eigenschafften überkommen. Und dahero geschiehets dann / daß sienicht allenthalben einerley Temperament behalten; Zum Exempel: In Africa, schreibt Plini-us, bringt der Nord=Wind Wolcken / und Sud=Wind helles Wetter; in Europa aber er-gibt sich gantz das Widerspiel. In America hergegen ist der Sud=Wind / laut deß AcostoErzehlung / im höchsten Grad kalt / und unserm Nord=Wind zuvergleichen. So pflegen auchdie Mitternächtige Winde / weil sie beschneite und kalte Oerter durchgehen / bevor sie zu unskommen / hefftig kalt und trocken; die Mittägige aber angesehen sie über das Meer / durchfeuchte / wie auch warme Oerter / nemlich den dürren Erdstrich / fort und biß zu uns lauffen /warm und feucht zu seyn.Aus welchem allen dann erhellet / Erstlichen: Daß die Winde nach dem Uberfluß /Mangel und Mittelmässigkeit derjenige Eigenschafften / die sie empfangen / denen Cörpern entwedergesund oder schädlich und zu ein und andern Kranckheits=Arten beförderlich seyen: Dahero mel-tet Vitruvius; daß die Stadt Mytilene in der Insul Lesbos zwar prächtig und schön erbauet,aber dabey nicht geschicklich angelegt worden, weilen die Innwohner, wann der Sud=Wind Vnruv. l.wehet / in Kranckheiten verfallen; dann derselbige Wind verursache eine Fäulung: Und daß / 1. c. 5.wann der Nord=West=Wind, der dem Nord=West=Nord=Wind zimmlich gleiche, von Abendherblase / die Leute mit Husten befallen würden; wann aber der Nord=Wind komme, wider zurGeſundheit gelangten.Zweytens: Daß, so man etwas gewisses und richtiges von der Winde Natur mel-den und aussetzen wolle, man fürnemlich die Natur und Gelegenheit einer Landschafft be-obachten müsse; zum Exempel: Aus was für einem Ort das Wehen herkomme, und wodurchdasselbe fortgehe: Dann von diesen zwey Stücken / wie wir oben angemercket / wird fürnem-lich die Natur der Winde gewürcket / und verändert.Drittens: Daß die Winde jedoch alle ihrer Natur nach und wegen der Bewegungfür kalt gehalten werden; je stärcker sie aber seynd / je hefftiger kühlen und trücknen sie / und