Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Lybischen und Pontischen Pfeiffer mit einander streiten lassen; worauf deß andern Tags eingrausamer Wind aus Lybien hergestürmet / und die Pontische Flotte gäntzlich zerstreuet habe.§. 3. Die Winde und ihre schrege Bewegung werden weder von der Sonnenoch von der unmittelbahren Krafft der himmlischen Cörper / wie doch die meistenStern-Gelehrte darvor halten, gewürcket: Weilen nemlich die Winde keine gewisse Ord-nung im wehen haben / und sich öffters in einem Tag ändern und wenden; auch sonsten nichtwohlgethan ist / daß man bey Unter-Mondischen Würckungen / wo man eine Ursach darzubeybringen kan / Himmlische= und Obermondische Ursachen anzuführen sich bemühe: Wiewoh-len ich doch im übrigen gern zugebe, daß der Einfluß der Gestirne, als durch deren Hitze dieAußdünstungen und Dämpffe aus der Erde und dem Wasser über sich gehoben, verdünnert,und zur Bewegung tüchtig gemacht werden / die entfernte Ursach (causa remota) derWinde seye: Und giebet über diß die Erfahrung zuerkennen / daß manchmals aus einer gewis-sen zusammen Kunfft / Anscheinung und Aufgang der Gestirne viel und starcke Winde entste-hen: Einfolglich sich schliessen lässet / daß der Sternen Einflüsse zur Hervorbringung und Be-wegung der Winde sehr viel beytragen müssen.§. 4. So kan auch die Lufft / ohngeachtet die Stoici nechst dem Seneca ande= Senec. l.y.rer Meynung gewesen / diese schrege Bewegung aus einer natürlichen und eingepflantz- cap. 6.ten Krafft nicht effectuiren oder würcken: Angesehen die Natur nur allein denen lebendtgen Dingen die Krafft / sich von innen zubewegen / verliehen; so daß die Lufft an und für sichselbsten ruhig und unbewegend ist.§. 5. Deß Kepleri Meynung aber fällt sehr ungereimbt / der da (gestalten wirdarvon in vorhergehender Frage Anregung gethan (behaupten wollen; Die Erde seye eingrosses Thier, welches durch Einhohl- und Außblasung der Lufft, die Winde verur-sache / und die Dünste schreghin über die Erde außstosse: Dann die Winde kommen öff-ters von dem hohen Meer oder aus Mittägigen Orten her, wo durchaus einige Oeffnungenoder Lufft=Loͤcher sich nicht befinden. Anitzo zugeschweigen / daß man dergleichen Lufft=Loͤcherfürnemlich / nur auf hohen gebirgen findet; und auch von dannen die Außdunstungen nichtzur Seiten hin sich ausbreiten, sondern in die Höhe aufsteigen: Wie solches an dem BergÆtna in Sicilien wahrzunehmen / dessen Dampff gerad in einer guten Höhe gen Himmel auf-fähret; und erst hernach sich auf die Seite, entweder gegen Suden, oder Norden oder ei-nen andern Welt=Theil nach zerschiedener Beschaffenheit der blasenden Winde dermassen sicht-lich umschläget, daß man wohl bey 60. oder 70. Meilen weit seine Spur in der Lufft vermer-cken kan.§. 6. Nicht weniger ist der Theophrastus verwerflich / welcher vermeinte; daßdie Bewegung der Winde von dem Dunst selbsten darum entstehe; weilen, indem selbigernicht durchaus und völlig trucken seye, sondern auch viel eingemischte Feuchtigkeit mit sich füh-re, und demnach aus leichten und schweren Theilen bestehe, er von den ersten in die Höhe ge-trieben, von den andern aber unter sich gestossen werde; und also die Winde wegen solchenunter ihnen erregten Streits auf die Seite außzulauffen bemüssiget seyen. Dieser Theophra-stus, spreche ich, ist verwerfflich; Dann, wann der Dunst etliche schwere, und etliche leichteTheile in sich begreifft; so sind ermelte Theile etweder durchaus gleich schwer und leicht; undsolcher gestalten würde die Außdünstung in der Lufft unbewegt verbleiben; eben wie auch dieWolcken unbeweglich stehen / so lang ihre Schwere- und Leichtigkeit einander gleich seynd:oder sie seynd nicht durchaus gleich schwer und leicht: und auf diese Weise würde der Dunstohne einigen Widerstand gerad über sich steigen / und wider herabfallen? niemahlen aber sichschregshin und nach der Seite bewegen. Welches Cabeus mit folgender Prob erhärtet: Manbereite eine Kugel aus Wachs und Bley / und lege sie in das Wasser; ist mehr Wachs alsBley vorhanden, so begibt sich die Kugel über sich nach der Oberflache deß Wassers; schlägthergegen das Bley dem Wachs für, so wird besagte Kugel unter sich und zu boden fallen;haben aber Bley und Wachs ein gleiches Gewicht, so wird auch die Kugel sich zwischen demWasser nicht schregshin bewegen / sondern vielmehr an ihrem ersten angewiesenen Ort verhar-ren. Zu dem / wann auch schon die leichte Theile denen schweren Theilen überlegen seynd / in-deme sie sich immerdar vermehren; so siehet man doch nicht, woher es kommen müsse, daßofftmahls Thürne und gantze Gebäude von denen Winden mit unerhörtem Gewalt zu bodengeworffen werden7. Die Ursache der schregen Bewegung rühret nicht von der Umdrehungder durch den von Osten gegen den Westen bewegten Himmel in einem Kreyß herum-gerissener Lufft her: Weilen sonsten folgete / daß alle Winde von Osten nach Westen we-hen müsten; angesehen die Lufft, wann der Himmel selbige mit sich fortzöge, durch sothaneBewe-