Philosophische und Politische Beschreibungbringen endlich ein helles Wetter zu wegen; Schwache Winde im Gegentheil verdünnern,befeuchten / und pflegen Regen zu verursachen.Vierdrens: Daß man die See=Winde meistentheils für ungesund achte, weilen sieHitze und Feuchtigkeit / als die Urstaffen der Fäulung / mit sich führen; wiewohlen sie in de-nen heissen Ländern / und mitten in dem Sommer / weilen sie kühlen / zu Zeiten auch gesundund aus der Ursache / daß sie von der Sonne höher über sich gezogen werden / zwar durchdringlich /aber zugleich unschädlich seyn mögen.Fünffrens: Daß nach der Aertzte Meynung ein jeder Wind / der nicht aus der be-wegten Lufft / sondern allein aus Dünsten und Dämpffen entstehet / schädlich / ja gar töd-lich ſeyn koͤnne.Hiebey kommt die Frage vor; Erstlichen: warum offt eine Landschafft windiger seye,als die andere? Weilen nemlich das Erdreich der einen Landschafft mehrer Außdünstungen,die sich bequemlich in Winde verkehren lassen / von sich giebet / als der anderen. Welches auchin dem Meer sich zuträgt: Dann ein Meer=Grund offt mehr windige Geister hat / als der an-dere; oder doch eine Meer=Gegend von Ufern und Ländern umgeben wird / aus welchen meh-rere Windige Geister hervordringen. So siehet man nicht minder manchmahlen / daß einigStädte und Landschafften von gewissen sehr hefftigen und ungesunden Bergwinden beunruhigenwerden; und zwar aus eben voriger Ursache; daß nemlichen selbige Berge mit windigen undungefunden Außdünstungen angefüllet seyn.Zweytens: Warum offt ein Wind / der in einem Land ungesund ist / in einem an-dern gesund seye? Item / an einem Ort den Himmel mit Wolcken überziehe / an einem andernaber ein heiteres Wetter verursache? Weilen nemlich der Wind ob er schon aus einem gewissenWelt=Theil herblaset / doch nicht an einerley / sondern an unterschiedlichen Orten entstehet;zum Exempel: Es wehet hier ein Wind, der von Mittag her aus den Bergen, die uns ge-gen Suden liegen, kommt, auch offtmahls nur bey 50. oder 60. Meilen fortfähret, undendlichen / wann die Außdünstungen sich zerstreuet haben / sich wiederum leget; da dann einsolcher Wind nach Beschaffenheit der aus dergleichen Bergen herfürgehender Außdünstungenentweder gesund oder ungesund ist: Hergegen entstehet in einem andern Land der Mittags-Wind an andern Orten / wo gantz andere und widerwärtige Außdünstungen heraus brechen /so daß ermelder Wind auch gantz andere und widrige Eigenschafften an sich nimmet: Ja eswird ein Wind, der aus einerley Ort herkommt, und ebenfalls anders wo wehet, nichts desto-weniger darum, daß die erregte Geister, so hier durchgehen, auch an einen andern Ort ge-langen / annoch anderswo widrige Eigenschafften haben; beydes weilen er widrige Landschaff-ten, oder einige gifftige Pfütze, wo er gifftige Dünste mit hinweg träget, durchblaset; unddann auch weilen die Winde (allermassen Aristoteles sehr wohl erinnert) gleichwie die Flüssewachsen und zunehmen. Dannenhero wird die Außdünstung / welche / da sie hier erregt wor-den, klein gewesen, allgemach auf den Weg der durch beytritt neuer Außdünstungen, gleichsamals mit neuen Flüssen und Bächen vermehret. Wie demnach ein Strohm / der nahe bey seinerQuelle hell und klar daher rinnet, hernach aber, wann kothige Wasser sich in ihne ergiessen,ebenfalls trüb werden muß: Also pflegt nicht minder der Wind der anfangs gesund ist, nachund nach aber mit ungesunden Außduͤnstungen angefuͤllet wird / ungesund zu werden. Wor-aus dann ferner sich offenbahret; warum die Winde, so anfangs klein und geringe sind, mitder Zeit groß / hefftig ungestümm werden? Item / warum die Winde / die zu zerschiedenenZeiten von einerley Ort herkommen, widrige Eigenschafften besitzen, und auch widrige Din-ge wurcken? Weilen nemlichen theils zerschiedene Außdunstungen und Geister zu zerschiedenenZeiten aus der Erde heraus gehen; und auch theils weilen sie in den Zwischen-Raum, durch densie lauffen / zu zerschiedenen Zeiten einen Unterschied und Ungleichheit finden und antreffen.Drittens: Warum ordentlicher Weiß, wann ein Regen einfällt, der Wind sich le-ge? und hergegen nach dem Regen erst ein Wind entstehe? Ursache; weilen die erregte Gei-ster von dem Regen naß, mithin schwer, und einfolglich zu einer sehr schnellen Bewegung,die zu denen Winden erfordert wird, untüchtig gemacht werden. Nach dem Regen aberpflegen gemeiniglich Winde darum aufzustehen; weilen / wie Aristoteles bezeuget / aus denenfeuchten Dingen vielmehr und häuffigerer Dämpffe und Außdünstungen / dann aus denen trock-nen Aufsteigen: Zu deme so werden auch die feuchte Dämpffe die sich in Wasser verkehren,durch den Regen von denen trocknen abgesondert; und können solchemnach die in der Lufft zu-rückgebliebne trockene Außdünstungen zu Winden werden.Poli⸗
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
166
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten