Philosophische und Politische BeschreibungSonsten kan eben dieser Wolcken=Spiegel auch dahero kommen / wan eine Kälte auf dünne unddurchsichtige Dämpffe fället / mithin dieselbe zu Eiß / und gantz dunckel machet; so daß die Gestaltender irrdischen Dinge gleichsam vor einem Spiegel stehen / und darinnen bequemlich zuruckstrah-Card. ob- len. Derowegen schreibet Cardanus: Daß in den mitternächtigen Ländern die Lufft=Zeichenserv. l.1.viel wunderbarlicher / und auch öffter zu erscheinen pflegen; und daß / wann gleichfalls bißweilende varietzerschiedene Stimmen der Thiere aus den Wolcken gehört werden, solches ebener massencap. 70.wie Kricher an obangezogenem Ort bezeuget / durch der nechst dabey befindlichen ThiereStimmen / die in einer hohlen Wolcke oder einem Berg zuruck prellen / geschehen könne. Wel-ches dann auch von einer jeden andern Stimme oder Thon muß verstanden werden.§. 3. Es kan nicht weniger vermittelst der Zurruckstrahlung ein oder andersLufft=Zeichen erscheinen. Die Ursach dessen ist / daß die Lufft wegen der untermischten wäs-serigen Dämpffen irgendwo zimlich dick seyn mag / und dahero ein Ding an einem gantz an-dern Ort, als es wahrhafftig sich befind, vorstellet: Allermassen sich hiervon die Gleichnußvon einer auf den Boden eines Geschirs liegender Müntze hernehmen lasset / als die nichts desto-minder wegen der Ruckstrahlung scheinet / ob wäre sie gleich nächst oben an der Superticieoder Oberfläche deß Wassers. Item / gleich wie die Sonne / wann sie schon bereits unterdem Horizont stehet / doch noch ober demselben zu seyn das Ansehen hat / nachdem nemlichdie von der Sonne ausgehende Strahlen auf die Dämpffe der Lufft=Gegend fallen / daselbstenzurückschlagen, und mithin verursachen, daß man meinet, der Sonnen-Cörper seye annochober dem Horizont; Also kan gleicher Weiß ein auf der Erde oder im Meer befindliches Dingvermittelst eines Dampffs, der irgendwo zimlich dick ist, dermassen seine Strahlen zuruckbrechen / daß selbiges an einem andern Ort in der Lufft erhöht scheinet. Dahero es sich zuwei-len wohl zutragen mag / daß bey einem See oder nechst dem Meer / allwo die Lufft dämpffigerund dicker ist, in den Wolcken ein und andere Wunder-Zeichen, als zum Exempel schiffendeLeute / gesehen werden.§. 4. Ob nun wohl auf zerschiedene vorbesagte Weise ein und andere ohnge-wohnte Lufft-Zeichen nahe bey der Erden sich ergeben können; so hat es doch insge-mein mit allen denen / so in dem 1. J. oben hin angeführt worden / und die nemlichweiter und höher in der Lufft sich zeigen / eine gantz andere und ungleiche BewandnußtDann die erste seynd also beschaffen / daß sie nur zu gewissen Zeiten und Orten erscheinen / nurvon gewissen und besondern Orten ausgesehen werden / und nur eine kurtze Zeit dauren: Dieletztere aber ergeben sich an unterschiedlichen Orten / dauren offt viel Tage lang / und werden anzer-schiedenen / weit von einander entlegenen Orten wahrgenommen. Woraus man dann mitSchotto. dem P. Schotto also schliessen kan: Erstlich: Wann zum Exempel / Soldaten / Reuter /Physicur. Kriegs-Heere / und dergleichen Dinge / die irgendwo auf der Erde / oder auf der Superfici-deß Meers befindlich / in die Wolcken / oder eine dämpffige Lufft hinein strahlten / und von dar6.1.2.ihre Gestalten nach den Augen der an andern Orten stehenden Zuschauern zuruck würffen;so würden eben diese erdeute Dinge mittelst der zuruck geschlagenen Strahlen / wie bey denenSpiegeln zugeschehen pfleget / in ihnen gesehen werden: Derowegen seynd sie entweder vonden Zuschauern sehr weit abgefernet; oder sie stehen nahe bey ihnen? Seynd sie weit abge-fernet; so kan man sie nicht sehen / oder sie erscheinen über die massen klein; ohngeachtet sieschon eine ungeheure Riesen=Grösse hätten; indem bekanntlich ist / daß je weiter ein Ding ent-fernet, je kleiner es auch ins Gesicht falle. Seynd sie aber in der Nähe; so kan man, dagantze Kriegs=Heere und blutige Schlachten an dem Himmel sich zeigen / gar leichtlich fast zueben der Zeit, da man sie siehet, oder nicht lang hernach erfahren, ob irgendwo dasjenigeTreffen vorgegangen / so an dem Himmel erschienen; welches aber gleichwohlen bißhero nochniemahlen geschehen ist. Zweytens: Indeme solcherley Dinge in den Wolcken zum Vor-schein kommen, so ist es mithin unlaugbar, daß diese Wolcken selbsten, oder ihre Theile in-zwschen in=und durcheinander lauffen, ihren Ort verändern, und demnach nicht immerdareinerley und ihre vorige Superficien gegen der Erde kehren / einfolglichen auch die Anguli in-cidentiae und reflexionis sich verändern: so daß dergleichen Lufft-Zeichen nicht an einerley oderdem vorigen Ort können gesehen werden: da sie doch nichts destominder offt viel Stundenlang dauren / und anzerschiedenen Orten erscheinen. Dahero schliesse ich weiter /§. 5. Das die in dem 1. §. erzehlte ohngewöhnliche Lufft-Gesichte und Zei-chen, seyen Dämpffe, Ausdünstungen, und dick gewordene Lufft-Theils, welche danicht ungefehr oder auch natürlicher Weiß / sondern von GOtt durch den Dienst derguten Engel wie Pferde, Menschen, Soldaten und Armeen gebildet werden. Unddieser Meynung seynd Framondus, Cabeus, Cornelius à Lapide und andere insgemein.Nun ist zwar dißfalls der materialischen Ursach halber nicht die geringste Strittigkeit: Dann eswird
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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