Philosophische und Politische BeschreibungBewegung fort gerissen würde: So aber der Wahrheit offenbahrlich zuwider lauffet; undwürden auch über diß alle Winde / die solcher gestalten von einerley Ursache bewegt wären /und einerley Krafft hätten / insgesamt mit einer gleichen Geschwindigkeit schregs= und über-zwerchs=hin getrieben werden.§. 8. Die Ursach der schregen Bewegung bestehet ebenfalls nicht einig undallein in der Schwere der aufsteigenden und in der Bewegung der dargegen herabfallen-From.den / einfolglich auf einander stossenden Dünsten; obwohlen Fromundus das Widerspiel4. Metbehauptet / wann er vorgibt: daß die Außdünstungen und Dämpffe / nachdem sie in der mitt-2. art 5. lern Lufft=Gegend ihre Schwere wider bekommen / mit grossen Gewalt wie ein Wasser=Gußauf die Erde abfallen; in diesem abfallen aber andere aufsteigende Dünste so wohl, als dieLufft antreffen / mit selbigen Kämpffen / und sie auf die Seite treiben / auch mit ihnen zugleichzwerchshin beweget werden: Welcher Meynung dann mit deß Theophrasti seiner übereintrifft.Allein / wir begegnen derselben ausser deme / was schon obangeführet worden / auch weitersdarmit; daß die Schwere und Leichte der Außdünstungen nicht alleinig die Ursach der Windeseye: Erstlichen / weilen die Winde ebenfalls auf den höchsten Bergen / und noch über den-selben schregshin wehen; ungeachtet doch allda keine Außdunstungen gerad unter sich fallen /und von andern dargegen aufsteigenden gehindert werden: Gestalten sie sonsten aus der ober-sten Lufft=Gegend herabfallen musten / wo sie aber gleichwohlen nicht erkalten können. Zwey-tens, weilen, wann die Außdunstungen dermassen schwer wären, daß sie einen so grossenTumult zuerregen vermöchten / gewißlich ihre Schwere oder Gewicht auch gespührt werden /und sie einigermassen dick seyn müssen; nicht anders als wir an denen Wolcken wahrzuneh-men / welche nicht schwer seyn / sie seyen dann vorhero dick worden. Worzu noch dieses kom-met, daß das Wasser, ob selbiges schon schwerer ist als die Außdünstungen, doch nicht mitso grossem Gewalt zufallen pfleget. Und dann ist bekannt / daß der Wind auf dem ErdbodenWirbel machet / und dardurch den Staub in die Höhe führet; Woraus zuschliessen / daß derWind nicht einig und allein eine Außdünstung seye / die auf die Erde falle: Ich sage: einigund allein: Weilen ich im übrigen von selbsten gern zu lasse, daß obige Dinge zuweilen zuder schregen Bewegung der Dünste einige Beförderung thun mögen.9. So wird auch der Wind nicht einig und allein von der Verdünner=oderVerdickung der Lufft / die beede von der Hitze oder von der Kälte herrühren / verur-sacht und erregt; Wie in dergleichen Gedancken Aversa gestanden / welcher also philosophir-te: Wann ein grosser Theil der Lufft schnell verdünnert wird / so stosset dieselbe nothwendigeine andere Lufft / und diese widerum eine andere vor sich fort; und also wird ein Wind erregt:Ingleichen wann ein grosser Theil der Lufft sich verdicket; so muß nothwendig alsbalden eineandere Lufft eintretten; und solcher gestalten entstehet ebenmässig ein Wind. Wir entziehenaber ermelter Meynung unsern Beyfall darum; weilen, wann dieses die eigentliche Ursachealler Winde wäre, in allwege folgen müste, daß, wie P. de Rhodes erinnert, es im Herbstund Frühlig weniger Wind abgebe, dann im Sommer und Winter; anbetrachtet die Ver-dünnerung alsdann geringer als im Sommer, und die Verdickung nicht so starck als imWinter wäre. Zugeschweigen / daß die Lufft / wann sie sich verdunnert / allenthalben ausge-breitet wird: Und dannenhero der Wind niemahlen nur von einem Ort her / als etwa vonSuden oder Norden / sondern gleich durchaus allenthalben wehen und blasen würde.§. 10. Nachdem wir nun bißhero einige frembde Meynung erzehlet, so wollen wirauch die Unserige mit anhängen / welche dahin gehet: Die würckende Ursache der Windeund ihrer schregen Bewegung nicht immerdar einerley, sondern bald diese, bald eineandere seye, jedoch zum öfftern und insgemeinhin beedes in der Verdünner- und Ver-dickung, und dann in dem Gewalt bestehe: Ich meyne den Gewalt, der denen Dün-sten von der Kälte und dicke der mittlern Lufft=Gegend eingedrucket wird: Dann indeme dieDünste sich durch der Sonnen Hitze verdünneren / und in die Höhe steigen / mithin in diekalte, und mit Dämpffen und Wolcken angefüllte mittlere Lufft=Gegend gelangen; so werdensie von derselben / als ihrem Feind / hefftig zuruck und entweder nach der Seite oder über sichgetrieben; nach deme nemlich der Dampff und die kalte Wolcke / die sie antreffen / gestaltet ist.Welches dann noch weiter dardurch beleuchtet wird / daß die Materi dieser Dünste / so leichtund lüfftig ist, wann sie zuruck getrieben wird, nicht gerad abwerts gehen kan, sondern we-gen der untereinander gemischten gewaltsamen und naturlichen Bewegung seitwerts ausweichenmuß: Welche schrege Außweich= und Bewegung hernach durch die immerzu neu aufsteigen-de und die erstere Außdünstungen fortstossende Rauch=Dämpffe mercklich befordert wird. Undhieraus entstehen alsdann die so mannichfaltige urd zerschiedene Bewegungen der Winde; sodaß sie zuweilen in der Höhe unter den Wolcken toben und wüten, da doch bey uns alles in
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
156
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten