Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
164
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Philosophische und Politische Beschreibungdet sich auch mancher Verdruß; aber eine hitzige Brust kan alles verdauen: Eine jede Wür-de hat ihre Bürde / und die Rath=Stuben seynd mit lauter Sorgen angefüllet; Aber der soeinen Adler im Hertzen führet / verzehret alles. Die junge Adler machen ihre Nester auf Klip-pen und Felsen; ein hoher Sinn speisset sich mit hohen Dingen; und weist wohl / daß er einAtlaß seye / dessen Schultern zum Lasttragen sich bequemen sollen. Der Reichs=Apffel ist einguldner Apffel / und niemand kan denselben tragen / der nicht auch alles Unglück gern undwillig über sich gehen lasset. Hierzu nun sind die Oesterreichische Gemüther gleichsam erkoh-ren und gebohren: Dann sie können das Eisen verdauen / und setzen ihren Fuß nur destose-ster / wann ein widertiger Wind wütet und tobet. Gleichwie die Wasser / die an Felsen undSteine anschlagen / viel gesunder dann andere seynd; und die Häuser / so von dem Winddurchstriechen werden / keiner bösen und gifftigen Lufft platz geben; also ist ebenfalls Oesterreichwie ein Felß unter den Sturm=Winden unbewegt gestanden / und hat seinen Ruhm ungeach-tet der stürmenden Anfällen nur desto reiner durch die Welt ausgebreitet: ist auch endlich zuSenec. d. einem herrlich und starcken Baum erwachsen. Es stehet aber nur derjenige Baum fest undprov. c. 4 unbeweglich / der stets von Winden angewehet wird: dann er ziehet sich durch die-se Beunruhigung fest zusammen / und treibet seine Wurtzeln desto tiefer in den BodenOesterreich ward / da selbiges noch in der zarten Blüthe war / schon von Ungemach und Wetterbefallen; daselbe ward folgends auch durch einheimisches Unheil getruckt / und doch nicht gebogen;durch Kriegs=Ungewitter umgetrieben / und doch nicht versencket; durch neidische Angriff ge-rühret / und doch nicht zu boden gelegt: Dann die einheimische Unruhen dienten ihm statt ei-nes Winds, wodurch dasselbe weit über deß Herculis Säulen hinaus getragen worden. DieKriegs=Fluthen waren sein Wagen / worauf es über andere hingefahren; die vom Neid em-pfangene Wunden schienen anmuthige Liniamenten zu seyn / die ihme eine desto grössere Schönheit beygebracht; und die Anschläge seiner Verfolger waren Versammlungen, durch derenSchluß es zur höchsten Ehre erhaben worden. Wann sich auch etwa schon alles Unglück wi-der dieses Hauß zusammen verschworen; so ist es doch alsdann erst wohl mit selbigem gestan-den; und je grosser das Übel angewachsen / je mehr hat es sich mit ihme gebessert; ja wannsein Unstern aufs höchste gestiegen war, so hatte seine Wohlfahrt auch die oberste Staffel er-reichet. Seithero daß unser Oesterreich stehet, so ward dasselbe von vielen und mannigfaltiggen Widerwärtigkeiten beunruhiget; und auch seithero das ihme deß Römischen Reichs=Aps-fel vertrauet worden / sehr hart getruckt; Und doch gleichwohlen stehet selbiges annoch auf-Sen. Con- recht. Wer Noth und Elend erfahren und geprüfet hat; der kan die stärckste Unglücks-sol. adPüffe mit einer dapffern und unbeweglichen Beständigkeit ertragen: Das ist: EinHolviam. dapffers Gemüth bleibt wie die Erd=Kugel bey aller Bewegung unbeweglich stehen.In motu immotus.Bleibt unbewegt /Wann all's sich regt.Nulla quies cœlo; motu est exercitus aether:Haec inter tellus mobilis esse nequit.Tempestas duri licet urgeat undique fati;Inconcussa tamen mens generosa manet.Ob Wind und Wolcken schon die gantze Lufft erregen /Und auch den Himmel selbst ein starcker Trieb fort zeucht;So last der Erden-Klump doch sich niemahls bewegen:Er steh't wie eine Klipp' / die keinen Stürmen weicht.Wer hat ein Helden-Hertz, wann Unglücks-Wellen wuten?Der nur Standhaffter pflegt denselben Trotz zubieten.Die